Demenz: soziale Kontakte effektiver als Antidepressiva

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Oftmals gehen Demenz und Depressionen Hand in Hand. Die Vereinsamung verstärkt die depressive Symptomatik. Häufig werden deshalb Antidepressiva verschrieben. Dabei sind gerade im Frühstadium der neurodegenerativen Erkrankung soziale Kontakte effektiver als Medikamente. Das haben Forscherinnen und Forscher herausgefunden.

Die Demenz ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung im Alter. In Deutschland sind derzeit knapp 1,6 Millionen Menschen davon betroffenen. Bei den Patientinnen und Patienten kommt es zu einer zunehmenden Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten – die Gedächtnisleistung nimmt ab und auch die Sprache, sowie das Lernen und Planen sind davon betroffen. Zusätzlich fällt das Wiedererkennen von Personen und Objekten zunehmend schwerer. Doch wir sind der neurodegenerativen Erkrankung nicht schutzlos ausgeliefert: Der persönliche Lebensstil hat einen erheblichen Einfluss darauf, ob und wann jemand demenziell erkrankt. So kann eine aktive Lebensführung mit viel körperlicher Bewegung, gesunder Ernährung und sozialen Kontakten vor einer Demenzerkrankung schützen oder zumindest das Auftreten hinauszögern.

Demenz: Soziale Kontakte verringern Erkrankungsrisiko

Depressionen sind eine häufige Komorbidität bei Demenzpatienten. Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass nicht medikamentöse Therapieoptionen genauso gut oder sogar besser die depressive Symptomatik lindern als die alleinige Verabreichung von Antidepressiva. So haben sich laut den Forschenden drei Interventionen – Massage mit Berührungstherapie, kognitive Stimulation mit einem Cholinesterasehemmer und kognitive Stimulation in Kombination mit Bewegung und sozialer Interaktion - als wirksamer erwiesen als einige Medikamente.

Insbesondere im frühen Stadium der Erkrankung sind soziale Kontakte fast wichtiger als Antidepressiva. Warum? Die Sinne werden durch die geistige Aktivität angeregt und durch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sogar soziale Fähigkeiten gefördert. Das stabilisiert und macht Demenzpatienten selbstsicherer. Auch die Tiergestützte Therapie tut Betroffenen gut und kann eine Verbesserung des sozialen und kommunikativen Verhaltens erzielen. So sind Patientinnen und Patienten in sozialen Interaktionen reger und interessierter, wenn Tiere mit dabei sind.

Ob jetzt Mensch oder Vierbeiner besser gegen depressiven Verstimmung helfen, kommt stark auf die erkrankte Person an. Für manche Demenzpatienten mag der Aufbau einer Beziehung zu einem Tier einfacher sein als zu einem Menschen. Bei beiden Verfahren kann jedoch der Verlauf der Demenz nachweislich verlangsamt werden. Wer also aktiv einer Demenz vorbeugen möchte, sollte damit frühzeitig beginnen. Bereits in jüngeren Jahren können wir durch Soziale Unterstützung das Demenzrisiko im Alter beeinflussen.

Dieser Text wurde von unserer Redakteurin Tamara Todorovic verfasst.