Binge Eating: wenn Essen zur Sucht wird

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Egal ob Magersucht, Bulimie oder Orthorexie - Essstörungen gibt es viele. Doch von Binge Eating haben die wenigsten schon einmal etwas gehört. Kein Wunder, denn die Esssucht ist erst seit wenigen Jahren als eigenständige psychische Krankheit anerkannt; Sie ist daher noch deutlich weniger erforscht als andere Erkrankungen. Dabei ist Binge Eating eigentlich die häufigste Essstörung in unserer Bevölkerung.

Was versteht man unter Binge Eating?

Der Begriff Binge Eating stammt aus dem Englischen. Das Wort „binge“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „Gelage“. Sinngemäß versteht man darunter übermäßiges, exzessives Essen.

Binge Eating, auch bekannt als Esssucht, ist eine ernst zu nehmende psychische Störung. Betroffene leiden unter immer wiederkehrenden Essanfällen, über die sie keine Kontrolle haben. Während dieser Fressattacken essen sie innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr als die meisten Menschen.

Symptome von Binge Eating

Die Fressattacken finden meist alleine statt. Zu groß ist die Scham und der Ekel vor sich selbst. Binge Eater fühlen sich hinterher häufig deprimiert und leiden unter großen Schuldgefühlen. Das ist auch der Grund, weshalb sie sich immer mehr zurückziehen und soziale Kontakte vermeiden. Nur selten ergreifen Betroffene gewichtsregulierende Maßnahmen, daher sind sie häufig (aber nicht immer) übergewichtig. In der Folge entwickeln sich oft Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und orthopädische Probleme. Auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt.

Binge Eater haben oftmals ein geringeres Selbstwertgefühl als Menschen, die nur stark übergewichtig sind. Denn Esssüchtige leiden in der Regel an weiteren psychischen Störungen wie beispielsweise Angststörungen, Manien, Depressionen oder Suchterkrankungen. Deshalb müssen die zugrundeliegenden psychischen Erkrankungen bei einer Therapie unbedingt mit behandelt werden.

Die Essanfälle treten im Durchschnitt an mindestens einem Tag pro Woche über drei Monate auf. Die große Menge an Nahrungsmitteln ist dabei oft sehr kalorienreich und wird regelrecht heruntergeschlungen; Genuss und Hunger spielen währenddessen keine Rolle. Aufgehört wird erst, wenn eine unangenehme Sättigung eintritt. So können Binge Eater in einem Gelage locker weit über 5.000 Kalorien zu sich nehmen.

Wie entsteht eine Esssucht?

Die Esssucht beginnt meist später als eine Magersucht oder Bulimie. Binge Eater sind häufig junge Erwachsene oder Menschen mittleren Alters. Expertinnen und Experten schätzen, dass rund ein bis vier Prozent der Bevölkerung betroffen sind.

Bislang ist leider noch nicht bekannt, wie die Neigung zu exzessivem Essen entsteht. Es wird jedoch vermutet, dass verschiedene psychologische, soziale und biologische Faktoren dafür verantwortlich sind:

  1. Egal ob Langeweile, Wut, Trauer oder Stress: Betroffene haben häufig Probleme im Umgang mit ihren Gefühlen. Die Essanfälle sollen als eine Art Entspannung dienen.
  2. Genetische Veranlagung für die Entstehung einer psychischen Störung,
  3. Traumata wie Missbrauchserlebnisse und andere kritische Lebensereignisse,
  4. Veränderungen im Stoffwechsel des Gehirns,
  5. Übergewicht bzw. Adipositas in der Kindheit und
  6. Diäten, die wiederum Heißhungeranfälle auslösen können.

Ist die Binge-Eating-Störung heilbar?

Ohne professionelle Unterstützung bekommen die wenigsten Menschen ihre Binge-Eating-Störung in den Griff. Daher ist es ungemein wichtig, dass sich Betroffene Hilfe suchen. Denn eine frühe Diagnose kann die Chancen einer schnellen Heilung erhöhen. Wenn Sie Symptome der Esssucht bei sich feststellen, kann der Gang zu Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ratsam sein. Sollte sich der Verdacht einer Binge-Eating-Störung bestätigen, wird man Sie an einen Psychiater, ambulanten Psychothertapeuten oder eine Fachklinik überweisen.

Expertinnen und Experten gehen übrigens davon aus, dass etwa 70 Prozent der Patientinnen und Patienten die Esssucht nach zwölf Jahren überwunden haben. Bei etwa sechs bis acht Prozent der Betroffenen kommt es zu Rückfällen.

Dieser Text wurde von unserer Redakteurin Tamara Todorovic verfasst.