Riskanter Genuss? 8 Tipps zum sicheren Pilze-Sammeln

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Wenn der Sommer sich dem Ende zuneigt und der nasskalte Herbst beginnt, hat sie ihren Höhepunkt: Die Pilzsaison. Deutschlandweit machen sich leidenschaftliche Sammler auf den Weg in die Wälder. Eine leckere Pilzpfanne, Pilzrisotto oder eine feine Pfifferlingsoße schmeckt nun mal am besten mit selbst gesammelten Pilzen. Vorausgesetzt der Sammler kennt sich aus! Denn wer die leckere Mahlzeit gefahrenfrei genießen will, sollte einiges beachten. Und dazu gehört nicht nur, dass man keinen Giftpilz mitnimmt. Wir haben für Sie die besten Tipps für Ihre erfolgreiche Pilzjagd.

 1. Besorgen Sie sich das nötige Fachwissen

Das A und O bei der Pilzsuche ist das nötige Wissen, um die Exemplare eindeutig zuordnen zu können. Als Anfänger ist es zunächst wichtig, ausreichend Erfahrung zu sammeln. In fast jeder Stadt oder Gemeinde werden daher Pilzwanderungen und Kurse angeboten. Vielleicht nimmt Sie auch ein erfahrener Pilzsammler mit auf seine Tour. Auf keinen Fall aber sollten Sie sich als Laie auf gut Glück aufmachen! Denn fast alle bekannten Speisepilze haben einen giftigen Doppelgänger, der ihnen zum Verwechseln ähnlich sieht. Vom giftigen Grünen Knollenblätterpilz reicht beispielsweise schon ein einziges Exemplar, um einen erwachsenen Menschen zu töten. 

2. Vorsicht bei Pilz-Apps!

In den letzten Jahren hat sich der Trend entwickelt, mit Smartphone und einer Pilzapp bewaffnet zum Sammeln in den Wald loszuziehen. Eine riskante Entwicklung warnen Pilzexperten. Denn durch die Pilzerkennungs-Apps lassen sich immer mehr Menschen dazu hinreißen, auch Pilze zu sammeln, die sie gar nicht kennen. Wenn man der App blind vertraut, kann das gefährliche Verwechslungen zur Folge haben. Denn mehrere Qualitätstests ergaben, dass keine der Apps eine eindeutige Sicherheit bei der Bestimmung der Pilze bieten kann.

3. Lassen Sie Ihren Fund überprüfen!

Gerade als Anfänger im Pilze-Sammeln hat man oft Zweifel, ob nicht doch ein giftiges Exemplar darunter ist. Hier kann Ihnen ein Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie helfen. Der Verein widmet sich ganz der Leidenschaft des Pilze-Sammelns und bildet auch Sachverständige aus. Erkundigen Sie sich einfach, wo sie einen solchen in Ihrem Ort finden, er wirft in der Regel gerne einen Blick auf Ihre Prachtstücke.

4. Beginnen Sie mit „einfachen Sorten“

Wer noch nicht so viel Erfahrung hat oder einfach auf Nummer sicher gehen will, fokussiert sich beispielsweise auf Röhrlinge. Denn davon sind viele Varianten essbar, wirklich giftige dagegen gibt es kaum. Lediglich ein paar ungenießbare Arten sind darunter, die Sie aber mit dem richtigen Wissen leicht erkennen können. Ein schmackhafter Speisepilz, der in deutschen Wäldern sehr häufig zu finden ist, ist der Maronen-Röhrling. Auch der Pfifferling, einer der beliebtesten Speisepilze überhaupt, ist sehr leicht zu erkennen und kann kaum mit Giftpilzen verwechselt werden.

5. Die richtige Ausrüstung

Zur Aufbewahrung der gesammelten Pilze verwenden Sie am besten einen ausreichend großen Korb. Der sorgt dafür, dass genügend Luft an die Pilze kommt. Eine Tüte dagegen ist äußerst ungeeignet, da die Pilze darin schwitzen und schnell verderben können.

Ein Messer ist ebenfalls ratsam. Jedoch sollte man es - entgegen der weitverbreiteten Meinung - nicht zum Abschneiden von Pilzen benutzen! Diese sollte man stattdessen vorsichtig herausdrehen. Dadurch hat man mehr Sicherheit bezüglich der Bestimmung des Pilzes. Bei manchen Champignons zum Beispiel erkennt man nur an der Knollenfarbe, ob es sich um eine giftige Art handelt. Außerdem entsteht dadurch kaum eine Verletzung am Pilz, was ihn vor Schimmel schützt. Das Messer ist zum Putzen und Entfernen schadhafter Stellen wichtig.

Zudem sollten Sie ein wenig Alufolie mitnehmen. Sind Sie nicht sicher, ob ein Pilz giftig ist, können Sie in darin einwickeln. So kann er nicht die restlichen Pilze kontaminieren. Nach dem Sammeln können Sie ihn dann einem Pilzexperten zeigen.

6. Was ist erlaubt, was verboten?

Grundsätzlich darf in Deutschland jeder im Wald Pilze sammeln. Jedoch sollten Sie sich über die jeweiligen gesetzlichen Regelungen Ihres Bundeslandes informieren. In einigen Wäldern gilt beispielsweise ein Zutrittsverbot ab Sonnenuntergang. In Naturschutzgebieten und öffentlichen Parks ist das Sammeln generell nicht gestattet.

Auch bei der Menge sollten Sie vorsichtig sein, denn man darf nur zum Eigenbedarf sammeln. Als Richtwert dafür gilt ein Kilo. Das Verkaufen der Pilze ist nur mit einer Genehmigung erlaubt.

Der Umwelt zuliebe sollten Sie außerdem darauf achten, nicht unnötig Pilze zu zerstören. Denn sie haben alle eine Funktion im komplexen Ökosystem Wald. Fälschlicherweise gesammelte Pilze können Sie einfach auf Bäume hängen. So helfen Sie, dass durch die verteilten Sporen mehr neue Pize wachsen.

7. Essen Sie nur Pilze, die Sie sicher erkennen!

Das ist die wichtigste, aber leider auch die am wenigsten beachtete Regel für Pilzsucher. Better safe than sorry - das gilt ganz besonders beim Pilze-Sammeln. Wenn Sie sich bei einem Exemplar nicht sicher sind, verzichten Sie darauf – Ihrem Leben und Ihrer Gesundheit zuliebe! Sollte es Ihnen trotz aller Vorsicht in den nächsten 24 Stunden nach dem Verzehr schlecht gehen, begeben Sie sich umgehend ins Krankenhaus.

8. Achtung! Nicht nur Giftpilze können Pilzvergiftungen auslösen

Bei einer Pilzvergiftung denkt man in erster Linie an Giftpilze wie den Grünen Knollenblätterpilz. Tatsächlich aber sind der Großteil davon Lebensmittelvergiftungen aufgrund verdorbener Pilze. Achten Sie deshalb darauf, die Pilze trocken zu lagern und schnell zu verbrauchen. Auch das richtige Durchbraten/Garen ist sehr wichtig, denn viele Speisepilze sind im rohen Zustand ungenießbar oder sogar giftig!

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