Azubis für Ihre Arztpraxis finden: So gewinnen Sie die Generation Z

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Eine Person im grünen Kasak mit Stethoskop um den Hals hält ein Blatt auf dem "Azubis gesucht" steht. In der anderen Hand hält sie einen schwarzen Pfeil, der auf das Blatt zeigt.
Wer Azubis von der Arbeit in der Arztpraxis überzeugen möchte, muss vor allem die eigenen Stärken kommunizieren. | © MQ-Illustrations - stock.adobe.com

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So unterschiedlich diese Schlagzeilen zur Generation Z sind, sie zeigen deutlich: Um sie als Mitarbeiter:innen zu gewinnen, reicht eine einfache Stellenanzeige mit „Azubi gesucht“ nicht aus. Doch was können Sie tun, um neue Azubis aus der Generation Z zu finden?

Eine sinnstiftende, gute Ausbildung ist Ihr Wettbewerbsvorteil

Geeignete Auszubildende für die Arztpraxis zu finden, ist spürbar schwieriger geworden. Nach dem Fachkräfteengpassanalyse gibt es nicht nur weniger Schulabsolventen und Schulabsolventinnen, jedes Jahr bleiben auch immer mehr Ausbildungsstellen unbesetzt, während viele Betriebe über zu wenig Bewerber:innen klagen.

Dazu trägt auch eine Besonderheit der Generation Z - grob die zwischen 1997 und 2012 geborenen – bei.  Sie informiert sich anders, entscheidet bewusster und stellt klarere Erwartungen an Ausbildungsbetriebe. Laut der Shell Deutschland-Jugendstudie legen junge Menschen besonderen Wert auf Sicherheit, Sinnhaftigkeit und ein verlässliches Arbeitsumfeld.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Arztpraxen schlechte Karten haben. Im Gegenteil: Kaum ein Ausbildungsberuf verbindet so deutlich gesellschaftliche Relevanz, Teamarbeit und direkte Verantwortung wie die Arbeit in einer Praxis. Diese Botschaft muss allerdings auch bei den Berufseinsteiger:innen ankommen. Denn die Gesundheitsberufe haben einen schlechten Ruf. Immer wieder wird von schlechten Arbeitszeiten, hohen Anforderungen und Burn Out wegen Personalmangel berichtet.

Wer heute Auszubildene in eine Praxis oder ein MVZ locken möchte, muss vor allem seine Stärken kommunizieren und die Ausbildung professionell organisieren.

Was die Generation Z von einer Ausbildungsstelle erwartet

Die anfangs genannten Schlagzeilen zeigen, dass es viele Vorurteile zur Generation Z und Arbeit gibt. Doch was stimmt denn nun wirklich? Das Verständnis von Arbeit hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Grundlagen bleiben allerdings dieselben.

Die Shell Deutschland-Jugendstudie zeigt, dass Sicherheit und Stabilität weiterhin zu den wichtigsten beruflichen Zielen zählen. Die Mehrheit der befragten Jugendlichen wünscht sich eine feste berufliche Perspektive und ein verlässliches Umfeld.

Gleichzeitig verdeutlicht die internationale Deloitte Gen Z and Millennial Survey, dass junge Beschäftigte großen Wert auf regelmäßiges Feedback, transparente Kommunikation und Entwicklungsmöglichkeiten legen. Besonders relevant ist dabei der Wunsch nach klaren Strukturen und nachvollziehbaren Erwartungen.

Für die Ausbildung in der Arztpraxis bedeutet das konkret:

  • Planbarkeit: Feste Arbeitszeiten, transparente Dienstpläne und klare Zuständigkeiten.
  • Struktur: Ein nachvollziehbarer Ausbildungsplan mit definierten Lernzielen.
  • Wertschätzung: Regelmäßige Rückmeldungen und sichtbare Anerkennung.
  • Sinnorientierung: Verständnis dafür, welchen Beitrag die eigene Arbeit für Patienten und Patientinnen leistet.
  • Entwicklungsperspektive: Fortbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen, etwa zum Praxismanager bzw. zur Praxismanagerin oder VERAH.

Gerade hier haben Praxen und MVZ einen strategischen Vorteil: Die Tätigkeit ist per se sinnstiftend. Medizinische Fachangestellte erleben unmittelbar, wie ihre Arbeit den Praxisalltag stabilisiert und die Patientenversorgung ermöglicht. Entscheidend ist, diesen Mehrwert im Ausbildungsprozess bewusst zu kommunizieren, nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Teil der Arbeitgeberpositionierung.

Hat die Generation Z überzogene Erwartungen?

Junge Menschen wünschen sich heute Orientierung: Klare Regeln, transparente Erwartungen und eine verlässliche Führung. Für Praxen und MVZs, die diese schaffen müssen, bedeutet das mehr Arbeit. Auszubildende laufen nicht einfach nur mit, sondern müssen begleitet werden. Zusätzlich braucht es Pläne, feste Ziele und viel Kommunikation. Im Gegenzug können Ausbilder:innen aber auch erwarten, dass die Auszubildenden motiviert bei der Sache sind und wirkliches Interesse an der Arbeit haben.

