Minimalismus: Mehr als nur ein Modetrend

Ein modernes Wohnzimmer mit einer taupefarbenen Couch, die sich vor einer mintgrün gestrichenen Wand befindet. Zwei Dekokissen in Türkis und mit geometrischem Muster zieren die Couch.

Uns fehlt es an kaum etwas: Einer Studie zufolge besitzt jeder Deutsche im Schnitt etwa 10 000 Dinge. Aber trotz Überfluss wird kontinuierlich weitergekauft. Leider finden dabei auch immer mehr Dinge den Weg in unseren Haushalt, die wir eigentlich gar nicht brauchen.

Eine Art Gegenbewegung zu diesem Konsumwahn ist der Minimalismus. Dieser Begriff begegnet mittlerweile immer häufiger in immer unterschiedlicheren Kontexten. Schmuck, Kunst, Tattoos, Kleidung, Einrichtung: Der minimalistische Stil ist geprägt durch klare Linien und wenig Schnickschnack. Dabei ist Minimalismus viel mehr, als nur eine Modeerscheinung.

Weniger ist mehr

Wer nach den Grundsätzen des Minimalismus lebt, befreit sich von allem unnötigen Ballast und erlangt so einen besseren Überblick. Gezieltes Aussortieren und gut durchdachte Kaufentscheidungen sollen dabei helfen, Struktur im Leben zu schaffen und den Fokus auf die wichtigen Dinge zu lenken. Denn vieles zu besitzen bedeutet auch, sich um vieles kümmern zu müssen. Sich von allem Unnötigen zu trennen kann daher sehr befreiend sein und ein bewussteres Leben ermöglichen.

Nach der Entscheidung für ein minimalistische(re)s Leben steht man in der Regel zunächst vor einer Mammutaufgabe: dem Aussortieren. Das beginnt man am besten in den eigenen vier Wänden und arbeitet sich Zimmer für Zimmer vorwärts. Um unnötigen Ballast loszuwerden, sollte jeder Gegenstand hinsichtlich seines Nutzens bewertet werden. Man kann diesen mithilfe der drei folgenden Fragen einschätzen:

  • „Bringt mir dieser Gegenstand einen Mehrwert?“
  • Brauche ich diesen Gegenstand wirklich?“
  • „Macht mich dieser Gegenstand glücklich?“

Wenn man alle drei Fragen verneinen kann, sollte man über eine Trennung von dem Gegenstand nachdenken. Allerdings heißt das nicht, dass er auf direktem Weg in die Mülltonne wandern muss. Vielleicht hat er ja einen Nutzen für jemand anderen? Zahlreiche Online-Plattformen bieten die Möglichkeit, nicht mehr Gebrauchtes zu verkaufen oder zu verschenken.

Projekt Kleiderschrank

Das gilt übrigens auch für Kleidung. Sicher kennen Sie dieses Problem: Man steht vor dem vollen Kleiderschrank – und hat das Gefühl, nichts Passendes zum Anziehen zu haben. Zwischen den ganzen Kleidungsstücken, die nicht richtig passen oder eigentlich gar nicht gefallen, verliert man schnell den Überblick. Oft führt das zu Frustration: Man probiert verschiedene Kombinationen an, fühlt sich aber in keiner wirklich wohl und zieht schließlich los, um neue Kleidungsstücke zu kaufen. Das eigentliche Problem wird dadurch allerdings nicht gelöst.

Viel sinnvoller ist es, durch Aussortieren für Ordnung und Struktur zu sorgen und nur die Dinge zu behalten, die man auch wirklich nutzt. Alles, was mit geringer Wahrscheinlichkeit irgendwann wieder passen, gefallen oder in Mode kommen könnte, darf getrost gespendet oder verkauft werden.

Natürlich sollte man den dadurch frei gewordenen Platz nicht gleich wieder mit neuen Stücken füllen. Minimalismus ist mehr als nur Aussortieren. Auch bei zukünftigen Kaufentscheidungen sollte man daher stets den individuellen Nutzen hinterfragen.

Mehr Geld und Zeit

Ist das Aussortieren erst einmal gemeistert, bringt es auch zahlreiche Vorteile mit sich. Man hat dann nicht nur einen besseren Überblick und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, sondern spart auch Zeit und Geld, hat mehr Platz und weniger Verpflichtungen. Das gesparte Geld können Sie dann zum Beispiel in Erlebnisse, Reisen oder hochwertige Produkte investieren, die eine lange Lebensdauer haben.

Wem das radikale Aussortieren zu viel des Guten ist, der kann trotzdem vom minimalistischen Lebensstil lernen. So hilft es bereits, regelmäßig auszusortieren und bewusst einzukaufen, um den Blick für das Wesentliche zu trainieren und Struktur und Ordnung im Leben zu halten.

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