ÄRZTE.DE Reihe Gesunder Rücken Teil 2 – Therapie und Prävention bei Rückenschmerzen

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Die menschliche Wirbelsäule ist ein Wunderwerk. Sie ist gleichermaßen stabil wie flexibel und gibt uns Menschen so die Möglichkeit aufrecht zu gehen. Das Skelett, also die Stützstruktur des Körpers ist in seinen einzelnen Teilen durch die Wirbelsäule verbunden. In der Schule lernen wir, dass sie aus sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln und fünf Lendenwirbeln, sowie dem Kreuz- und dem Steißbein besteht. Von vorne betrachtet sieht sie zwar gerade aus, jede Wirbelsäule, oder auch „Columna vertebralis“ ist jedoch natürlich gekrümmt, um Stöße und Lasten besser abfedern zu können. Auch die Wirbelsäule erhält Unterstützung und zwar von unzähligen Bändern und einer Hülle aus Muskeln.

Das Gebilde „Wirbelsäule“ ist faszinierend und komplex. Wissen über den Aufbau und die Funktion darüber kann dazu beitragen, den eigenen Schmerz besser zu verstehen. Das gilt auch für die Wirkungsweise verschiedener Therapien. ÄRZTE.DE stellt Ihnen diese Woche die Wichtigsten vor:

In unserer fünfteiligen ÄRZTE.DE Reihe zum Thema Rückengesundheit informieren wir Sie jeden Freitag zu diesen Themen:

Teil 1: Gesunder Rücken – Ursachen und Diagnose von Rückenschmerzen

Teil 2: Gesunder Rücken – Therapie und Prävention bei Rückenschmerzen

Teil 3: Gesunder Rücken – rückengerecht arbeiten in Büro und Industrie

Teil 4: Gesunder Rücken – so schaffen Sie eine rückenfreundliche Umgebung

Teil 5: Gesunder Rücken – Kindheit und Alter

Therapie – Rückenschmerzen lindern

Wer behandelt?

In die Behandlung von Rückenschmerzen, vor allem bei unspezifischer Ursache, sind meist verschiedene Fachleute involviert. Im Idealfall vom Hausarzt koordiniert, greifen die Fachbereiche mehrerer Mediziner ineinander. Das liegt vor allem daran, dass Kreuzschmerzen im seltensten Fall ein rein orthopädisches Problem sind.

Behandler

Was ist eine „konservative Therapie“?

Wer bei der Therapie von Rückenschmerzen gleich an eine Operation denkt, hat möglicherweise Geschichten schlimmer Bandscheibenvorfälle oder anderer Erkrankungen gehört, liegt ansonsten aber falsch. Denn: Lediglich 10 % aller Patienten benötigen einen Eingriff. Dem überwiegenden Teil ist also mit einer konservativen, das heißt „nicht operativen“ Therapie geholfen. Wie so eine konservative Therapie aussehen kann, stellen wir Ihnen im Folgenden vor:

Infiltrationstherapie

Im Zuge dieser Behandlung wird Schmerzmittel direkt in die betroffene Körperstelle gespritzt.

Psychotherapie

Die körperliche und die psychische Gesundheit gehören zusammen. Wer sich öfter überfordert oder unausgeglichen fühlt, unter einem schlechten Arbeitsklima oder Angst leidet, nimmt Rückenschmerzen meist stärker wahr. Oft treten Kreuzschmerzen auch erst als Symptom dieser Zustände auf. Wer das bei sich beobachtet, sollte die seelische Verfassung in die Therapie miteinbeziehen. (Siehe auch multimodale Schmerztherapie)

Kortisontherapie 

Kortison kann entzündungshemmend und abschwellend wirken und so Schmerzen nehmen.

Muskelrelaxantien 

Diese Substanzen lockern Muskeln und damit auch Verspannungen.

Physiotherapie Physiotherapeuten verfügen über vielfältige und überaus wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Sie können Blockaden im Gelenk und Verspannungen lösen oder die Wirbelsäule stabilisieren. Verschiedene Wärme- oder Kälteanwendungen können für Linderung sorgen, ebenso Entspannungstechniken.