3 Typische Schwachstellen bei der Azubi-Suche in Arztpraxen

Viele Praxen und MVZs sind motiviert, eine gute Ausbildung für Azubis anzubieten. Für Bewerber:innen ist das aber gar nicht ersichtlich. Diese drei typischen Fehler sollten Sie deshalb vermeiden:

Interessenten können Ihre Praxis nicht kennenlernen

Bevor Bewerber:innen mit Ihnen Kontakt aufnehmen, informieren sie sich in der Regel gründlich über die Arbeitsstelle und das meist online. Denn gerade die Generation Z lebt digital. Sie nutzt Suchmaschinen, Ausbildungsportale und soziale Medien, um eine Arbeitsstelle näher kennen zu lernen. Dabei sind besonders authentische Einblicke wichtig. Denn mit gestellten Teamfotos und Agenturtexten können die Interessenten und Interessentinnen Sie nicht kennenlernen.

Ob kleine oder große Praxis hier lohnt es sich, Employer Branding Strategien zu entwickeln und besonders junge Teammitglieder einzubeziehen.

TikTok, Instagram und Videos über den Praxisalltag sind nicht Ihre Welt? Dann sollten Sie anders mit möglichen Auszubildende in Kontakt treten. Viele Schulen suchen beispielsweise regelmäßig Praktikumsplätze für ihre Schüler:innen und freuen sich, wenn sie bereit sind, eine Praktikumsstelle anzubieten. Andere Möglichkeiten sind etwa Jobbörsen, Ausbildungsmessen oder auch ein kurzer Vortrag am Karrieretag der örtlichen Schulen.

Tipp: Lassen Sie Mitarbeiter:innen zu Wort kommen

Was gefällt Ihren Mitarbeiter:innen besonders an Ihrer Arbeit? Wie empfinden sie den Praxisalltag? Die Antworten auf diese Fragen können nicht nur überraschen, sie geben auch besonders authentische Einblicke – und gehören damit unbedingt auf Ihre Karriereseite. Jobbewertungsportale wie kununu bieten zudem Platz für noch ausführlichere Berichte Ihrer Mitarbeiter:innen. Auch für kleinere Praxen und MVZs kann es sich lohnen, hier nach Bewertungen zu fragen.

Ihr Stellenangebot geht unter

Auszubildende sucht jede Praxis zur gleichen Zeit. Es gibt also auch gleichzeitig viele Stellenangebote. Deshalb sollten Sie sich Zeit nehmen, eine wirklich gute Stellenanzeige zu schreiben, die vor allem Ihre Stärken betont. Geben Sie am Ende gerne das zu erwartende Gehalt an (Stichwort: Entgelttransparenz Richtlinie) und erklären Sie, wo und wie sich Interessenten und Interessentinnen bewerben können. Zudem sollte immer auch ein(e) Ansprechpartner:in genannt werden, an den oder die sich Bewerber:innen bei Fragen wenden können.

Fehlende Kommunikation

Die Generation Z wünscht sich Struktur, Planbarkeit und Wertschätzung nicht erst in der Ausbildung, sondern schon während des Bewerbungsprozesses. Fragen zu Inhalten, Ausbildungsplänen und Erwartungen sollten zeitnah, ehrlich und umfassend beantwortet werden. Ein(e) zentrale(r) Ansprechpartner:in sollte dafür ausreichend Zeit im Praxisalltag haben. Jede(r) Bewerber:in sollte außerdem über den gesamten Bewerbungsprozess informiert werden. Wichtige Fragen sind etwa:

  • Haben Sie die Unterlagen erhalten?
  • Wann melden Sie sich wegen eines Vorstellungsgesprächs? Wer führt das Gespräch bzw. ist dabei?
  • Gibt es praktische Aufgaben oder Tests?
  • Ist ein Probearbeitstag geplant? Wann und wie soll es ablaufen?
  • Wann gibt es eine Rückmeldung nach dem Gespräch?
  • Wie lange haben Bewerber:innen Zeit, sich zu entscheiden?

Konkrete Strategien für mehr Azubi-Bewerbungen

Wer mehr Azubi Bewerbungen bekommen möchte, sollte sich nicht nur mit den eigenen Stärken beschäftigen, sondern auch in die Bewerber:innen hineinversetzen. Über allem steht die Frage „Was wünscht sich die Generation Z?“ und wie können Sie diese Wünsche erfüllen. Statt mit Vorurteilen sollten Sie also wertschätzend und verständnisvoll an die Aufgabe herangehen. Zusätzlich helfen können außerdem diese 5 Strategien. 

Sinn vermitteln

Viele Jugendliche und junge Erwachsene wünschen sich eine sinnstiftende Tätigkeit. Werteorientierung und positiver gesellschaftlicher Einfluss spielen für sie eine große Rolle. Gleichzeitig gewinnt die ambulante Versorgung an Bedeutung. Es spricht also erstmal viel für eine Ausbildung im Gesundheitswesen.

