ÄRZTE.DE Reihe Gesunder Rücken Teil 1 – Ursachen und Diagnose von Rückenschmerzen

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Rückenschmerzen – dieses Volksleiden verursacht fast 50 Milliarden Euro Schaden und das pro Jahr. Dabei ist es völlig unerheblich welcher Bevölkerungsschicht, Berufs- oder Altersgruppe die Betroffenen entstammen. Im Gegenteil: Schon Kinder, die ja eigentlichen einen natürlichen Bewegungsdrang haben, zeigen mittlerweile erste Symptome eines steten Bewegungsmangels. Rückwärts laufen, ein Purzelbaum oder das Gleichgewicht halten – oft scheitern sie bereits an den einfachsten Übungen. Verantwortlich dafür sind Muskeln, die aufgrund mangelnder Beanspruchung verkümmern oder sich erst gar nicht richtig entwickeln können. Im Laufe des Älterwerdens zeichnet sich diese Verhaltensweise dann weiter ab. Statt 10.000 Schritte wie noch in den 60er Jahren gehen Erwachsene heute durchschnittlich weniger als 1.000 Schritte am Tag. 

Grund genug sich die Beschwerden im Halteapparat einmal genauer anzusehen:

In unserer fünfteiligen ÄRZTE.DE Reihe zum Thema Rückengesundheit informieren wir Sie jeden Freitag zu diesen Themen:

Teil 1: Gesunder Rücken – Ursachen und Diagnose von Rückenschmerzen

Teil 2: Gesunder Rücken – Therapie und Prävention bei Rückenschmerzen

Teil 3: Gesunder Rücken – rückengerecht arbeiten in Büro und Industrie

Teil 4: Gesunder Rücken – so schaffen Sie eine rückenfreundliche Umgebung

Teil 5: Gesunder Rücken – Kindheit und Alter

Die Ursachen

Die meisten Deutschen verbringen einen großen Teil ihres Tages im Sitzen, Tendenz steigend. Dank immer innovativerer Technik steigt die Zahl derer, die vor einem Bildschirm arbeiten mehr und mehr an. Wer sich nach der Arbeit entspannen möchte, tut dies in den wenigsten Fällen aktiv – ein gutes Buch oder die Lieblingsserie gelten als Favoriten. Das sorgt für eine einseitige Haltung, die gepaart mit Bewegungsmangel ungesunde Folgen haben kann: unzureichende Sauerstoffversorgung des Gehirns und infolgedessen Konzentrationsstörungen, nachlassende Produktivität, zunehmendes Gewicht und: Rückenschmerzen.

Neben der Hauptursache „einseitige Haltung“ gelten auch Übergewicht, chronische Erkrankungen von Organen, Dauer-Stress oder Angstzustände und Depressionen als Auslöser von Rückenschmerzen. Hinzu kommt, dass unsere Umgebung in den seltensten Fällen ergonomisch geformt ist- seien es die Schuhe, die Autositze oder das Bett.

Ursachen von Rückenschmerzen

Die Anamnese

Fast jeder Erwachsende hatte schon einmal Probleme mit dem „Kreuz“ – Rückenschmerzen sind jedoch vielseitig und sollten daher unterschiedlich betrachtet werden:

  • Seit wann bestehen die Schmerzen?

AKUT, das heißt:

- Das erste Mal

- Das erste Mal seit mindestens einem halben Jahr ohne Beschwerden

- Nicht länger als sechs Wochen

SUBAKUT, das heißt:

- Die Schmerzen bestehen länger als sechs Wochen

CHRONISCH, das heißt:

- Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten gelten als chronisch. (Eine andere Definition spricht von einem halben Jahr)

  • Wie stark sind die Schmerzen?

- Mäßig

- Mal mehr, mal weniger stark

- Sehr stark
Hier hilft eine Schmerzskala anhand derer Patienten dem behandelnden Arzt ihre Beschwerden darstellen können.

