Rheumatoide Arthritis: Ursachen, Symptome, Therapie

Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Schäden an Knorpeln und Gelenken - etwa 2,6 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leiden an einer rheumatoiden Arthritis. Umgangssprachlich sprechen Betroffene oft von Rheuma oder Arthritis. Die Begriffe bezeichnen allerdings mehrere unterschiedliche Erkrankungen.

Bei der Rheumatoiden Arthritis kommt es zu einer Entzündung der Gelenke, ausgelöst durch eine Immunstörung. Sie ist mit Abstand die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung.

Unterschied zwischen Rheuma, Arthritis und Arthrose

Arthritis: Unter dem Begriff Arthritis werden alle entzündlichen Gelenkerkrankungen zusammengefasst, wobei rheumatoide Arthritis die häufigste von ihnen ist. Arthritis entsteht oft durch Immunstörungen, Infektionen wie Tuberkulose oder Stoffwechselkrankheiten wie Gicht. Sie verläuft meist in Schüben, ist fortschreitend und führt häufig zu Funktionseinschränkungen, Schmerzen und verminderter Lebensqualität.

Arthrose: Als Arthrose werden Abnutzungserscheinungen an den Gelenken bezeichnet. Sie entsteht altersbedingt bei Überlastung oder durch Verletzungen. Schmerzen treten vor allem nach Ruhephasen, bei Belastung und bei Wetterveränderungen auf.

Rheuma: Bei Rheuma handelt es sich nicht, wie oftmals fälschlicherweise angenommen, um eine einzelne Krankheit. Vielmehr ist sie ein Überbegriff für mehr als 200 verschiedene Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (rheumatischer Formenkreis). Betroffen können dabei nicht nur die Gelenke, sondern auch Knorpel, Weichteile, Muskeln, Bänder und Sehnen sein. Besonders häufig zeigen sich die Symptome jedoch an kleineren Gelenken in Händen und Füßen. Typisch sind neben den Schmerzen auch die Rheumaknoten sowie Verformungen.

Ursachen der rheumatoiden Arthritis

Bei einer rheumatoiden Arthritis greift das Immunsystem der Betroffenen irrtümlich das eigene Körpergewebe an. Die Zellen der Innenhaut der Gelenke werden als Eindringlinge markiert und bekämpft. Dadurch entsteht eine Entzündung. Diese greift Knorpel, Knochen und Bänder des Gelenks an und kann einen Gelenkerguss (vermehrte Ansammlung von Flüssigkeit im Innern eines Gelenks) provozieren. In der Folge wird die Funktion des Gelenks immer weiter eingeschränkt, bis es vollständig zerstört ist. Wodurch diese Autoimmunreaktion ausgelöst wird, ist noch nicht abschließend geklärt.

Untersuchungen haben gezeigt, dass insbesondere das Rauchen das Risiko, an Rheuma zu erkranken, erhöht. Außerdem verläuft die Krankheit dabei oft schwerer, Therapien schlagen häufig schlechter an als bei Nichtrauchern und Nichtraucherinnen. Auch andere Umweltfaktoren wie Übergewicht oder schlechte Ernährung können als Auslöser für die Erkrankung eine Rolle spielen, werden aber vom Betroffenen selbst durch seinen Lebensstil beeinflusst. Der Lebensstil der Betroffenen hat also Einfluss auf Ausbruch und Verlauf der rheumatoiden Arthritis.

