HIV und AIDS – Information und Prävention sind das A und O

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„Menschliches Immunschwäche Virus“, „Humanes Immundefizienz Virus“ oder englisch auch „Human immunodeficiency virus“ genannt – diese Begriffe stehen für eine lebensgefährliche Krankheit: HIV. Viele Kampagnen werben seit Jahrzehnten für Schutz und Aufklärung über das Virus. Dennoch besitzen viele Menschen erschreckend viele Wissenslücken oder sind unsicher über Halbwahrheiten zu diesem Thema.

ÄRZTE.DE beantwortet die sechs wichtigsten Fragen:

Was ist das „Menschliche Immunschwäche Virus“ (HIV)?

Das HI-Virus ist ein kleiner Erreger, der sogenannte „Wirtszellen“ im Körper befällt und sich so vermehren und neue Zellen infizieren kann. Es schädigt das körpereigene Immunsystem. Ende des Jahres 2016 lebten etwa 88.400 Personen mit dem HI-Virus in Deutschland – 3.100 infizierten sich im selben Jahr neu. Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit bisher circa 39 Millionen Menschen an dem Virus gestorben sind.

Was geschieht nach einer HIV-Infektion im Körper?

Das Immunsystem ist eine äußerst wirksame Schutzpolizei für unseren Körper. So haben Zellen etwa verschiedene Aufgaben und arbeiten erfolgreich zusammen:

  • Zellen, die alarmieren, wenn Erreger wie Viren, Bakterien oder Pilze in den Körper gelangen
  • „Killer“-Zellen, die diese Erreger beseitigen können
  • Sogenannte „Helferzellen“ signalisieren den verschiedenen Zellen des Immunsystems was zu tun ist

Auf diese Helferzellen hat es das HI-Virus abgesehen und setzt so das Immunsystem außer Gefecht. Erreger können ungehindert in den Körper eindringen und sich dort verbreiten. Bei starker Schwächung der Abwehr kann sich der Körper gar nicht mehr wehren.

Viele Patienten erfahren erst sehr spät von ihrer HIV-Infektion, da sich das Virus anfangs kaum bemerkbar macht. Obwohl es große Unterschiede in den Krankheitsverläufen unbehandelter HI-Infektionen gibt, treten meist kurz nach der Infizierung „Grippe-Symptome“ auf. Die häufigsten sind Fieber, Müdigkeit, starker Nachtschweiß, Durchfall oder Lymphknotenschwellungen. Da diese aber nach einiger Zeit wieder von alleine verschwinden, denken die meisten Patienten und Ärzte eher an eine Grippe oder Darmbeschwerden. Doch genau in dieser Zeit wäre eine beginnende HIV-Behandlung besonders wichtig, da sich die Viren in dieser Phase äußerst stark vermehren.

Was ist das „Erworbene Immunschwächesyndrom“ (AIDS)?

Ist der Körper nicht mehr in der Lage Erreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen, treten vermehrt Erkrankungen auf. Häufige Krankheiten sind zum Beispiel Lungenentzündungen, die ohne ausreichende Abwehr gefährlich werden können. Nun ist die Rede von AIDS, denn der Patient hat ein „Immunschwächesyndrom“ erworben, auf englisch: Acquired immunodeficiency syndrome. Syndrom bedeutet, dass mehrere Erkrankungen oder Symptome gemeinsam auftreten.
Doch:
Nicht jeder HIV-Patient erkrankt an AIDS. Erfährt ein Patient frühzeitig mittels eines Tests von seiner Infektion, können die sehr wirkungsvollen Medikamente eine AIDS-Erkrankung verhindern.

Wie kann man sich infizieren?

Moderne Medikamente für HIV-Patienten sind in der Lage viel Lebensqualität zu erhalten. Einer möglichen Ansteckung muss dennoch unbedingt vorgebeugt werden! Der erste Schritt für eine sichere Prävention ist ausreichend Information über mögliche Ansteckungswege:

  • Die häufigste Übertragung des HI-Viruses geschieht während ungeschützten Geschlechtsverkehrs.
  • Ebenfalls sehr riskant ist das Nutzen gebrauchter Spritzen und Nadeln beim Drogenkonsum.
  • Im Blut, Sperma, der Muttermilch und den Schleimhäuten des Genitalbereichs befindet sich eine hohe Virusmenge.

Wie kann man HIV behandeln?

Das Wissen in der deutschen Bevölkerung über HIV ist sehr unterschiedlich, dass es nicht heilbar ist, haben jedoch die meisten schon einmal gehört. Es gibt aber auch viel Positives über HIV-Therapien zu berichten. Dank der Behandlung mit HIV-Medikamenten kann von einer beinahe normalen Lebenserwartung ausgegangen werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie regelmäßig und lebenslang eingenommen werden.
Wie alle Medikamente, können auch diese Nebenwirkungen haben. Der Großteil der Patienten verträgt die Mittel relativ gut und hat nur während der Gewöhnungsphase am Anfang Probleme. Manchen Menschen machen jedoch schlimme Nebenwirkungen stark zu schaffen.
Bei einer Therapie gegen den HI-Virus werden verschiedene Medikamente gleichzeitig eingenommen, also kombiniert. Diese „Kombinationstherapie“ soll sicherstellen, dass die Vermehrung der infizierten Zellen auch dann gestoppt wird, wenn sich der Erreger bereits verändert, und eine sogenannte „Resistenz“ gebildet hat.
Dank moderner Therapien kann eine AIDS Erkrankung verhindert werden. Wer jedoch bereits daran erkrankt ist, kann mit Einnahme der Medikamente den Krankheitsverlauf noch stoppen und das Immunsystem erholt sich.

Wie kann man sich schützen?

  • Wer sogenannten „Safer Sex“ praktiziert, das Risiko also mittels eines Kondoms mindert, kann sich vor einer HIV-Infektion gut schützen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es jedoch, ähnlich wie bei der Empfängnisverhütung, nicht.
  • Eine weitere Empfehlung der AIDS-Hilfen ist „Safer Use“ beim Drogenkonsum. Das heißt: Stets nur das eigene Spritzbesteck benutzen und auf Hygiene achten
  • Wer Klarheit wünscht, kann sich bei seinem Hausarzt, Gesundheitsämtern oder Teststellen anonym testen lassen.
  • Auch bei einem „Safer Sex Unfall“ lässt sich eine Ansteckung mit HIV meistens verhindern, indem möglichst schnell Medikamente eingenommen werden.
  • Die Deutsche AIDS-Hilfe bietet auf ihrer Website aidshilfe.de alle Informationen zu Teststellen und Kliniken an.

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