Was tun bei Fructoseunverträglichkeit?

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Sommer, Sonne, Cocktails, Obst! Im Sommer ist das Verlangen nach frischem Obst und erfrischenden Fruchtshakes besonders groß. Erdbeeren, Aprikosen, Mangos, Pfirsiche, Melonen, Kirschen, Himbeeren und Pflaumen sind nur einige Obstsorten, die wir in den  Sommermonaten im Supermarkt finden. Sie dienen als vermeintlich gesunder Süßigkeitenersatz, geben die nötige Erfrischung und versüßen uns in allen Variationen unseren Sommer. Doch ein übermäßiger Obstkonsum ist nicht immer eine gesunde Alternative: Immer mehr Menschen - rund 30 bis 40 Prozent der europäischen Bevölkerung – können Fructose nicht richtig verarbeiten und leiden an einer Fructoseunverträglichkeit (Fructosemalabsorption).

 

Was ist eigentlich Fructose?

Fructose zählt zu der Gruppe der Einfachzucker. Sie ist doppelt so süß wie Glucose (Traubenzucker) und insbesondere durch ihr natürliches Vorkommen in Obst der Allgemeinheit als Fruchtzucker bekannt. Allerdings kommt Fruchtzucker nicht nur in Früchten vor. Er ist ebenfalls Bestandteil in Gemüse, Haushaltszucker und Honig. Besonders fructosereich sind neben bestimmten Obstsorten vor allem Produkte, in denen Früchte verwertet werden, zum Beispiel in Säften, Marmelade, Trockenfrüchten und Fruchtjoghurts.

Hinzu kommt, dass Fructose entgegen bisheriger Annahmen nicht gesünder als der herkömmliche weiße Zucker ist. Stattdessen kann ein übermäßiger Konsum Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen begünstigen. Insbesondere in Light- und Diätprodukten wird Fructose als Hauptsüßungsmittel eingesetzt. Auch in Fertigprodukten findet die hoch konzentrierte, industriell hergestellte Fructose bzw. Fructosesirup versteckt Anwendung.

 

Was ist eine Fructoseunverträglichkeit und woran erkennen wir sie?

Prinzipiell handelt es sich bei der Fructoseunverträglichkeit um eine eingeschränkte körperliche Fähigkeit, Fructose richtig aufzunehmen. Die Ursache für dieses verminderte Können liegt in einer Fehlfunktion des Glukosetransporters im Darm, dem GLUT-5-Transporter. Dieser kümmert sich bei gesunden Menschen normalerweise um die einwandfreie Aufnahme der Fructose vom Innenraum des Dünndarms in die Dünndarmwand. Bei Personen, die unter einer Fructoseunverträglichkeit leiden, arbeitet der GLUT-5-Transporter nicht einwandfrei. Seine Wirksamkeit ist stark vermindert, wodurch der Körper weniger Fruchtzucker verarbeitet. Demnach wird der Fruchtzucker nicht aus dem Dünndarm aufgenommen, sondern ein Großteil der verzehrten Fructose gelangt unverdaut in den Dickdarm. Dort wird sie nicht richtig verarbeitet.

Bereits 30 bis 90 Minuten nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln mit hohem Fructosegehalt zeigen sich bei den Betroffenen die ersten Beschwerden: Sie leiden unter Blähungen, Darmkrämpfen, Völlegefühl, Durchfall oder Übelkeit. Durchfall und Blähungen zählen hierbei zu den wohl am häufigsten auftretenden Beschwerden.

 

Wie lässt sich eine Fructoseunverträglichkeit feststellen?

Eine Fructoseunverträglichkeit zu diagnostizieren, ist nicht einfach. Dies liegt vor allem an den sehr allgemeinen Symptomen der Fructosemalabsorption. So können die starken Darmkrämpfe, Blähungen und der Durchfall auch auf einer Lactoseunverträglichkeit, einer falschen Ernährung oder einem Reizdarm beruhen. Eine Fructoseunverträglichkeit bleibt daher oftmals jahrelang unbemerkt und ohne konkrete Diagnose.

Damit Sie bereits im Vorfeld die Ursache einschränken und sich somit eine langjährige Arzt-Odyssee sparen, sollten Sie ein Ernährungstagebuch führen. So können Sie eine Verbindung zwischen den Beschwerden und den aufgenommenen Nahrungsmitteln erkennen. Um den eigenen Verdacht abzuklären und eine Fructoseunverträglichkeit gegebenenfalls zu bestätigen, lassen Sie beim Gastroenterologen ein H2-Atemtest (Wasserstoffatemtest) durchführen. Bei diesem Test müssen Sie auf nüchternen Magen eine Fructoselösung zu sich nehmen. Im Anschluss daran pusten Sie in bestimmten Zeitintervallen (in 15 oder 30 Minuten Abständen) in ein Gerät, das den Wasserstoffgehalt in der Atemluft misst. Durch diese Messung wird auf die körpereigene Verwertung von Fruchtzucker im Dünndarm geschlossen: Wenn bei diesem Test ein bestimmter Wert überstiegen wird und sich bei dem Patienten Beschwerden äußern, so leidet der Betroffene an einer Fructoseunverträglichkeit.

