Panikattacken – Ursachen, Therapie und Tipps für den Alltag

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Die Angst vor der Angst aus heiterem Himmel – so beschreiben Betroffene das Leben mit Panikstörungen. Ein ÄRZTE.DE Dossier zum Thema Angststörung und vielen Tipps zum täglichen Umgang damit:

In diesem Beitrag lesen Sie:

  1. Begriffsdefinition Panikattacke – Panikstörung
  2. Wann ist Angst krankhaft?
  3. Körperliche Symptome
  4. Psychische Symptome
  5. Wie und wie oft treten Panikattacken auf?
  6. Wie wird eine Angststörung diagnostiziert?
  7. Mögliche Ursachen einer Panikstörung
  8. Welche Auslöser können Angstattacken haben?
  9. Wie werden Panikstörungen therapiert?
  10. Gesundheitsmaßnahmen und Zeitmanagement
  11. Das tut gut
  12. 10 Regeln bei Panikattacken

Begriffsdefinition Panikattacke – Panikstörung

Was ist eine Panikattacke? Eine Panikattacke ist eine kurze Episode starken Leids oder extremer Angst, die sehr plötzlich auftritt. Sie wird fast immer von physischen und psychischen Symptomen begleitet.

Was ist eine Panikstörung? Als Panikstörung werden wiederholte Panikattacken bezeichnet, die zu steigender Angst vor zukünftigen Panikanfällen oder auch zu Veränderungen im Verhalten führen können.

Wann ist Angst krankhaft?

Angst kann krankhaft sein, falls Sie eine der folgenden Fragen mit einem „JA“ beantworten können. Sie sollten, sofern das der Fall ist oder Sie unsicher sind, mit Ihrem Arzt oder einem Psychologen darüber sprechen:

  • Denke ich den Großteil des Tages über meine Ängste nach?
  • Werde ich durch meine Ängste sehr in meiner Lebensqualität eingeschränkt?
  • Schränkt meine Angst meine Bewegungsfreiheit ein?
  • Wirken sich meine Ängste auf meine Depressionen aus?
  • Hatte ich bereits einmal Selbstmordgedanken wegen meiner Ängste?
  • Versuche ich meinen Ängsten mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder Drogen entgegenzuwirken?
  • Wirken sich meine Ängste negativ auf meine Partnerschaft aus?
  • Habe ich wegen meiner Ängste berufliche Schwierigkeiten oder bin sogar arbeitslos?

Körperliche Symptome

Während einer Panikattacke treten verschiedenste Symptome auf. Diese zählen zu den häufigsten:

  • Atemnot
  • Benommenheit
  • Gefühl der Taubheit oder Kribbeln
  • Die Knie werden weich
  • Schwindel
  • Zittern oder Beben
  • Starkes Herzklopfen, mitunter schmerzhaft
  • Herzschlag wird unregelmäßig
  • Schmerzen in der Brust, oft begleitet von Druck oder Engegefühl
  • Kaltschweißigkeit oder Kälteschauer
  • Schwitzen oder Hitzewallungen
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen

Psychische Symptome

Neben physischen, berichten Betroffene auch von psychischen Symptomen einer Panikattacke:

  • Unsicherheit
  • Angst davor, das Bewusstsein zu verlieren
  • Das Gefühl der Atemnot in Verbindung mit der Angst zu ersticken
  • Engegefühl im Hals
  • Todesangst
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Das Gefühl der Entfremdung
  • Die Angst davor wahnsinnig zu werden

Wie und wie oft treten Panikattacken auf?

Angst ist ein natürlicher Vorgang. Für Betroffene ist vor allem das sehr plötzliche Auftreten einer Panikattacke schwer zu bewältigen. Kein Wunder, dass sich viele Patienten ihrer Angststörung „ausgeliefert“ fühlen. Die Dauer eines solchen Anfalls beträgt in der Regel eine halbe Stunde; sie kann jedoch zwischen wenigen Minuten und einigen Stunden variieren.

Während manche Patienten mehrmals am Tag mit Panikattacken kämpfen, treten diese bei anderen nur einmal im Monat oder noch seltener auf. Das Leben mit der Angst vor der nächsten Attacke ist den meisten aber gemein.

Wie wird eine Angststörung diagnostiziert?

Ihr Arzt klärt in einem ausführlichen Gespräch mögliche organische Ursachen der Beschwerden ab. Manche Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen etwa weisen ähnliche Symptome wie Herzrasen oder Herzstolpern auf. Schwindelgefühle lassen sich außerdem manchmal auf einen neurologischen Ursprung zurückführen. Bildgebende Verfahren wie das EKG (Aktivität des Herzens), EEG (Aktivität des Gehirns) oder MRT (Verfahren zur Darstellung des Gewebes und der Organe) unterstützen die Diagnostik.

Zudem wird Ihr Arzt erfragen, ob es sich bei der Angst um einen „normalen Rahmen“ oder tatsächliche krankhafte Angstzustände handelt. Das ist wichtig, denn viele Angststörungen treten zeitgleich in Kombination auf und auch Depressionen können damit verbunden sein.

Mögliche Ursachen einer Panikstörung

Die Symptome von Angst sind natürliche Vorgänge des Körpers, die ihn in Gefahrensituationen rüsten für „fight or flight“ – also kämpfen oder fliehen. So werden etwa die Muskeln aufgrund des Herzrasens besser durchblutet oder die Atmung dank des erhöhten Sauerstoffgehalts im Blut beschleunigt.

