„Wer länger sitzt, ist früher tot“

Ein Mann, der eine Brille trägt, sitzt in einem modernen Büro an einem Schreibtisch mit einem Laptop vor sich. Er hält sich mit einer Hand die Nase, als ob er gestresst oder müde wäre. Warum wir weniger sitzen und öfter stehen sollten

Sitzen ist das neue Laster unserer Gesellschaft. Es soll laut mehreren Studien fatale Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Trotzdem gehört es zu unserem Alltag, den die meisten verdienen ihr Geld heute am Schreibtisch. Experten suchen deshalb nach Möglichkeiten, wie wir den negativen Auswirkungen vorbeugen können, so auch Frank Thömmes. Der Trainer beschäftigt sich schon länger mit dem Problem und hat jetzt ein Buch dazu geschrieben. Wer länger sitzt, ist früher tot ist im Oktober 2017 im riva Verlag erschienen und bietet vor allem praktische Tipps für den Alltag.

Viele Vorschläge von Frank Thömmes sind nicht neu. Die Mittagspause und den Arbeitsweg für mehr Bewegung zu nutzen, wurde schon häufig geraten. Allerdings kann es auch nicht schaden, Ideen zu wiederholen. Vielleicht integriert sie der eine oder andere dann doch in seinen Alltag. Die ersten Kapitel des Buches motivieren auf jeden Fall zu mehr Bewegung. Von der Geschichte des Sitzens bis hin zum Aufbau unseres Körpers, erläutern sie, warum wir nicht für diese bewegungsarme Lebensweise geschaffen wurden. Auch wenn der Ratgeber an manchen Stellen durchaus sprachlich überarbeitet werden könnte, liefert er also echte Gründe gegen das Sitzen und bietet Alternativen.

Aufstehen statt sitzen bleiben

Die Lösung von Frank Thömmes ist ganz klar mehr Bewegung. Dafür muss vor allem der Alltag umgestellt werden. Am Anfang steht eine Analyse. Eine Tabelle soll Aufschluss darüber geben, wie viel wir sitzen. Überhaupt wird der Leser an mehreren Stellen des Buches aufgefordert, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Wie nutze ich die Abendstunden, das Wochenende oder meinen Urlaub? Kann ich mich dabei wirklich ohne Bewegung erholen? „Jede Bewegung zählt“, wie Frank Thömmes es ausdrückt. Er konzentriert sich deshalb vor allem auf unsere Pausen.

Bei einer sitzenden Tätigkeit sollten wir diese für Bewegung nutzen. Kleinere Unterbrechungen statt einer langen Essenspause in Kantine oder Pausenraum bringen mehr Abwechslung für unseren Bewegungsapparat. Im Idealfall sollten spätestens nach 60 Minuten Sitzen am Stück 15 Minuten in einer anderen Position folgen. An einer früheren Stelle rät Frank Thömmes sogar zu nur 30 Minuten ohne Aufstehen. Einen Großteil des Ratgebers nehmen deshalb 40 „lebensverlängernde Übungen“ ein. Sie sind in verschiedene Bereiche gegliedert, sodass jeder die für ihn oder sie relevanten auswählen kann. Fragen und Erklärungen, die der Text nicht liefert, wurden durch aussagekräftige Bilder ergänzt. Um die Übungen richtig auszuführen, sollten auch die Tipps in weißen Kästen miteinbezogen werden. Dort gibt der ausgebildete Trainer wichtige Hinweise zur korrekten Durchführung des Trainings.

Der Eindruck von ÄRZTE.DE

Ein Ratgeber zu mehr Bewegung muss vieles Können. Er sollte unterhaltsam sein, den Leser motivieren und gleichzeitig Lösungen anbieten. An vielen Stellen ist das Frank Thömmes gelungen. Einige Untersuchungen zeigen auch, dass Menschen, die regelmäßig Sport machen, weniger Gefahr laufen, bestimmte Beschwerden, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu entwickeln. Dass gleichzeitig auch viele andere Faktoren, wie Erbgut oder Ernährung, Einfluss auf unsere Gesundheit haben, wurde in „Wer länger sitzt, ist früher tot“ allerdings nicht berücksichtig.

Die Übungen könnten einige Leser zudem vor eine Herausforderung stellen. Es gehört viel Mut dazu, die Geräte ins Büro mitzunehmen und vor den Kollegen zu trainieren. Wer allerdings gezielt nach Übungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz sucht, könnte im Ratgeber von Frank Thömmes viele Anregungen finden.

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