Impfen – 200 Jahre Erfolgsgeschichte mit vielversprechender Zukunft

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Infektionskrankheiten galten lange als unüberwindbar, viele Kinderkrankheiten wie Keuchhusten, Diphtherie oder Kinderlähmung brachten vor allem Leid und Tod. Seit der Erfindung der Impfung gelten sie als weitgehend kontrolliert und kommen in Deutschland nur noch sehr selten vor. Mit der ersten Impfung trat auch das Prinzip der Immunisierung auf den Plan. Wenngleich das eigentliche Virus als Ursache für die Pocken damals noch nicht entdeckt war, erkannten die Wissenschaftler dennoch: Eine gezielte Ansteckung des Menschen mit der harmlosen Form der Pocken macht immun gegen die gefährliche Variante. Damit war einer der bedeutendsten Meilensteine im Kampf gegen Infektionskrankheiten und der Medizingeschichte erreicht. Bis heute sind Impfungen neben Antibiotika mit die erfolgreichsten Entwicklungen der modernen Medizin.

Erfolgreiche Windpockenimpfung

Eine dieser Impfungen ist die Windpockenimpfung, die seit 16 Jahren von der Ständigen Impfkommission im Rahmen der Grundimmunisierung empfohlen wird. Dank ihr konnte die Krankheit zurückgedrängt und viele schwere Komplikationen vermieden werden. Obgleich oft als harmlose Kinderkrankheit abgetan, bedeuten Windpocken für einige Kinder ein schweres Krankheitsrisiko. Varizellen, wie Windpocken medizinisch genannt werden, sind äußerst ansteckend. Von 100 Personen stecken sich 90 an, nachdem sie dem Virus ausgesetzt waren. Das entspricht einem Kontagionsindex von fast 1,0 (Kontagion = Ansteckung); bei etwa 16 Prozent der Patienten kommt es zu einem schweren Krankheitsverlauf. 5,7 Prozent haben Komplikationen wie Pneumonie (Lungenentzündung) oder Enzephalitis (Entzündung des Gehirns).

Die Impfung gegen Windpocken ist sehr wirksam. Säuglinge erhalten die erste Dosis meist im Alter von 11 – 14 Monaten, die zweite erfolgt im Alter von 15 bis 23 Monaten. Wenige Jahre nach Einführung der Impfung sind die Erkrankungen und Komplikationen bereits merklich zurückgegangen. So sank die Zahl der gemeldeten Fälle zwischen 2005 und 2012 etwa um 85 Prozent. Mit der Herdenimmunität bietet die Impfung auch jenen Schutz, die (noch) nicht geimpft werden können. Im Jahr 2017 wurden nur etwas mehr als 22. 000 Windpocken-Fälle gemeldet, 83 Prozent der betroffenen Patienten war nicht geimpft.

Weltweite Impfungen gegen Kinderlähmung

Die Erinnerung an die Kinderlähmung oder auch Polio ist vor allem eine Generationenfrage. Während viele noch den Slogan "Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam" aus den sechziger Jahren im Ohr haben, kamen nachfolgende Generationen lediglich im Rahmen der Immunisierung mit dem Begriff in Kontakt. Der europäische und amerikanische Kontinent gilt als poliofrei. Betroffene Gebiete sind Indien, Afghanistan, Nigeria und Pakistan. Dort treten 99 Prozent der Fälle auf.

Fehlinformation gefährdet Menschenleben

Was passieren kann, wenn viele Menschen mutwillig fehlinformiert werden, wurde im Jahr 1998 in Großbritannien deutlich. Damals behauptete der britische Arzt Andrew Wakefield in der renommierten Zeitschrift The Lancet, dass es wohl einen Zusammenhang zwischen der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln und kindlichem Autismus gibt. Schnell war klar, dass es für diese Behauptung keinen Beweis gab und The Lancet widerrief die Publikation als „komplett falsch“. Wakefield wurde die Approbation entzogen, nichtsdestotrotz hielt die Wirkung dieser Falschmeldung, auch wegen medialer Feldzüge gegen das Impfen an. Die Impfrate, die zuvor bei 91,2 Prozent gelegen hatte, sank innerhalb weniger Jahre auf einen Tiefpunkt. In manchen Teilen des Landes war nicht mal mehr jedes zweite Kind gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Eine Mumps-Epidemie folgte nebst häufigen Masernfällen. Die Impfrate erholte sich erst 2012 wieder und stieg bis zu diesem Jahr auf etwa 90 Prozent.

Die Geschichte der Impfstoffentwicklung

Die Geschichte der Impfstoffentwicklung ist lang. Sie begann 1796 mit einem Zufallsfund, auf dessen Basis der englische Arzt Edward Jenner den ersten Impfstoff entwickeln konnte. Etwa 100 Jahre später wies Robert Koch den Milzbranderreger dank dieser Erkenntnis nach. So konnte der Mikrobiologe Louis Pasteur den ersten Impfstoff gegen Milzbrand und Tollwut entwickeln. Anfang des 20. Jahrhunderts folgte die Impfung gegen Diphtherie und Tetanus. Schließlich gelang es auch Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Polio sowie Röteln, Meningokokken und Windpocken herzustellen. Bereits Anfang der 80er Jahre konnte die WHO die ganze Welt für „pockenfrei“ erklären. Amerika, der Westpazifik und Europa sind mittlerweile poliofrei. Nicht zu vergessen: Die Grippeimpfung, die Jahr für Jahr grippalen Infekten vorbeugen kann. Die aktuellere Forschung befasste sich etwa mit dem Impfstoff gegen das HP-Virus (Gebärmutterhalskrebs) und immer noch mit einem Mittel gegen das HI-Virus. Eines gegen Eierstock- und Nierenkrebs soll bald folgen.