Daneben können noch weitere Faktoren das Risiko erhöhen. Diese umfassen das Alter, wobei häufig Frauen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren und Männer zwischen 65 und 75 Jahren erkranken. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle, da Frauen etwa dreimal häufiger als Männer betroffen sind. Zudem besteht ein genetischer Aspekt: Personen mit familiärer Vorgeschichte von rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Rheumatoiden Arthritis Symptome

Rheumatoide Arthritis kann Symptome in sämtlichen Gelenken des Körpers hervorrufen. Anfänglich sind oft die kleinen Gelenke der Hände und Füße betroffen, manchmal auch Ellenbogen, Knöchel oder Knie. Häufig trifft es die Gelenke symmetrisch, das heißt, sie sind gleichzeitig und im gleichen Ausmaß auf beiden Seiten des Körpers tangiert. Sie neigen zu Schwellungen und zeigen eine eingeschränkte Beweglichkeit, besonders morgens nach dem Aufwachen (bekannt als Morgensteifigkeit). Entzündungen können ebenfalls bei Sehnenscheiden und Schleimbeuteln auftreten.

Rheumaknoten

Manchmal bilden sich auch sogenannte Rheumaknoten (Granulom/Entzündungsknoten). Sie bestehen aus Abwehrzellen des Immunsystems, die sich zu großen Riesenzellen zusammenschließen. Von außen sind sie als Knoten unter der Haut tastbar. Unterarme und Fingergelenke sind besonders häufig betroffen, aber auch in der Lunge können sich Rheumaknoten bilden
Bei Patienten und Patientinnen mit langer Krankheitsdauer oder einem schweren Verlauf entwickeln sich die Zellansammlungen häufiger. Auch ein positiver Rheumafaktor sowie spezifische Anti-CCP-Antikörper können sie begünstigen.

Bei der Behandlung von Rheumaknoten setzen Ärzte und Ärztinnen insbesondere auf allgemeine Therapiemaßnahmen der rheumatoiden Arthritis, da sie eng mit dem Krankheitsverlauf zusammenhängen. Zusätzlich kann eine Cortison-Injektion direkt in die betroffene Stelle nützlich sein. Besonders große Knoten, die ein Geschwür verursachen oder die Funktion des Gelenks einschränken, können auch operativ entfernt werden.

Weitere Symptome der rheumatoiden Arthritis sind: 

  • Müdigkeit
  • Leistungsschwäche
  • Schlafstörungen
  • Fieber
  • Nachtschweiß
  • Gewichtsverlust
  • Schmerzen
  • Rötungen
  • Schweregefühl der Muskulatur
  • anhaltende Appetitlosigkeit

Diagnose der rheumatoiden Arthritis

In der Regel tritt die rheumatoide Arthritis in Schüben auf, bei denen sich Phasen mit geringen Schmerzen und mit starken Symptomen abwechseln. Oftmals entwickelt sich die Krankheit in den ersten zwei Jahren am intensivsten, weshalb eine frühzeitige Diagnose von großer Bedeutung ist. 

Denn auch wenn die rheumatoide Arthritis nicht heilbar ist, können die Beschwerden gelindert und der Fortschritt der Krankheit verzögert werden.

Um Rheumatoide Arthritis zu diagnostizieren, führt das medizinische Fachpersonal zuerst ein Anamnesegespräch durch, um Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit sowie allgemeine Symptome wie Müdigkeit oder Erschöpfung zu erörtern. Darauf folgen verschiedene diagnostische Verfahren:

  • Körperliche Untersuchung:
    Beim Abtasten der Gelenke können Schwellungen oder Bewegungseinschränkungen festgestellt werden. Besonders beachtet wird, welche Gelenke betroffen sind und seit wann die Symptome bestehen. Zudem wird nach anderen Anzeichen von Rheuma gesucht, z. B. entzündete Tränendrüsen oder Rheumaknoten.
  • Bluttests:
    Die Blutprobe kann spezifische Antikörper und Entzündungsmarker identifizieren.
  • Bildgebende Verfahren:
    MRT-, Röntgen- oder Ultraschallaufnahmen können Veränderungen an den Gelenken aufzeigen. Diese Methoden werden vor allem bei der sogenannten „seronegativen" Form von Rheuma angewendet, da bei dieser kein Rheumafaktor und keine Antikörper vorliegen. Beim Ultraschall kann gegebenenfalls die entzündlich verdickte Gelenkinnenhaut lokalisiert werden.


