Rheumatoide Arthritis – die unheilbare Volkskrankheit

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Zwei Prozent aller Deutschen, etwa 1,5 Millionen Menschen, leiden an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, auch bekannt unter der Bezeichnung Rheuma. Bei Rheuma handelt es sich jedoch nicht, wie oftmals fälschlicherweise angenommen, um eine einzelne Krankheit. Vielmehr ist sie ein Überbegriff für eine ganze Reihe von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates des Körpers.
Die Krankheit, die im Volksmund Rheuma genannt wird, ist eigentlich die rheumatoide Arthritis.

Rheumatoide Arthritis betrifft häufiger Frauen als Männer

Die rheumatoide Arthritis gilt als die häufigste Gelenkerkrankung der Welt. Sie ist eine chronische Entzündung, die nicht auf einen Bereich des Körpers beschränkt ist, sondern Gelenke im kompletten Bewegungsapparat betreffen kann. Besonders häufig zeigen sich die Symptome jedoch an kleineren Gelenken in Händen und Füßen.
Alleine in Deutschland sind aktuell etwa 550.000 Menschen davon betroffen, nachweislich mehr Frauen als Männer. Untersuchungen zeigen, dass ungefähr zwei Drittel aller Rheumapatienten weiblich sind. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine rheumatoide Arthritis im Alter ausbricht, ist bei Frauen drei Mal höher.

Besonders häufig ist ein Ausbruch der Krankheit zwischen dem fünfzigsten und dem siebzigsten Lebensjahr, dennoch kann sie in jedem Alter auftreten, sogar bei Kindern und Jugendlichen in der besonderen Form der juvenilen idiopathischen Arthritis. Sowohl die Grundform der Krankheit als auch alle Sonderformen sind Teil des sogenannten rheumatischen Formenkreis. Darin werden alle unterschiedlichen rheumatischen Krankheitsbilder ihrer Ursache nach in vier Hauptgruppen eingeteilt. Die rheumatoide Arthritis gehört dabei zu den autoimmunbedingten Erkrankungen.

Ursache der Krankheit ist bis heute nicht geklärt

Obwohl Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis gemeinsam betrachtet als Volkskrankheit zählen und die rheumatoide Arthritis die am häufigsten auftretende Ausprägung davon ist, ist der genaue Ursprung noch nicht zweifelsfrei belegbar. Es gibt jedoch verschiedene Theorien, wie sie entsteht und warum es zu einem Ausbruch kommen kann.

Die meisten davon hängen direkt mit dem Immunsystem zusammen, das bei der Entstehung eine wichtige Rolle spielt. Im gesunden Zustand weiß das Immunsystem durch ein körpereigenes Markierungssystem, welche Zellen dem Körper schaden können und welche nicht. Bei rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen entwickelt sich jedoch über Jahre hinweg ein Fehler im Abwehrsystem. Dadurch werden körpereigene und unschädliche Zellen Stück für Stück als gefährlich markiert. Nach einiger Zeit beginnt nun das Immunsystem in Form von Entzündungen gegen die „schädlichen“ Eindringlinge vorzugehen. Forscher vermuten in einem solchen Prozess den Start einer rheumatoiden Arthritis.

Dennoch sind auch andere Faktoren nicht auszuschließen, etwa eine genetische Veranlagung. Ebenso können äußere Umwelteinflüsse, beispielsweise Infektionen oder Allergien nicht ausgeschlossen werden, oder Rauchen sowie Übergewicht.

Sobald die Erkrankung ausbricht, bilden sich Antikörper gegen das Schmiermittel der Gelenke, die Gelenkschleimhaut. In der Folge entsteht eine chronische Entzündung und die Schleimhaut verdickt sich zunehmend. Im Laufe der Zeit sorgen mehrere biologische Prozesse dafür, dass der Gelenkknorpel zerstört wird und es von verschiedenen Entzündungen bis hin zur kompletten Versteifung der Gelenke kommen kann.

Rheumatoide Arthritis ist aktuell nicht heilbar

Eine extreme Ausprägung wie die komplette Versteifung entsteht natürlich nicht über Nacht. Bereits einige Zeit früher kündigt sich die rheumatoide Arthritis zunächst mit krankheitsunspezifischen Symptomen an. Dazu gehören unter anderem leichtes Fieber, ein Schweregefühl der Muskulatur oder eine anhaltende Appetitlosigkeit, die im ersten Moment vielleicht nicht mit einer rheumatischen Erkrankung in Verbindung gebracht werden. Erst wenn sie weiter voranschreitet, zeigen sich mit Schwellungen und Schmerzen an kleineren Gelenken in Händen und Füßen die ersten krankheitstypischen Symptome.
Ein weiteres klares Anzeichen sind steife Gelenke nach dem Aufwachen, die erst nach mehr als einer halben Stunde wieder freier bewegt werden können. Mit zunehmender Dauer können immer mehr Gelenke von dieser Steifheit betroffen sein.

Je früher die Anzeichen erkannt und richtig diagnostiziert werden, desto eher kann die Therapie beginnen. Hier gibt es zunächst aber eine schlechte Nachricht: Die rheumatoide Arthritis ist nicht heilbar. Es können lediglich die Beschwerden gelindert und der Fortschritt der Krankheit verzögert werden.

Um diese beiden Therapieziele zu erreichen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, welche im Zusammenspiel einen ganzheitlichen Behandlungsansatz erzeugen. Ein gut ausgearbeiteter Behandlungsplan sollte dabei mehrere medizinische Fachrichtungen miteinbeziehen und ebenfalls auf psychologische sowie soziale Aspekte achten. So stützt sich eine ganzheitliche Behandlung auf die Säulen

  • Medikamente
  • Operative Maßnahmen
  • Physio- und Ergotherapie
  • Ernährung
  • Physikalische Therapie etwa mit Wärme oder elektrischen Reizen
  • Psychologische Gespräche und Übungen

Ziel der Behandlung ist es, die Entstehung von Entzündungsherden bestmöglich zu verhindern, die ursprüngliche Funktion und Kraft der Gelenke zu erhalten sowie Schmerzen zu lindern.