Die Fructosemalabsorption darf hierbei auf keinen Fall mit einer Fructoseintoleranz verwechselt werden. Letztere ist eine angeborene Genmutation, die bereits bei Babys oder Kleinkindern auftreten kann und die durch ein bestimmtes fehlendes Leberenzym den Fruchtzucker nicht abbauen kann.

 

Wie kann man den Beschwerden entgegenwirken?

Eine eigenständig aufgestellte, extreme Ernährungsumstellung und der komplette Verzicht auf Fruchtzucker sind nicht ratsam. Dem Körper werden auf diese Weise wichtige Nährstoffe vorenthalten. Erstellen Sie stattdessen in Rücksprache mit Ihrem Gastroenterologen und einem Ernährungsexperten einen gesunden, fructosearmen Ernährungsplan!

Die gängige Vorgehensweise umfasst im ersten Schritt den nahezu vollständigen Verzicht auf Fruchtzucker. In Ihrem Ernährungstagebuch halten Sie dann das zu sich genommene Essen und mögliche Beschwerden genauestens fest. Am besten verzichten Sie auch auf sorbithaltiges Essen. Denn dieser Zuckeraustauschstoff hemmt nicht nur die Fähigkeit des GLUT-5-Transporters, sondern verstärkt auch die Beschwerden.

Im zweiten Schritt erfolgt dann die Testphase, bei der Sie schrittweise fructosehaltige Nahrungsmittel (primär fructoseärmeres Essen) wieder in Ihren Ernährungsplan aufnehmen und herausfinden können, welche Produkte Sie gut vertragen und welche Beschwerden verursachen. Folglich können Sie Ihren Ernährungsplan nach diesem Wissen gestalten. Sofern sich die Betroffenen an diesen halten, können diese größtenteils ohne Beschwerden leben.

Prinzipiell ist die Verträglichkeit von bestimmten Nahrungsmitteln mit hohem Fructosegehalt individuell unterschiedlich, dennoch sollten Sie folgende Lebensmittel mit Vorsicht genießen:

 

Auswahl fructosereicher Lebensmittel:

  • Fruchtshakes
  • Fruchtjoghurt
  • Fruchtsäfte
  • Äpfel
  • Birnen
  • Mangos
  • Trauben
  • Quitten
  • Trockenfrüchte (z.B. Rosinen, Datteln, Zwetschgen, Feigen)
  • Süßigkeiten
  • Honig
  • Marmelade
  • Kompotte
  • Süße Brotaufstriche
  • Fertig- und Lightprodukte
  • Dressings, Ketchup, Mayonnaise, Fertigsaucen
  • Softdrinks
  • Bier
  • Birnendicksaft
  • Apfelkraut
  • Gemüsekonserven
  • Haushaltszucker
  • Kaugummis
  • Zuckerfreie Bonbons
  • Sauerkraut
  • (vor allem in der Anfangsphase): Lauch, Zwiebeln und Hülsenfrüchte
  • Vorsicht bei den Zuckeraustauschstoffen Sorbit, Xylit, Maltit

 

Beispiele für fructoseärmere Lebensmittel:

  • Avocados
  • Kartoffeln
  • Pilze
  • Zucchini
  • Grünes Blattgemüse
  • Knollensellerie
  • Nüsse
  • Mandeln
  • Ölsaaten
  • Kokosnüsse
  • Mais, Hirse, Quinoa, Reis
  • Vollkornprodukte ohne Fructose-Zusätze
  • Fisch, Fleisch, Eier (frisch, Vorsicht bei abgepackter Wurst)
  • Bananen
  • Aprikosen
  • Beerenfrüchte

 

Ist ein beschwerdefreies Leben dennoch möglich?

Obwohl eine Fructoseunverträglichkeit und ihre Ursache nicht heilbar sind, bedeutet die Diagnose „Fructosemalabsorption“ keinesfalls ein Leben mit anhaltenden Schmerzen. Mit der richtigen Ernährung können Sie den Beschwerden entgegenwirken und diese gut kontrollieren. Wichtig ist hierbei, immer eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um einer falschen Ernährung vorzubeugen und dem Körper nicht unbeabsichtigt zu schaden. Mit dem nötigen Wissen und den richtigen Tricks können Betroffene es schaffen, trotzt Fructoseunverträglichkeit nahezu beschwerdefrei zu leben.