Saftkur – Entgiftung für den Körper oder nur unnötige Quälerei?

Vorlage artikelbild aerzte de blog  8 vaqrzx

Detox bzw. die Entgiftung des Körpers durch eine Saftkur wird immer populärer. Verfechter dieses Trends sind sich einig, dass der Körper schnell überflüssige Wassereinlagerungen und Giftstoffe loswerden kann. Gleichzeitig soll man sich anschließend wieder besser und wohler fühlen. Aber was steckt hinter diesem Trend, was genau wird eigentlich abgebaut und hat er wirklich gesundheitliche Vorteile?

Was bedeutet Detox?

Detox ist die Abkürzung für Detoxifikation und bedeutet Entgiftung. Ziel dieser Art von Diäten ist es, den Körper von innen zu reinigen und Schadstoffe wie Nikotin, Alkohol oder Schwermetalle abzubauen. Entgiftungsorgane wie die Nieren oder die Leber sollen durch diese Kuren gestärkt werden.

Beim Detoxen gibt es verschiedene Konzepte, unter anderem der Verzicht auf zucker- und fettreiche oder tierische Produkte. Eine in den letzten Jahren immer beliebter gewordene Methode ist das Fasten mit der Saftkur.

Für wen eignet sich eine Saftkur?

Grundsätzlich eignet sich eine Saftkur für jeden gesunden Erwachsenen. Um einen Neustart in eine gesündere Ernährung zu wagen, kann diese sehr hilfreich sein. Sollten allerdings gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie schwere Allergien oder Vorerkrankungen, vorliegen, muss die Durchführung in jedem Fall mit einem Arzt angesprochen werden. Auch Schwangeren und stillenden Frauen wird stark davon abgeraten.

Wie funktioniert eine Saftkur?

Bei einer Saftkur wird über einen gewissen Zeitraum komplett auf feste Nahrung verzichtet. Auf dem Ernährungsplan stehen ausschließlich kaltgepresste Säfte aus Obst und Gemüse, ungesüßte Teesorten und Wasser. Pro Tag werden zwischen vier und sechs Säfte getrunken, deren Reihenfolge meist vorgegeben ist. Auf Nikotin und Alkohol sollte zusätzlich komplett verzichtet werden.

Viele Menschen berichten von einer verbesserten Konzentration und gesteigerter Energie nach einer Saftkur. Ein Grund hierfür könnte die Pause von fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln sein. 

Auf der anderen Seite klagen viele Menschen über Unwohlsein, Übelkeit und einer verminderten Aufnahmefähigkeit während einer Saftkur.

Kann man mit einer Saftkur abnehmen?

Entgegen vieler Annahmen, dient eine Saftkur nicht dazu, möglichst schnell abzunehmen. Zwar wird in der Regel merklich an Gewicht verloren, aber ausschließlich Flüssigkeit. Da der Körper insgesamt weniger Kalorien zugeführt bekommt, entwässert er. Sobald allerdings wieder zu fester Nahrung über gegangen wird, nimmt der Körper das verlorene Wassergewicht schnell wieder zu.

Mögliche Risiken einer Saftkur

Eine reduzierte Kalorienaufnahme wirkt sich auf jeden Körper anders aus und kann schwächere oder stärkere Begleiterscheinungen mit sich bringen. Es sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, die vorgegebene Anzahl der Säfte ungefähr zu den vorgegebenen Zeiten zu trinken. So wird keine „Mahlzeit“ ausgelassen.

Bei einer Durchführung über einen längeren Zeitraum kann es zu Muskelabbau und Übersäuerung kommen. Nach einer Saftkur muss darauf geachtet werden, den Körper erst langsam wieder an feste Nahrung zu gewöhnen. Voreiliger Konsum von zu großen Portionen kann zu Übelkeit und anderen Beschwerden führen, da der Körper anfangs damit überfordert ist. 

Im Anschluss einer Saftkur kann es außerdem bei unverändertem Essverhalten zu einem Jojo-Effekt kommen, sodass das verlorene Gewicht sehr schnell wieder zugenommen wird.

Persönliche Erfahrungen mit der Saftkur

Lea, unsere Designerin, hat vor kurzem selbst eine Saftkur durchgeführt. ÄRZTE.DE hat sie zu ihren persönlichen Erfahrungen befragt.

ÄRZTE.DE: Lea, du hast dich für eine dreitägige Saftkur entschieden. Wie erging es dir während diesen drei Tagen?

