Geschlechtskrankheiten selbst diagnostizieren - Heimtests auf dem Vormarsch

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Mit sexuell übertragbaren Krankheiten infizieren sich auch weiterhin weltweit viele Menschen. So schätzt die WHO, dass sich  jährlich mehr als 300 Millionen Menschen mit diesen anstecken würden. Eine beträchtliche Fallzahl davon würden auf Trichomonaden und Chlamydien entfallen. Auch Syphilis und Gonokokken seien in der Bevölkerung weit verbreitet. Während die meisten Betroffenen bisher bei Beschwerden schnellstmöglich die Ärztin bzw. den Arzt ihres Vertrauens aufsuchten, entwickelten sich mit den Jahren zusätzliche Diagnosemöglichkeiten. Immerhin ist es heutzutage schon möglich, Geschlechtskrankheiten mit hoher Sicherheit selbst Zuhause diagnostizieren zu können. Sogenannte Heimtests für die Eigenanwendung ermöglichen dies.

Welche Geschlechtskrankheiten sich mit dem STI-Test diagnostizieren lassen

Mit nur wenigen Handgriffen ist es fortan möglich, zweit weit verbreitete Geschlechtskrankheiten im eigenen Badezimmer festzustellen, anstatt sich auf einen unangenehmen Besuch bei der Gynäkologin oder beim Gynäkologen einstellen zu müssen. Unterschiedliche Anbieter offerieren inzwischen einen Chlamydien Test für den Heimgebrauch, die von Betroffenen selbst durchgeführt und anschließend im Labor ausgewertet werden. Die Bestellung erfolgt hierbei einfach auf der Website, anschließend kommt das Testpaket in einer neutralen Verpackung per Post.

Wann Betroffene einen Heimtest auf STI wie Chlamydien durchführen sollten

Einen Heimtest auf Chlamydien oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten durchzuführen, kann aus mehreren Gründen sinnvoll sein. Einerseits zählen Chlamydien zu den verbreitetsten Geschlechtskrankheiten überhaupt, die jedoch aufgrund der Vielfältigkeit der Symptome oft unbemerkt bleiben oder fehlinterpretiert werden. Auch dann, wenn eine Infektion mit Chlamydien keine oder wenig Symptome verursacht, können schwerwiegende Folgen entstehen: Eine unbehandelte Infektion mit Chlamydien kann verschiedene Entzündungen im Unterleib verursachen und schlimmstenfalls sogar unfruchtbar machen. Zu den besonders gefährdeten Personengruppen gehören auch schwangere Frauen, die Frühgeburten bekommen können oder die Infektion auf das Neugeborene übertragen. 

Einen Heimtest in Eigenregie durchzuführen, kann also sinnvoll erscheinen, wenn eine Risikosituation (etwa ungeschützter Geschlechtsverkehr ohne Kondom) vorliegt oder typische Symptome auftreten. Diese müssen nicht schwerwiegend sein, sondern können sich zunächst als eher „harmlose” Beschwerden (wie Ausfluss oder Brennen beim Wasserlassen) bemerkbar machen. 

Wie Betroffene mit einem positiven Testergebnis umgehen sollten

Fällt der Test auf eine sexuell übertragbare Krankheit wie Chlamydien oder Tripper positiv aus, sollten sich Betroffene unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben. Die richtigen AnsprechpartnerInnen sind hierbei GynäkologInnen. Schämen müssen sich Betroffene für den Gang zum Arzt nicht, da eine Chlamydieninfektion viele Menschen betrifft und kein Zeichen von mangelnder Hygiene ist. Anders als beispielsweise HIV sind Chlamydien gut behandelbar. Mit speziellen Antibiotika heilt die Infektion bereits nach wenigen Wochen meist folgenlos aus. 

Während der Zeit der Therapie sollten Betroffene allerdings auf sexuelle Aktivitäten verzichten, da ein hohes Infektionsrisiko besteht. Auch der oder die PartnerIn sollte von der Ansteckung mit den Erregern unbedingt in Kenntnis gesetzt werden. Sollte die Partnerin bzw. der Partner ebenfalls symptomatisch sein, ist es ratsam, eine Untersuchung und eventuelle Mitbehandlung einzuleiten. So lässt sich vermeiden, dass sich beide SexualpartnerInnen immer wieder gegenseitig erneut anstecken. 

Wichtig: Nach einer Zeitspanne von etwa drei Monaten sollten sich Betroffene erneut einem Test unterziehen. Auf diese Weise lässt sich eine Zweitinfektion rechtzeitig feststellen und behandeln, bevor sich andere mit der Geschlechtskrankheit anstecken. 

Welche Kosten für einen Test zu erwarten sind

Test auf Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien sind für unter 25-jährige Frauen bei der Gynäkologin bzw. beim Gynäkologen einmal jährlich kostenlos möglich. Im Anschluss übernimmt die Krankenkasse die Kosten für einen solchen Test nicht mehr, sodass Patientinnen diesen fortan selbst zahlen müssen. Heimtests hingegen werden als eigenverantwortliche Prävention angesehen, werden nicht ärztlich verschrieben und gelten daher als eigene Anschaffung. Abhängig vom Anbieter sind die STI-Tests für rund 30 bis 50 Euro erhältlich. In den Kosten sind dabei auch die Laborkosten für die Auswertung enthalten.

Heimtests zur Diagnose von Tripper und Chlamydien: Qualität schwankt stark

Insgesamt unterscheiden sich die Heimtests hinsichtlich ihrer Qualität stark voneinander. Wie die deutsche Aidshilfe bemängelt, sind die Tests oft ungenau, wodurch eine beträchtliche Zahl an Infektionen wahrscheinlich unentdeckt bleibt. Auch das RKI weist auf die „Unterschiede in der diagnostischen Genauigkeit” hin. Sobald Betroffene also den Verdacht hegen, mit einer sexuellen Krankheit infiziert zu sein und ein negatives Testergebnis erhalten, sollten sie das Ergebnis bei eindeutigen Symptomen dennoch medizinisch überprüfen lassen.