Dieses Argument sollten Sie unbedingt aufgreifen. Hilfreich ist dafür etwa:

  • Aufgaben einordnen
    Erklären Sie nicht nur, was getan wird, sondern warum.
    Beispiele: „Sie sind erste Ansprechperson für Patientinnen und Patienten.“, „Sie sorgen dafür, dass Behandlungen reibungslos ablaufen.“, „Sie tragen dazu bei, dass Menschen medizinisch sicher versorgt werden.“
  • Früh Verantwortung übertragen
    Kleine, klar umrissene Aufgaben mit eigenem Verantwortungsbereich stärken das Selbstwirksamkeitserleben.
  • Entwicklungsperspektiven aufzeigen
    Weiterbildungsmöglichkeiten, z. B. im Bereich Praxismanagement oder Spezialisierungen, machen deutlich, dass die Ausbildung nicht Endpunkt, sondern Startpunkt ist.

Benefits überdenken

Das Gehalt ist natürlich immer noch ein wichtiger Grund für oder gegen eine Stelle. Vor allem junge Menschen achten aber auch vermehrt auf andere Benefits. Damit ist schon lange kein Kickertisch und kostenloses Obst gemeint. Überzeugende Argumente können etwa sein:

  • Anpassbare Arbeitszeiten
    Gleitarbeitszeit und Home Office sind im Gesundheitsbereich oft nicht ohne Weiteres möglich. Oft sind aber eine flexible Dienstplangestaltung oder bedarfsorientierte Arbeitszeitmodelle denkbar. So signalisieren Sie: Wir haben feste Öffnungszeiten, an denen Mitarbeiter:innen anwesend sein müssen, versuchen aber alle Bedürfnisse einzubeziehen, von Buszeiten über Kinderbetreuung bis hin zu gelegentlichen Terminen.
  • Fort- und Weiterbildungen
    Gerade Auszubildende sind wissensdurstig und möchten vielleicht eine Zeitlang in einer anderen Praxis hospitieren oder in Themengebiete wie Praxisorganisation oder Digitalisierung tiefer einsteigen.
  • Pausen-, Urlaubs- und Feierabendregelung
    Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeiter:innen feste Pausen und einen sicheren Feierabend oder auch freie Urlaubsplanung. Dies ist oft mehr wert als vermeintlich flexible Zeiten mit vielen Überstunden und ständiger Erreichbarkeit.
  • Jobticket, Gesundheitsangebote und Co.
    Oft sind es kleine Gesten, die Ihre Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiter:innen zeigen. Das Jobticket, die Mitgliedschaft im nahen Fitnessstudio oder ein wöchentliches Teamfrühstück können, an die Bedürfnisse Ihrer Belegschlaft angepasst, ein überzeugendes Argument für eine Stelle sein.

Ausbildung planbar machen

Haben Sie einmal eine klare Struktur erarbeitet, hilft das nicht nur den Azubis. Auch für die Ausbilder:innen ist es oft einfacher, Ausbildungsinhalte zu vermitteln und Verantwortung Stück für Stück abzugeben. Wichtig dafür ist:

  • Ein schriftlicher Ausbildungsfahrplan mit Zeitplan und Lerninhalten
  • Ein(e) feste Ansprechpartner:in, an den bzw. die sich Auszubildende und andere Mitarbeiter:innen wenden können.
  • Regelmäßige Feedbackgespräche, um persönliche Ziele festzulegen und Erfolge zu feiern. 
  • Klare Lernziele, die von allen geprüft werden können.

Sichtbarkeit erhöhen

Im Idealfall kennen Jugendliche und junge Erwachsene Ihre Praxis schon als guten Ausbildungsbetrieb, bevor sie Bewerbungen abschicken. Dafür können Sie etwa Schulen der Gegend besuchen, Schulpraktika anbieten oder auf Instagram und TikTok aktiv werden. Geben Sie dort authentische Einblicke und zeigen Sie, warum die Arbeit bei Ihnen Spaß macht.

Hat ein(e) pontenzielle(r) Auszubildende(r) noch nicht von Ihnen gehört, sollte er oder sie ebenfalls schon vor der Bewerbung möglichst viel erfahren können – zum Beispiel über Karriere- und Ausbildungsseiten auf Ihrer Webseite, durch eine(n) persönliche(n) Ansprechpartner:in oder auf Jobbewertungsplattformen.

Moderne Kommunikation

Für eine gute, moderne Kommunikation braucht es vor allem zwei Voraussetzungen: Digitalisierung und Transparenz. Da die Generation Z digital aufgewachsen ist und überwiegend digital kommuniziert, sollten Sie Ihre Kommunikationswege entsprechend anpassen. In der Stellenanzeige sollte beispielweise eine E-Mail-Adresse für Fragen genannt werden und nicht nur eine Telefonnummer.

Zudem sollten Sie auf regelmäßiges Feedback achten, auch schon im Bewerbungsprozess. Konflikte und Probleme sollten frühzeitig angesprochen werden, Abläufe und Regeln immer klar und transparent mitgeteilt werden. So zeigen Sie möglichen Auszubildenden, was sie während der Ausbildung erwarten können.

Checkliste: 7 Punkte Selbstcheck für Ausbilder

Quellen

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