Aktualisiert: 20.07.2026 | Lesezeit: 5 Minuten |
Retinol-, Retinal- und Adapinoid-Seren unterscheiden sich in Wirkung und Verträglichkeit.
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Retinoide gehören zu den am häufigsten diskutierten Wirkstoffen in der dermatologischen Hautpflege. Sie werden sowohl in kosmetischen Formulierungen als auch in der Dermatologie eingesetzt – unter anderem im Zusammenhang mit Akne, unregelmäßiger Hautstruktur, postinflammatorischen Hyperpigmentierungen, Photoaging und feinen Linien. Entscheidend ist jedoch: Retinoid ist nicht gleich Retinoid. Die einzelnen Formen unterscheiden sich in Aktivität, Verträglichkeit, Umwandlungswegen in der Haut und im Grad der wissenschaftlichen Dokumentation.
Was sind Retinoide?
Retinoide sind natürliche oder synthetische Verbindungen, die strukturell oder funktionell mit Vitamin A verwandt sind. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem:
- Retinol
- Retinaldehyd
- Adapalen
- Tretinoin
- neuere kosmetische Derivate wie Adapinoid beziehungsweise Oleyl Adapalenate
Topische Retinoide wirken über Retinoid-Rezeptoren in der Haut und können Prozesse wie Zellproliferation, Differenzierung und epidermale Erneuerung beeinflussen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen kosmetischen Retinoiden und verschreibungspflichtigen Arzneistoffen. Tretinoin, Adapalen oder Tazaroten werden in der Dermatologie therapeutisch eingesetzt, während Retinol und Retinaldehyd häufig in kosmetischen Produkten vorkommen. Die Ziele können sich überschneiden, der regulatorische und medizinische Kontext ist jedoch nicht derselbe.
Retinol – die klassische Form in der Hautpflege
Retinol gehört zu den bekanntesten Vitamin-A-Derivaten in der kosmetischen Hautpflege. Damit es seine Wirkung in der Haut entfalten kann, muss es zunächst in Retinaldehyd und anschließend in Retinsäure umgewandelt werden. Dieser mehrstufige Prozess ist ein Grund dafür, warum Retinol häufig als gut steuerbare, aber dennoch wirksame Form der Retinoidpflege gilt.
Eingesetzt wird Retinol vor allem bei ersten Zeichen der Hautalterung, ungleichmäßiger Hautstruktur, fahlem Teint oder lichtbedingten Hautveränderungen. Je höher die Konzentration ist, desto wichtiger wird jedoch eine vorsichtige Anwendung. Besonders zu Beginn können Trockenheit, Spannungsgefühl, leichte Schuppung oder Rötungen auftreten.
Deshalb sollte Retinol schrittweise in die Abendroutine integriert und mit einer Pflege kombiniert werden, die die Hautbarriere unterstützt. Bei bereits retinoid-erfahrener Haut kann auch Retinol 0,5% in Betracht kommen – vorausgesetzt, die Haut toleriert Retinoide gut und die Anwendung wird langsam aufgebaut.
Retinal – ein Schritt näher an der aktiven Form
Retinal, auch Retinaldehyd genannt, gehört wie Retinol zur Gruppe der Vitamin-A-Derivate. In der Haut wird es zu Retinsäure umgewandelt, also zu jener Form, über die Retinoide ihre biologische Aktivität entfalten. Im Unterschied zu Retinol benötigt Retinal dafür nur einen Umwandlungsschritt. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es für jede Haut „besser“ ist – es wirkt etwas anders und sollte ebenso bewusst eingesetzt werden.
Interessant ist Retinal vor allem für Haut, die zu Unreinheiten, verstopften Poren oder einer unregelmäßigen Textur neigt. Neben seiner Bedeutung in der Pflege bei lichtbedingten Hautveränderungen wird Retinal auch im Zusammenhang mit unreiner Haut diskutiert, da für Retinaldehyd antibakterielle Eigenschaften beschrieben wurden. Dadurch kann es eine sinnvolle Option für Personen sein, die ihre Hautstruktur verbessern möchten und gleichzeitig zu niederschwelligen Unreinheiten neigen.
Auch bei Retinal ist eine schrittweise Einführung entscheidend. Während der sogenannten Retinisierung kann die Haut vorübergehend mit Trockenheit, leichter Schuppung oder Rötungen reagieren. Deshalb sollte Retinal zunächst nur wenige Male pro Woche abends angewendet und immer mit barrierestärkender Pflege sowie konsequentem Sonnenschutz am Morgen kombiniert werden.
Adapinoid – neuere Form mit Bezug zu Adapalen
Adapinoid, auch Oleyl Adapalenate genannt, wird in der kosmetischen Hautpflege als modernes Retinoid der dritten Generation eingesetzt. Es ist strukturell mit Adapalen verwandt, einem synthetischen Retinoid, das in der Dermatologie unter anderem im Zusammenhang mit unreiner Haut bekannt ist.