  • Wo sitzt der Schmerz?

- Oberer Rücken und Nacken
Dies umfasst den Bereich der Halswirbelsäule und die Brustwirbelsäule

- Mittlerer Rücken

- Unterer Rücken
Gemeint ist die Gegend der Lendenwirbelsäule und des Beckens

Handelt es sich um spezifische oder unspezifische Rückenschmerzen?

- unspezifisch: Diese Bezeichnung wird von manchen Ärzten verwendet, wenn keine Krankheit, Deformation oder körperliche Schäden für das Rückenleiden verantwortlich sind.

- spezifisch: Bei spezifischen Rückenleiden sind eben jene Auslöser nachweisbar.

Ihr Arzt wird Sie im Laufe der ersten Behandlung gründlich untersuchen und zu Ihrer Krankheitsgeschichte befragen, sofern diese Daten noch nicht vorhanden sind. Viele Fragen, die im ersten Moment banal erscheinen könnten, helfen dabei Hinweise für die Ursachen der Schmerzen zu finden. Ergänzend dazu umfasst eine gründliche Anamnese diese Bereiche:

  • Strahlt der Schmerz aus?
  • Gab es frühere Schmerzepisoden?
  • Gibt es mögliche Auslöser? Welche Faktoren beeinträchtigen die Beschwerden?
  • Bisherige Behandlungen
  • Gibt es psychosoziale Risikofaktoren?
  • Inwiefern tritt der Schmerz im Tagesablauf auf?
  • Wie beurteilt der Patient die Erkrankung beziehungsweise den Schmerz?
  • Gibt es Begleitbeschwerden?

Verschiedene Arten von Rückenschmerzen

Jeder hat hin und wieder stressige Tage. Der Körper kann das gut kompensieren und erholt sich meist schnell wieder. Wird Stress aber zur Dauerbelastung, macht er irgendwann schlapp und zeigt Symptome der Überforderung. Eines davon können Rückenschmerzen sein, als Folge von ständiger Anspannung der Muskeln. Diese verhärten immer mehr, dehnen sich nicht mehr ausreichend und zerren an den Sehnen, die sie eigentlich unterstützen sollten. Doch nicht nur Verspannungen können erhebliche Rückenschmerzen verursachen:

  • Hexenschuss: dieser akute Schmerz, der auch als „Lumbalgie“ bezeichnet wird, tritt sehr plötzlich auf und sorgt meist dafür, dass sich Betroffene kaum oder gar nicht mehr bewegen können. Häufigste Ursachen: stetige Überbelastung und Fehlbelastung

  • Bandscheibenvorfall: 23 Bandscheiben hat der Körper, die in ihrem Inneren einen Kern aus Gallert tragen (Nucleus pulposus). Dieser hat die Funktion eines Kissens und ist von einem Ring umgeben, der die Bandscheibe als solche stabilisiert. Wird dieser Ring zunehmend rissiger, etwa im Laufe des Alters, kann es passieren, dass der Gallertkern den Ring durchbricht und es kommt zum Bandscheibenvorfall.

  • Ischiasnerv: Ausgelöst durch Verletzungen im Lendenwirbelbereich, falsche Bewegungen oder Verschleiß, kann eine Neuralgie des Ischiasnervs, auch Nervus ischiadicus, zu erheblichen Schmerzen führen. Eine Ischialgie liegt vor, wenn es durch einen Bandscheibenvorfall zur Schädigung des Ischiasnervs kommt.

Diese Fälle beschreiben nur einige der möglichen Hintergründe von Rückenschmerzen. Sprechen Sie anhaltende Beschwerden immer mit Ihrem Arzt ab. In der nächsten Ausgabe unserer „Gesunder Rücken“-Reihe lesen Sie alles über mögliche Therapien von Rückenschmerzen und welche Prävention die Richtige für Sie ist.

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