Syphilis: Eine sexuell übertragbare Krankheit auf dem Vormarsch

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Über Geschlechtskrankheiten machen wir uns heute nur noch wenig Gedanken. Tatsächlich nehmen die sogenannten STI aber wieder zu. Besonders die Zahl der Syphilis-Patienten steigt in den letzten Jahren immer mehr an. Lues (venerea) oder auch Franzosenkrankheit, wie Syphilis noch genannt wird, kann heute gut behandelt werden. Bei einigen Betroffenen führt sie dennoch über Jahre hinweg zu Beschwerden.

Wie läuft die Ansteckung mit Syphilis ab?

Syphilis ist eine bakterielle Infektion. Das Bakterium Treponema pallidum dringt in den Körper ein und verursacht dort verschiedene Symptome. In den meisten Fällen erfolgt die Ansteckung beim Geschlechtsverkehr. Da das auch beim Oralverkehr möglich ist, bieten Kondome keinen vollständigen Schutz. In der ersten Phase der Erkrankung sind Betroffene zudem besonders ansteckend.

Eine Übertragung durch Blutkonserven ist in Deutschland schon seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen. Infizierte Frauen können das Bakterium aber an einen Säugling weitergeben. Deshalb wird zu Beginn der Schwangerschaft in der Regel ein Bluttest durchgeführt. Liegt Syphilis vor, kann diese rechtzeitig behandelt werden.

Die Symptome von Syphilis – vier Phasen der Erkrankung

Typischerweise verläuft Syphilis in vier Phasen. Sie kann aber auch ganz unbemerkt auftreten oder von den üblichen Symptomen abweichen. Das ist insbesondere der Fall, wenn gleichzeitig eine HIV Infektion vorliegt. Durch Lues (venerea) sind die Patienten zudem anfälliger für den HI-Virus.

1. Phase: Primärstadium

Etwa zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung zeigen die Patienten die ersten Symptome. Zunächst verändert sich die Stelle, an der die Bakterien eingedrungen sind. Dort bilden sich kleine dunkelrote Knoten oder Flecken, die nach und nach zu einem nässenden Geschwür werden. Dieses hat nur eine begrenzte Größe und einen harten Rand. Die Hautveränderung ist sehr ansteckend, Schmerzen oder Juckreiz treten aber nicht auf. In den darauffolgenden Wochen schwellen zudem die benachbarten Lymphknoten an.

Wird die Syphilis in dieser Zeit nicht behandelt, gehen die Anzeichen dennoch meist von selbst wieder zurück. Deshalb werden sie von den Betroffenen oft nicht bemerkt.

2. Phase: Sekundärstadium

Zwei bis drei Monate später breiten sich die Bakterien über das Blut und die Lymphknoten weiter aus. Jetzt kann ein Hautausschlag am ganzen Körper entstehen. Oft sind Handflächen und Fußsohlen von rötlichen Flecken bedeckt, die typischerweise nicht jucken. Diese bilden sich zu bräunlich-roten Knötchen, die unter Umständen nässen.

Zusätzlich können in der zweiten Phase der Syphilis auch allgemeine Beschwerden auftreten. Dazu gehören zum Beispiel Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Die Lymphknoten am ganzen Körper können anschwellen. Manchmal kommt es auch zu Haarausfall.

Nach etwa einem Jahr lassen die Symptome der Syphilis – ohne Behandlung – von selbst nach. Sie kann allerdings versteckt weiter bestehen.

3. Phase: Tertiärstadium

Bei etwa einem Viertel der Patienten befinden sich auch nach der 2. Phase noch Bakterien im Körper. Diese können etwa 3-5 Jahre später für erneute Beschwerden sorgen. Manchmal dauert es auch Jahrzehnte, bis sich die Syphilis erneut zeigt.

Alle Gewebe und Organe können jetzt knotige Veränderungen zeigen. Die Geschwüre werden Gummen genannt und können zur Hautoberfläche aufbrechen und ein Sekret absondern, etwa an der Nase oder der Zunge. Oft schädigt das Bakterium Treponema pallidum auch die Blutgefäße und stört die Durchblutung. Ist die Hauptschlagader betroffen, kann es unter Umständen zu lebensgefährlichen inneren Blutungen kommen. Zudem werden die Herzklappen eventuell undicht.

In einigen Fällen zeigen sich auch Sehstörungen durch eine Entzündung des Sehnervs oder der Regenbogenhaut. Das kann ein erstes Anzeichen für eine Neurosyphilis sein. Dabei breiten sich die Bakterien auch im zentralen Nervensystem aus. Oft zeigt sich das durch Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Hörstörungen oder Lähmungen.

4. Phase: Quartärstadium

Mindestens 10 Jahre nach der Ansteckung, manchmal auch erst viele Jahrzehnte später, erreicht die Syphilis das Quartärstadium. Die Bakterien dringen bis ins Rückenmark oder ins Gehirn vor und verursachen dort verschiedene Beschwerden. Dazu gehören etwa:

  • Schmerzen in Bauch und Armen
  • Gangunsicherheit
  • Gefühlsstörung
  • Störung der Blasen- und Darmfunktion
  • Lähmung
  • Wahnideen
  • Halluzinationen
  • Hirnentzündung bis zur Demenz
  • Sprachstörungen
  • Persönlichkeitsveränderung

Die Diagnose von Syphilis

Deuten die Symptome auf Syphilis hin, kann der Hautarzt einen Schnelltest durchführen. Dabei untersucht er das Blut auf Antikörper. Der Test ist deshalb erst zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung aussagekräftig.

Erhärtet sich der Verdacht, ist ein Bestätigungstest nötig. Auch hierbei wird Ihr Blut meist auf Antikörper untersucht. Das Verfahren ist allerdings etwas aufwendiger, sodass es ein genaueres Ergebnis liefern kann. Dennoch zeigen die Tests nur, dass schon einmal eine Syphilis vorlag. Das könnte auch bei einer zurückliegenden Erkrankung der Fall sein. Deshalb müssen die Tests immer im Zusammenhang mit den Symptomen betrachtet werden.

Das Bakterium Treponema pallidum kann auch direkt im Sekret eines Geschwürs nachgewiesen werden. Dafür entnimmt der Arzt eine kleine Probe und betrachtet sie unter dem Mikroskop.

Bei einem Verdacht auf Neurosyphilis wird zusätzlich das Nervenwasser untersucht. Dafür wird es mit einer feinen Nadel aus dem Rückenmark entnommen. Im Labor wird es anschließend auf Entzündungszeichen und den Syphilis-Erreger geprüft.

Die Behandlung von Syphilis

Das Mittel der Wahl bei Syphilis ist Penicillin, eines der ältesten Antibiotika. Je nach Stadium muss es unterschiedlich stark dosiert werden. In Phase eins genügt oft eine Langzeitinjektion oder eine Behandlung über zehn bis 14 Tage. Später ist eine längere Therapie über zwei bis drei Wochen nötig. Im letzten Stadium wird das Penicillin stationär über die Vene verabreicht.

Ein Großteil der Patienten ist nach der Antibiotikabehandlung geheilt. Währenddessen kann es allerdings zu Nebenwirkungen wie Fieber, Schüttelfrost oder Hautausschlag kommen. Diese werden durch Gifte verursacht, die die Bakterien ausschütten. Sollte bei Ihnen eine Penicillin-Allergie vorliegen, kann auch ein alternatives Antibiotikum eingesetzt werden.