Die frühzeitige Diagnose einer rheumatoiden Arthritis ist oft herausfordernd, da die Symptome in den ersten Wochen bis Monaten gering ausgeprägt und nicht immer charakteristisch sind. Eine fortgeschrittene Rheumatoide Arthritis ist aufgrund der typischen körperlichen Anzeichen und sichtbaren Gelenkveränderungen einfacher zu erkennen.

Außerdem ist es schwieriger, vor allem bei älteren Patienten und Patientinnen, Rheuma von Arthrose zu unterscheiden. Im Gegensatz zu jungen Menschen weisen sie bereits Gelenkverschleiß auf, was zu einer falschen Schlussfolgerung führen kann. Besonders kompliziert wird die Diagnose, wenn beide Krankheiten gleichzeitig vorliegen.

Behandlung von Rheumatoider Arthritis

Die Therapieziele bei rheumatoider Arthritis umfassen Symptome zu lindern und Folgeschäden einzudämmen. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten aus mehreren medizinischen Fachrichtungen zur Verfügung. Für einen ganzheitlichen, optimalen Behandlungsplan sollten immer mehrere Therapien sowie psychologische und soziale Aspekte einbezogen werden. Zur Auswahl stehen sieben Säulen:

  • Medikamente bei Rheumatoider Arthritis:
    Basismedikamente wie Methotrexat (MTX), Leflunomid, Sulfasalazin oder Hydroxychloroquin sind die Grundlage der Therapie. Sie können das Immunsystem beruhigen und die Gelenkzerstörung aufhalten.
    Da ihre Wirkung erst nach Wochen einsetzt, wird anfangs zusätzlich Kortison für eine sofortige Wirkung angewendet. Es kann schnell und effektiv gegen die Entzündung sowie die damit verbundenen Schmerzen und Gelenkschwellungen wirken.
    Eine neue Gruppe Basismedikamente bilden Biologika. Die biotechnologisch hergestellten Eiweißsubstanzen unterdrücken Entzündungen und können oft zum Stillstand der Erkrankung führen. Sie müssen aufgrund ihrer Proteinstruktur gespritzt werden, um eine Verdauung im Magen zu vermeiden. Die Injektionen können in der Regel von den Betroffenen selbst vorgenommen werden.
  • Physio- und Ergotherapie bei Rheumatoider Arthritis:
    Physiotherapie hilft, Muskeln zu kräftigen, Gelenksteifigkeit vorzubeugen und die Beweglichkeit der Patienten und Patientinnen zu erhalten. Die Ergotherapie liefert zudem Techniken zur Schonung und Stärkung der Gelenke. Auch der Einsatz von Hilfsmitteln, wie Einlagen, Gehstützen oder Schienen, ist möglich.
  • Ernährung bei Rheumatoider Arthritis:
    Eine entzündungshemmende und gesunde Ernährung kann die Therapie bei rheumatoider Arthritis unterstützen. Zudem hilft sie, Übergewicht abzubauen, um betroffene Gelenke zu schonen. Sie umfasst den reduzierten Konsum von rotem Fleisch, das viel entzündungsfördernde Arachidonsäure enthält. Auch Zucker, Weißmehlprodukte und Fertiggerichte sollten nur sehr sparsam konsumiert werden. Stattdessen legt sie den Schwerpunkt auf Fisch, Gemüse und Obst. Pflanzliche Mineralien, Antioxidantien und gesunde Fette, besonders Omega-3-Fettsäuren, wirken zusätzlich entzündungshemmend.
  • Physikalische Therapie mit Kälte/Wärme oder elektrischen Reizen (TENS) bei Rheumatoider Arthritis:
    Diese Therapiemethoden werden vor allem bei akuten Rheumaschüben angewandt, um Symptome zu lindern. Beispielweise kann es helfen, bei einem Schub die Hände zehn Minuten lang in einer Schüssel Rapssamen zu bewegen, die je nach Effekt warm oder kalt sein können.
  • Psychologische Gespräche und Übungen bei Rheumatoider Arthritis:
    Der Psychologe oder die Psychologin unterstützt die Betroffenen dabei, mit der Krankheit und den Schmerz zu leben. Die Therapie kann auch helfen, depressive Stimmungslagen und Ängste zu bewältigen. Dabei sind sowohl Einzeltherapien als auch Gruppentherapien, in der sich Betroffene untereinander austauschen können, denkbar.
  • Bewegung und Aktivität bei Rheumatoider Arthritis:
    Regelmäßige körperliche Aktivität ist effektiv, um potenzielle Schmerzen zu reduzieren und die Beweglichkeit der Gelenke zu bewahren. Zusätzlich zu den physiotherapeutischen Übungen bieten sich daher unterstützende Sportarten an, zum Beispiel Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, leichtes Krafttraining, Schwimmen und Wassergymnastik.
  • Operative Maßnahmen bei Rheumatoider Arthritis:
    Falls Medikamente nicht ausreichen, die Krankheit fortschreitet und es zu schweren Gelenkschäden kommt, kann eine Operation bei Rheumatoider Arthritis, wie die Entfernung der Gelenkinnenhaut, die Einsetzung einer Gelenkprothese oder die Versteifung des Gelenks (Arthrodese), zur Schmerzlinderung beitragen.

