Affenpocken – kommt es zu einer weiteren Pandemie?

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Affenpocken – kommt es zu einer weiteren Pandemie?

Seit 1980 gelten die Pocken als ausgerottet: Nun treten weltweit Fälle von Infizierten mit dem Affenpocken-Virus auf. Wie infektiös Affenpocken für Menschen sind, an welchen Symptomen man die Krankheit erkennt und ob die Gefahr einer erneuten Pandemie besteht, erklären wir Ihnen im folgenden Artikel.

Die Affenpocken sind eine seltene Virusinfektion und werden von Erregern verursacht, welche eng mit den einst gefürchteten Pocken verwandt sind. Eine Infektion mit den Affenpocken verläuft jedoch meist deutlich milder und heilt in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen aus.

Bei den Affenpocken handelt es sich um eine Krankheit, die aus dem Tierreich auf den Menschen überspringt. Dies nennt man Zoonose. Da Symptome des Virus erstmals 1958 bei Laboraffen beobachtet wurden, bezeichnete man das Virus als Affenpocken. Tatsächlich bilden nicht die Affen, sondern Nagetiere das Hauptreservoir der Krankheitserreger, mit denen sich Menschen, genauso wie Affen, aber auch andere Säugetiere infizieren können.

Welche Symptome treten bei Affenpocken auf?

Frühe Symptome der Affenpocken sind:

  • Fieber
  • Muskel-, Gelenk-, und Rückenschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten
  • Abgeschlagenheit

Ungefähr ein bis drei Tage nach Auftreten dieser ersten Krankheitsanzeichen bildet sich zudem der für die Krankheit charakteristische Hautausschlag. Ähnlich wie bei Windpocken, entstehen Bläschen auf der Haut, welche mit Sekret gefüllt sind. Sie verkrusten mit der Zeit und fallen ab.

Haben Sie Symptome, die zu dieser Krankheit passen? Dann lassen Sie sich am besten gleich bei Ihrem Arzt untersuchen.

Wie kann ich mich mit Affenpocken infizieren?

Bislang ist bekannt, dass sich Affenpocken durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen. Körperflüssigkeiten wie Speichel, insbesondere aber auch das wässerige Sekret der Bläschen und das verkrustete Material, sind sehr infektiös. Eine Infektion über die Luft bzw. Aerosole wie bei Sars-Cov-2 ist bislang nicht nachgewiesen.

Was bei Kontakt zu Infizierten zu beachten ist

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der ersten Symptome, beträgt bei Affenpocken ungefähr 5 bis 21 Tage. Bei Kontakt zu Erkrankten werden Hygienemaßnahmen wie das Händedesinfizieren, das Tragen von Schutzhandschuhen, Schutzbrille und Atemschutzmaske empfohlen. Außerdem mindert die Abdeckung der Haut von Infizierten das Ansteckungsrisiko für Kontaktpersonen. Erkrankte sollten auch den Umgang mit Haustieren meiden, da sich diese genauso wie wir Menschen mit dem Virus infizieren können. Mit Affenpocken können sich alle Menschen gleichermaßen anstecken, wobei Kinder das Virus etwas schlechter zu verkraften scheinen als Erwachsene. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem drohen ebenfalls schwerere Verläufe. Das können beispielsweise Menschen sein, die immununterdrückende Medikamente einnehmen.

Meist heilen Affenpocken allerdings von alleinus. Bei Bedarf können Medikamente die Schmerzen der Pusteln oder Symptome wie Fieber und Muskelschmerzen lindern. Für Patienten mit schweren Verläufen sowie mit Immunschwäche gibt es seit Januar 2022 das Medikament Tecovirimat. Dieses bremst die Vermehrung der Viren im Körper und sorgt somit für einen milderen Verlauf der Krankheit.

Schützt die Pockenimpfung  vor dem Virus?

Der erste Pocken-Impfstoff war ein Lebendimpfstoff. Dieser wurde im letzten Jahrhundert über Jahrzehnte verimpft. Nachdem es durch diese Impfprogramme gelungen war, die Pocken auszurotten, wurde die Impfung in den 1980er-Jahren eingestellt.  In Deutschland war die Pockenimpfung bis  1976 verpflichtend, 1983 wurde sie endgültig ausgesetzt. Laut Schätzungen sind etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung nicht mehr    gegen Pocken geimpft, wodurch auch der Schutz gegen das verwandte Affenpocken-Virus rückläufig ist. Das könnte zu den aktuellen Infektionen beitragen.

Menschen, die über 45 Jahre alt sind, müssten diese Pockenimpfung noch erhalten haben und besitzen daher häufig noch einen gewissen Schutz vor Pocken. Dank der engen Verwandtschaft von Pocken- und Affenpocken-Erregern, schützt die Impfung auch vor diesen. Wie hoch der Impfschutz aber tatsächlich noch ist, ist bislang unklar. Da weltweit seit über 25 Jahren kein Pockenfall mehr aufgetreten ist, wird aktuell nicht gegen Pocken geimpft.

Stehen wir am Anfang einer Affenpocken-Pandemie?

Viele Menschen machen sich Sorgen, dass der Anstieg der Affenpocken-Infektion den Anfang eines weiteren Pandemieausbruchs darstellt. Laut Bundesgesundheitsminister Lauterbach sind die Affenpocken-Fälle "nicht der Beginn einer neuen Pandemie", denn Affenpocken sind sehr viel weniger ansteckend als Sars-Cov-2. Außerdem gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass sich die Erreger auch über die Luft ausbreiten können, so wie es beim Corona-Virus Sars-Cov-2 der Fall ist. Auch scheint es kaum Fälle zu geben, in denen die Infizierten keine Krankheitszeichen bemerken, also asymptomatisch sind. Sie stecken daher gleichzeitig weniger Menschen an und die Kontaktpersonen lassen sich zuverlässiger nachverfolgen. Das macht die Affenpocken insgesamt weniger gefährlich. Die Affenpocken sind zudem keine komplett neue Krankheit. Wiederkehrende Ausbrüche in verschiedenen Ländern gelten als normal. Unter anderen ist Deutschland auch deshalb schon vergleichsweise gut auf das Virus vorbereitet. Auch das Robert Koch-Institut schätzt die Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung derzeit als gering ein. Dennoch ist es wichtig, die weitere Ausbreitung der Infektion aufzuhalten. Ziel ist es, das Virus wieder vollständig zurückzudrängen.

 

Dieser Text wurde von Marielouise Mösel verfasst.