Der Auslöser dieser „fight or flight“ Reaktion ist bei Angsterkrankungen jedoch unberechtigt oder überzogen. Wie stark sich die Angst eines Menschen äußert, bestimmt ein Geflecht aus dreierlei Faktoren:

Genetisch

In den Familien vieler Betroffener häufen sich Angsterkrankungen.

Neurobiologisch

Bestimmte chemische und biologische Vorgänge im Körper beeinflussen den Ursprung von Panikattacken.

Psychologisch

Verschiedenste psychologische Faktoren bestimmen das Risiko an einer Angststörung zu erkranken, wie Traumata aus der Kindheit oder lang andauernde und sehr stressige Belastungen.

Welche Auslöser können Angstattacken haben?

Die Agoraphobie, umgangssprachlich auch als „Platzangst“ bezeichnet, ist mit etwa zwei Dritteln der häufigste Auslöser einer Angstattacke. Betroffener dieser Art fürchten etwa Plätze, von denen sie annehmen, dass schnelle Hilfe schwierig ist. Auch Situationen, die eine Rettung erschweren, wie etwa große Menschenmengen, Fahrstühle, Flugzeuge zählen dazu. Sie meiden zudem oft Kinos, Theater oder öffentliche Verkehrsmittel.

Im fortgeschrittenen Stadium einer Agoraphobie fällt es Patienten immer schwerer, überhaupt ihre gewohnten vier Wände zu verlassen. Sie setzen sich damit zunehmend sozialer Isolation aus, was sich schließlich negativ auf eine effiziente ambulante Therapie auswirken kann. 

Wie werden Panikstörungen therapiert?

In der erfolgreichen Therapie von Panikstörungen gilt das Prinzip: Je früher sie behandelt wird, desto günstiger sind die Aussichten auf Besserung. Die meisten Betroffenen kommen jedoch erst nach jahrelanger Odyssee zum Arzt. Sie können den Ausgang der Behandlung dennoch entscheidend beeinflussen. So spielt etwa die Motivation des Patienten, neben der umfassenden Aufklärung durch den Arzt eine große Rolle.

Umfangreiche Forschung untermauert die aktuellen Behandlungsarten. Die eindeutigsten Wirksamkeitsnachweise sprechen für eine kognitive Verhaltenstherapie, eine medikamentöse Therapie oder eine Kombination aus beidem.

Betroffene lernen dabei, ihre Beschwerden als Zeichen von Angst zu begreifen und ihre Krankheit zu akzeptieren. „Stelle dich deiner Angst“ – dieser Satz kommt nicht von ungefähr, denn es gilt die Regel nicht vor den Situationen zu flüchten, die Angst auslösen könnten.

Patienten, die etwa Angst vor der Nutzung des Fahrstuhls haben, neigen dazu lieber die Treppe hochzugehen. Die Angst baut sich jedoch umso besser ab, desto öfter sich Betroffene ihr aussetzen. Dabei hilft, sich in akuten Momenten einer Panikattacke klar zu machen, dass diese Symptome KEINE gefährlichen oder schädlichen Folgen für die Gesundheit wie Bewusstseinsverlust, Herzinfarkt oder Schlaganfall haben können.

Gesundheitsmaßnahmen und Zeitmanagement

Wussten Sie, dass eine gesunde Ernährung und Lebensführung Panikattacken vorbeugen kann?

Essen Sie ausreichend und nicht zu viel Süßes, schränken Sie Kaffee und Rauchen ein, vermeiden Sie übermäßige Schonung und Bettruhe am Tag; achten Sie stattdessen auf ausreichend Schlaf in der Nacht – Ihr Körper wird es Ihnen danken!

Ohnehin gesund- doch besonders bei Stressreaktionen wie Angstattacken ist das Vermeiden von Stressreizen. Experten empfehlen diese Maßnahmen, um dem Stress mit Management zuvorzukommen:

AKTIV
Bemühen Sie sich um eine aktive, positive und dynamische Lebenshaltung

PLAN
Beginnen Sie jeden Tag mit einem Plan

PAUSE
Haben Sie ein Etappenziel erreicht, sollte eine Pause eingelegt werden

FEIERABEND
Nehmen Sie keine Arbeit mit nach Hause und nutzen Sie den Feierabend auch wirklich zum Abschalten

SPORT
Sofa, Fernsehen oder ein gutes Buch tun gut, keine Frage. Planen Sie trotzdem genug sportliche und körperlich fordernde Aktivitäten ein, das dient der Psychohygiene

ZEIT
Ein Zeitmanagement könnte etwa so aussehen:

Auszeiten an mindestens einer Stunde pro Tag / einem Tag pro Woche

Setzen Sie Prioritäten und delegieren Sie Aufgaben

Vergessen Sie Perfektionismus und lernen Sie „Nein“ zu sagen

Das tut gut

Was tut Ihnen gut in schwierigeren Zeiten oder im Akutfall? Vorschläge wie Meditation oder Entspannungsübungen, Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten oder Bewegung aller Art liegen nahe. Manchen Betroffenen hilft es, offen über ihre Erfahrungen zu sprechen und ihre Gedanken zu ordnen, sei es auf Papier oder im Gespräch. Andere scheuen eher den Vergleich und nehmen sich lieber Zeit für sich in der Natur oder kochen mit ihren Liebsten.

10 Regeln bei Panikattacken

 

Grafik Panikattacke