Ziel der Behandlung ist es, die Entstehung von Entzündungsherden bestmöglich zu verhindern, die ursprüngliche Funktion und Kraft der Gelenke zu erhalten sowie Schmerzen zu lindern.

Das können Betroffene selbst zusätzlich gegen Schmerzen und Folgen der rheumatoiden Arthritis tun: 

  • Die Medikamente gegen rheumatoide Arthritis können das Infektionsrisiko erhöhen. Deshalb sollten Sie Rücksprache mit dem Hausarzt oder der Hausärztin wegen eines umfassenden Impfschutzes halten.
  • Achten Sie bei der Medikamenteneinnahme auf eine regelmäßige und korrekte Einnahme. Auch wenn gerade keine Symptome bestehen, ist eine stringente Therapie für die Wirkung entscheidend.
  • Orthopädisch angepasste Schuhe, gegebenenfalls mit orthopädischen Einlagen, können sinnvoll sein, um die Gelenke zu entlasten.
  • Verschiedene Hilfsmittel wie Stiftverdickungen, Öffner für Marmeladengläser, selbstöffnende Scheren und spezielle Griffe für Zahnbürsten können den Alltag erleichtern.
  • Patientenschulungen sind nützlich, um das Wissen über die Erkrankung zu verbessern, die Selbstbefähigung zu steigern und den Alltag besser zu bewältigen.

Leben und Alltag mit Rheumatoider Arthritis

Rheuma kann durch Schmerzen, Erschöpfung, Medikamentennebenwirkungen und körperliche Einschränkungen das tägliche Leben stark beeinflussen. Betroffene brauchen oft mehr Zeit für Alltagsaufgaben und müssen sich häufiger ausruhen. Zudem sind regelmäßige Arztbesuche, die korrekte Medikamenteneinnahme und die Beschaffung von Hilfsmitteln sehr zeitaufwendig. Erschöpfung kann zu erhöhtem Schlafbedarf und Konzentrationsschwierigkeiten führen, während emotionale Reaktionen wie Angst, Trauer und Wut die Krankheitsbewältigung erschweren können. 

Trotz dieser Herausforderungen gelingt es vielen Menschen, ihre Beschwerden zu managen und ein erfülltes Leben zu führen. Sollten Sie sich Unterstützung wünschen, um den Alltag mit der Krankheit zu bewältigen, wenden Sie sich am besten direkt an ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.

Beitrag aktualisiert am 05.02.2024.

Quellen:

 

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