Toxisches Schocksyndrom – keine reine Frauensache

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Das Toxische Schocksyndrom (TSS) kennen vermutlich überwiegend Frauen und dann auch eher im Zusammenhang mit der menstruellen Blutung. Mediale Berichte über tragische Verläufe des mitunter fatalen Syndroms führen schnell zu Verunsicherung. Umfassende Aufklärung darüber, was das TSS eigentlich ist und ob ihm vorgebeugt werden kann, ist wichtig.

Welche Risikogruppe ist betroffen?

Anders als angenommen, ist das Toxische Schocksyndrom kein rein weibliches Problem. Im Gegenteil: Es tritt, so berichten Studien, häufiger nicht-menstruell als menstruell auf, sowie öfter bei Kindern und Männern als bei Frauen. Kurz gesagt: Das TSS kann in allen Lebenssituationen, jedem Alter und im Zusammenhang mit verschiedenen Krankheiten auftreten. Aus klinischer Sicht wird unterschieden zwischen:

  • TSS bei Männern, Frauen und Kindern
  • Wenn Frauen dann:
  • Nicht menstruell
  • Wenn menstruell, dann:
  • Nicht vaginal
  • Vaginal
  • Tamponassoziiert

Trotzdem haben einige Menschen ein erhöhtes Risiko, etwa bei der Verwendung von hochsaugfähigen Tampons oder während einer Infektion, die entweder durch Staphylokokken oder Streptokokken hervorgerufen wurde. Außerdem wurde bei manchen, eher jungen Frauen eine gewisse Anfälligkeit festgestellt. Dies wird auf eine Unreife ihres Immunsystems zurückgeführt.

Andere Ursachen eines Toxischen Schocksyndroms können aber auch eine infizierte operative Einschnittstelle oder Infektion im Uterus nach einer Entbindung sein. Ebenfalls beobachtet wurde das TSS nach einer Nasenoperation und bei Gewebeinfektionen durch Streptokokken der Gruppe A bei eigentlich gesunden Menschen.

Was ist das Toxische Schocksyndrom?

Das Wort „Syndrom“ im Begriff Toxisches Schocksyndrom verrät bereits, dass es sich dabei um eine Reihe von Symptomen handelt. Sie schreiten schnell fort und können schwer sein, je nachdem welches Bakterium dahintersteckt. Die Keime, die für diese Infektionserkrankung verantwortlich sein können, heißen Staphylococcus aureus oder Streptokokkus pyogenes. Sie sind natürlicher Bestandteil unserer Umwelt und auch gesunde Menschen tragen sie, im Falle des Staphylococcus aureus, mit sich herum- und zwar in der Nase. Beide Bakterien schütten Giftstoffe aus, auf die unser Immunsystem mit Antikörpern antwortet. Nehmen die Keime jedoch überhand und treten in zu großer Zahl in unseren Organismus ein, kann das ein Problem werden. Vor allem dann, wenn das betroffene Immunsystem noch nie in Berührung mit diesen Eindringlingen kam und noch keine Antikörper bilden konnte. Je älter ein Mensch ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Antikörper bestehen, im Laufe des Lebens trifft das auf fast 90% aller Erwachsenen zu.

Welche Symptome treten beim Toxischen Schocksyndrom auf?

Typische Symptome eines Toxischen Schocksyndroms sind:

 Symptome des TSS

Bitte wenden Sie sich sofort an Ihren Arzt, wenn ohne mögliche Ursache plötzlich hohes Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten.

Sind Menstruationstassen sicherer als Tampons?

Das Zusammenfallen von menstruellem TSS und dem Gebrauch von Tampons ist, im Hinblick auf den milliardenfachen Gebrauch von Tampons seit Jahrzehnten, extrem gering. Frauen durchlaufen im Vergleich zu früher mehr als doppelt so viele Menstruationen im Laufe ihres Lebens. Das liegt einerseits am jüngeren Alter der ersten Menarche und weniger Schwangerschaften als auch am Menstruieren über die Menopause hinaus (dank Hormonen). Jugendliche können so, weniger häufig Antikörper gegen die Erreger bilden, bevor sie das erste Mal mit ihnen konfrontiert werden.

Die Frage, ob Menstruationstassen sicherer als Tampons sind, lässt sich bisher nur mit zweierlei Theorien beantworten. Auf der einen Seite, so scheint es, fühlen sich Bakterien vor allem in den hochsaugfähigen und vollgesogenen Tampons pudelwohl, was zu Infektionen führen kann. Andererseits könnte aber ebenso das luftige Milieu einer Menstruationstasse attraktiv sein und zu Vermehrung führen. Beides wurde in Studien bestätigt. Eine Arbeit, die beide Hygieneprodukte hinsichtlich ihres Risikos für TSS vergleicht, gibt es nicht. Das Wissenschaftsmagazin Lancet brachte diesbezüglich einen Beitrag heraus, der zumindest bestätigen konnte, dass von Menstruationstassen kein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht – verglichen mit Alternativen der Monatshygiene.

Wie kann einem Toxischen Schocksyndrom vorgebeugt werden?

Abgesehen von umsichtigem und hygienischem Verhalten während der Menstruation kann einem Toxischen Schocksyndrom nicht vorgebeugt werden. Österreichischen Wissenschaftlern gelang es 2016 einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Er befindet sich derzeit noch in der Testphase.  

Frauen und Mädchen die Tampons verwenden, sollten …

  • Vor dem Einführen immer Hände waschen
  • Den Tampon vor dem Zubettgehen stets erneuern oder durch ein Binde ersetzen
  • Hochsaugfähige Tampons vermeiden
  • Immer, sofern möglich, zur (nächst-)kleinsten Größe greifen
  • An Tagen mit stärkerer Blutung den Tampon alle drei bis sechs Stunden wechseln
  • An Tagen leichter Blutung einen kleineren Tampon alle sechs bis acht Stunden wechseln
  • Wenn sie mehr als acht Stunden schlafen, direkt vor dem Zubettgehen und gleich nach dem Aufstehen einen neuen Tampon einführen
  • nur Tampons aus unbeschädigten Originalverpackungen verwenden

Frauen und Mädchen die Menstruationstassen verwenden, sollten …

  • Menstruationstassen nur in gründlich gesäubertem Zustand einführen
  • Vor dem Einführen oder Herausnehmen immer Hände waschen
  • Das Blut mit sauberem und fließendem Wasser gründlich ausspülen
  • Die Tasse und das Aufbewahrungsbehältnis nach Ende der Blutung auskochen
  • Die Menstruationstasse entsorgen, sobald ein unangenehmer Geruch von ihr ausgeht

Die gleichen Prophylaxemaßnahmen gelten für den Gebrauch von Diaphragmen, da sie ebenfalls im Zusammenhang mit TSS stehen.