Detox – wirksamer Trend oder fragliches Abnehmwunder?

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Entgiftungsdiäten stehen seit Jahren hoch im Kurs. Ihr Ziel ist die Reinigung und das Entgiften des Körpers. Vor allem Detox-Diäten finden hierzulande große Beachtung. Ihre Anhänger glauben, dass ihrem Körper zu viele Giftstoffe zugeführt werden und wollen diese durch regelmäßige Kuren wieder loswerden.

Master Cleanse

Was wie ein Reinigungsmittel klingt, ist eigentlich der Name der bekanntesten Detox-Diät. Eine Mischung aus Cayenne-Pfeffer, Zitronensaft, Sirup und Wasser soll bei Hunger getrunken werden.

Ähnliche Varianten verwenden nur Säfte, Rohkost oder eine Kombination aus Wurzeln, Gräsern und Gemüse. So wie die einzelnen Bestandteile keinem erkennbaren Schema folgen, wirken auch die Angaben zu Dauer und Häufigkeit willkürlich. Aufgrund mangelnder Regeln, legen die Fastenden eigene Detox-Tage oder Wochen fest.

Die wissenschaftliche Studienlage

Welche Gifte oder auch „Schlacken“ bei diesen Kuren eigentlich abgebaut werden sollen und wie das vonstatten geht, ist nicht beschrieben. Aus wissenschaftlicher Sicht ist eine Reinigung des gesunden Körpers nicht nötig. Mithilfe von Leber, Nieren, Haut, Darm und Atmung scheidet er selbst aus, was als „unerwünschter Stoff“ zählt. Das gilt natürlich nicht für Vergiftungen, die etwa durch Medikamente, Tabak oder Chemikalien hervorgerufen werden. Hier sollte anstelle einer Saftkur auf entsprechende medizinische Maßnahmen zurückgegriffen werden.

Eine Übersichtsarbeit aus 2015 zeigt, dass es keine Beweise für die Wirksamkeit von Detox-Kuren gibt und klinische Studien fehlen. Eine umfassende Suche in medizinischen Publikationsdatenbanken ergab keine aussagekräftigen Studien dazu. Ebenso fragwürdig sind Methoden, die das „Ausleiten“ von Schwermetallen wie Quecksilber aus dem Körper versprechen. Auch dass Zeolith-Pulver eine Detox-Wirkung haben soll, basiert auf nicht belegten Annahmen.

Detox in der Medizin

Anders als in Saftkuren, kennt die Medizin Detox als tatsächliches Entfernen von Giften und Drogen aus dem Körper oder der Blutreinigung bei Organversagen. Diese großen Medizinbereiche stützen sich dabei auf zahlreiche Studien und Medizintechnik. Sie haben mit dem Modebegriff „Detox“ nichts gemein.

Ernährungswissenschaftliches Fazit

Der Einstieg in eine gesunde Ernährungsweise fällt vielen Menschen schwer. Allzu oft erliegen sie wieder dem Verlangen doch noch eine Ausnahme zu machen. Als Gewohnheitstiere ist ein Ausstieg aus alten Verhaltensmustern verständlicherweise anstrengend. Auch wenn es keine Beweise für die Wirksamkeit einer Entgiftung gibt, kann eine Saftkur andererseits die Zufuhr von Obst und Gemüse erhöhen und ein erster Schritt hin zu einer bewussteren Ernährung sein. Es bleibt also beim Altbekannten: ein vernünftiges Verhältnis zu Geist und eigenem Körper. Ausgewogene Ernährung, Sport und genug Schlaf sind der Schlüssel zur Gesundheit.

Radikale Ernährungsumstellungen sollten nicht ohne ärztliche Aufsicht erfolgen, um Nährstoffmangeln vorzubeugen. Eltern sollten bedenken, dass ein sehr rigides Essverhalten mit extrem niedriger Protein- und Energiezufuhr die Gefahr von Essstörungen erhöhen kann. Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollten keine Detox-Kur durchführen. Personen, die Medikamente einnehmen, wird geraten, ärztlichen Rat einzuholen.

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