Exkurs zu Wärmeanwendungen 

Wärme kann bei Schmerzen äußerst effektiv sein und oft sogar Schmerzmittel ersetzen. Sie erweitert die Blutgefäße, verbessert die Durchblutung und somit auch die Sauerstoffversorgung im Zellbereich. Werden als Folge davon Stoffwechselprodukte besser abgebaut, unterstützt das die körpereigene Heilung. Verspannungen lösen sich, Schmerzen werden gelindert.

Multimodale Schmerztherapie

Die multimodale Schmerztherapie umfasst mindestens zwei Fachbereiche und kann mehrere Wochen dauern. Patienten mit chronischen Schmerzen soll damit geholfen werden.

Multimodale Schmerztherapie

Prävention – Rückenschmerzen vorbeugen

Auch wenn es um die Prävention von Rückenschmerzen geht, hilft uns das Wissen über den Aufbau und die Funktionsweise der Wirbelsäule. So lernen wir, dass effektives Vorbeugen von Rückenschmerzen ganzheitlich sein sollte.

Das heißt, es sollte:

  • Die Muskeln kräftigen und dehnen
  • Fehlbelastungen vermeiden
  • Rückenfreundliche Umgebungen im Alltag schaffen
  • Stress und psychische Belastungen minimieren

Die oberste Devise sollte jedoch lauten: Mobilität schaffen und erhalten!

Mangelnde Bewegung ist nicht nur Hauptursache von Rückenschmerzen, sie kann zudem Übergewicht, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben. Bleiben Sie also aktiv und versuchen Sie das Training in Ihren Alltag einzubauen. Unsere Tipps sollen Ihnen dabei helfen:

  • Eine Mischung aus Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining hat sich am besten bewährt.

  • Kleine, zusätzliche Bewegungen im Tagesablauf sind sehr wirksam und erfordern nicht viel. Beispiele dafür: Treppe statt Aufzug, öfter mal zu Fuß gehen, längere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen

  • Entspannungstechniken schaffen Momente der Ruhe am Arbeitsplatz und können Stress nehmen. Sicherlich finden Sie eine, die zu Ihnen passt.

  • Vielleicht ist auch Gymnastik das Richtige für Sie, entweder alleine oder in der Gruppe. Einmal als regelmäßige Einheit in den Tag integriert, können Sie bald nicht mehr ohne!

  • Die Schaffung eines rückenfreundlichen Umfeldes in allen Bereichen des Alltags ist enorm wichtig. In Teil 4 unserer ÄRZTE.DE Reihe zur Rückengesundheit stellen wir Ihnen verschiedene Möglichkeiten vor.

  • Muskeltraining ist essentiell – besonders die tief liegenden Rückenmuskeln sind für eine stabile und gesunde Wirbelsäule wichtig. Diese „autochthone Muskulatur“ trainieren Sie am besten mit drehenden oder vibrierenden Bewegungen. Haben Sie Physiotherapie verschrieben bekommen, wird Ihr Therapeut zudem Koordinations- sowie Balanceübungen mit Ihnen durchführen. Wer regelmäßig ins Fitnessstudio geht, kann sich ebenso vom Sportfachpersonal anleiten lassen.

  • Teil eines umfassenden Muskeltrainings sollte auch die Bauchmuskeln einschließen. Ihre Aufgaben sind die Stabilisierung der Wirbelsäule durch die schrägen Bauchmuskeln auf der einen Seite sowie die Unterstützung des Rumpfes durch die geraden auf der anderen Seite.

Jeder Mensch ist einzigartig. Das gilt natürlich ebenso für den Rücken und die Rückenbeschwerden. Ihr koordinierender Arzt wird deshalb einen individuell auf Sie zugeschnittenen Therapie- und Trainingsplan erstellen. In Teil 3 unserer ÄRZTE.DE Reihe zum Thema "Gesunder Rücken" erfahren Sie nächsten Freitag alles zum Thema Rückengesundheit in Büro und Industrie.

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