Besonders interessant ist Adapinoid für empfindliche oder reaktive Hauttypen, die klassische Retinoide wie Retinol oder Retinal bisher nur schlecht vertragen haben. Im Vergleich zu vielen herkömmlichen Retinoidformen wird Adapinoid häufig mit einer besseren Hautverträglichkeit und einem geringeren Risiko für typische Begleitreaktionen wie Trockenheit, Brennen, Schuppung oder Rötungen in Verbindung gebracht.
Auch hier gilt jedoch: Die Anwendung sollte langsam aufgebaut, an den individuellen Hautzustand angepasst und mit einer barrierestärkenden Pflege sowie täglichem Sonnenschutz kombiniert werden.
Retinoide richtig anwenden: langsam und kontrolliert
Retinoide werden in der Regel abends verwendet. Sinnvoll ist es, sie nach der Reinigung auf vollständig trockene Haut aufzutragen und anschließend eine gut verträgliche, barrierestärkende Pflege zu verwenden. Für den Einstieg empfiehlt sich eine Anwendung ein- bis zweimal pro Woche. Bei guter Verträglichkeit kann die Häufigkeit langsam gesteigert werden.
Gleichzeitig sollte die Routine möglichst einfach bleiben. Starke Säuren, Peelings, andere Retinoide oder sehr aktive Behandlungen sollten nicht gleichzeitig neu eingeführt werden. Für empfindliche Haut kann es hilfreich sein, vor oder nach dem Retinoid eine Feuchtigkeitspflege aufzutragen, um Irritationen zu reduzieren.
Tagsüber ist Sonnenschutz wesentlich. Retinoide können die Haut empfindlicher machen und UV-Strahlung trägt maßgeblich zu Photoaging und Pigmentverschiebungen bei. Dermatologische Quellen empfehlen deshalb, Retinoide vorzugsweise abends zu verwenden und morgens konsequent Sonnenschutz aufzutragen.
Mögliche Nebenwirkungen
Zu den häufigsten unerwünschten Reaktionen gehören Trockenheit, Schuppung, Brennen, Rötung, Spannungsgefühl und eine vorübergehend schlechtere Hauttoleranz. Diese Reaktionen treten besonders häufig in den ersten Wochen oder bei zu schneller Steigerung auf.
Eine milde Anpassungsphase ist möglich. Starke, anhaltende oder zunehmende Reizungen sollten jedoch nicht ignoriert werden. In solchen Fällen sollte die Anwendung reduziert oder pausiert werden. Bei ausgeprägtem Erythem, Brennen, Ekzemzeichen oder entzündlicher Verschlechterung ist eine dermatologische Abklärung sinnvoll.
Wer sollte besonders vorsichtig sein?
Besondere Vorsicht gilt während Schwangerschaft und Stillzeit. Topische Retinoide werden in der Schwangerschaft in der Regel nicht empfohlen; bei Stillzeit sollte die Anwendung ärztlich besprochen werden. Orale Retinoide wie Isotretinoin sind aufgrund teratogener Risiken streng kontraindiziert.
Auch bei Hauterkrankungen, aktiven Entzündungen, gestörter Hautbarriere, kürzlich erfolgten dermatologischen oder kosmetologischen Behandlungen sowie bei Medikamenten, die die Haut empfindlicher machen können, sollte die Anwendung vorher ärztlich abgeklärt werden.
Weitere Informationen
- Retinoide: Aktualisierte Informationen zur Schwangerschaftsverhütung sowie Warnhinweise zur neuropsychiatrischen Erkrankungen bei oraler Anwendung, https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/m-r/retinoide.html , aufgerufen am 20.07.26
- Acne vulgaris bei Jugendlichen und Erwachsenen - Behandlung, https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2024/2024-2/acne-vulgaris-bei-jugendlichen-und-erwachsenen-1-1, aufgerufen am 20.07.26
- Die Fab-Four der Kosmetik, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/die-fab-four-der-kosmetik-138741/seite/alle/?cHash=a20258b927755d1ca91d487a314e61ce, aufgerufen am 20.07.26
- Retinoide kompakt, https://www.gelbe-liste.de/wissen-kompakt/wirkstoffgruppen/kompakt-retinoide-dermatologie-ophthalmologie, aufgerufen am 20.07.26
- Anti-Aging durch Vitamin A - wie sinnvoll ist Retinol gegen Hautalterung?, https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/haut-und-haare/retinol-gegen-hautalterung-anti-aging-mit-vitamin-a-was-ist-dran-1099685.html, aufgerufen am 20.07.26