Lea: Am ersten Morgen habe ich statt meinem üblichen Porridge mit dem ersten Saft der Kur in den Tag gestartet. Tatsächlich habe ich bereits gegen 12 Uhr das erste Magenknurren gespürt. Dieses hielt sich aber im Gegensatz zu meinem üblichen starken Hunger in Grenzen. Trotzdem war ich ziemlich müde und erschöpft, nach der Arbeit musste ich mich also erst einmal hinlegen.

Was mir gar nicht gutgetan hat, waren die Sozialen Netzwerke. Hier sieht man sehr viel leckeres Essen, das einem natürlich noch viel mehr auffällt, wenn man gerade nichts essen darf.

Außerdem habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie sehr mir Kaffee fehlt. Ich möchte diesen Konsum auf jeden Fall in Zukunft eindämpfen.

Ich hatte sehr wenig Energie den Tag über, deswegen war das Einschlafen an dem Abend kein Problem.

Auch am nächsten Morgen bin ich relativ energielos und mit leichten Kopfschmerzen in meinen Tag gestartet. Wasser mit Pfefferminz hat mir hierbei aber geholfen. Nach jedem Saft habe ich einen Energieschub bemerkt, allerdings hielt dieser leider nicht sehr lange an. Insgesamt habe ich mich gut gefühlt, etwas langsam aber nicht mehr so müde.

In der Nacht auf den dritten Tag habe ich gut geschlafen. Abgesehen von Muskelschmerzen, habe ich mich weder müde gefühlt, noch hatte ich starken Hunger. Gegen Nachmittag kam dann aber doch die Lust auf leckeres Essen. Um mich davon abzulenken, bin ich lange spazieren gegangen. Leider haben die Muskelschmerzen nicht aufgehört und mich in der Nacht wachgehalten.

ÄRZTE.DE: Wie hast du dich am Tag nach der Saftkur gefühlt?

Lea: Da sich Magen und Darm erst langsam wieder an das Essen gewöhnen müssen, habe ich den Tag mit einer Smoothiebowl angefangen. Später habe ich plötzlich festgestellt, wie langsam die Energie in meinen Körper zurückkehrt. Das Beste ist, dass die Vorteile der Saftkur (fokussiert und geerdet sein) anhalten. In Kombination mit neuer Energie ist das ein sehr gutes Gefühl.

ÄRZTE.DE: Wie ist dein abschließendes Fazit nach der Saftkur?

Lea: Ich wusste es wird hart, aber wie es wirklich ist nichts mehr zu essen, habe ich erst erfahren, als ich das auch mal ausprobiert hatte. Für mich persönlich war der erste Tag am schlimmsten, weil ich immer wieder an leckeres Essen denken musste. Außerdem habe ich bemerkt, wie wichtig mir Kaffee ist. Die Muskelschmerzen am dritten Tag haben mich leider zusätzlich sehr belastet.

Mir ist bewusstgeworden, dass ich mir viel zu selten Pausen oder mal ein Nickerchen gönne. Durch die Saftkur wurde mir klar, dass ich nicht krank sein muss, um auch mal eine Auszeit einzulegen.

Für mich persönlich war der größte Vorteil der Saftkur, dass mein Kopf richtig klar wurde. In den letzten Wochen habe ich mich oft überfordert gefühlt. Ich habe mir über zu viele Dinge Gedanken gemacht, die mich gestresst haben. Durch die wenige Energie konnte ich mich nur auf die wichtigen Dinge konzentrieren, dadurch habe ich gelernt, mich wieder zu fokussieren.

ÄRZTE.DE: Hast du Tipps für jemanden, der auch eine Saftkur ausprobieren möchte?

Lea:

  1. Suche dir Säfte aus, die dir wirklich schmecken!
  2. Probiere verschiedene Gläser (oder auch mal Strohhalme aus) um mehr Abwechslung zu haben.
  3. Sehr viel trinken, z.B. Wasser mit Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen.
  4. Mittagsschlaf um neue Energie zu bekommen.
  5. Mache die Saftkur mit jemanden zusammen. So kannst du dich immer wieder über deine Erfahrungen austauschen.
  6. Beobachte dich selbst und notiere Erkenntnisse. Dadurch erfährst du selbst sofort einen Mehrwert und hast mehr Motivation das Ganze durchzuziehen.
  7. Informiere dich gründlich. Die Risiken musst du im Hinterkopf haben.
  8. Eine Saftkur ist kein Wettbewerb, es geht hierbei um deinen Körper und dein Wohlbefinden!

Dieser Text wurde von Nina Kischke verfasst.