Hausstaubmilbenallergie- eine Konsequenz des modernen Lebens?

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Hausstaubmilbenallergiker gibt es viele in Deutschland. Etwa ein Zehntel der Bevölkerung ist betroffen. Die Auslöser der Hypersensibilität sind gut erforscht und auch die Möglichkeiten ihr zu begegnen sind mittlerweile umfangreich. Dennoch steigt die Zahl der Allergiker weiter stark an. Diese liegen dann überwiegend nachts mit teils heftigen allergischen Reaktionen wach. Warum ist das so?

Dämmen und isolieren- gut für uns, gut für die Milben

Erklärungsansätze für die steigende Zahl der Hausstaubmilbenallergiker gibt es viele. Moderne Lebensumstände könnte man als Oberbegriff für jeden davon nennen. Denn die Allergie ist „hausgemacht“. Fenster, zum Beispiel, sind mittlerweile so gut abgedichtet, dass praktisch kein Luftaustausch mehr stattfinden kann. Das erhöht die Luftfeuchtigkeit und schafft gleichzeitig ideale (Über-)Lebensbedingungen für Hausstaubmilben.

Am wohlsten fühlen sie sich ab 25 ° C und einer Luftfeuchtigkeit von 65 % -80 %. Während des Sommers vermehren sie sich munter, bis im Verlauf des Herbstes das ansteigende Heizen die Luft wieder austrocknet. Durch die veränderten Bedingungen stirbt der Großteil der Milben ab. Dies verursacht eine Mischung aus angehäuftem Kot und frei werdenden Allergenen. Da Betroffene vor allem darauf reagieren, und nicht auf das Tierchen an sich, setzen starke allergische Reaktionen ein.

Hausstaubmilben legen sich ins gemachte Bett

Neben moderner Isolierung und Dämmung sieht eine wachsende Gruppe internationaler Wissenschaftler auch die zunehmende Hygiene in der Verantwortung. Die Hausstaubmilbe ist natürlicher Teil unserer Umgebung und kein Ergebnis mangelnder Reinlichkeit. Im Gegenteil. Moderne, sehr keimfreie Wohnverhältnisse bieten kaum noch Kontakte mit Fremdstoffen, ebenso unsere Nahrung. Zweifellos haben genau diese Umstände erheblich dazu beigetragen, Krankheiten wie Pest oder Cholera auszumerzen. Eine Konsequenz daraus ist aber auch eine „Unterforderung“ des Immunsystems. Es wird nur noch selten gereizt und neigt infolgedessen dazu, andere Fremdstoffe überzubewerten, wie etwa die Pollen einer Birke oder, wie in vielen Fällen, den Kot der Hausstaubmilbe.

Kinder in den Kuhstall und den Teddy ins Eisfach

Folgerichtig ist demnach, unseren Körper häufiger mit „Dreck“ in Berührung kommen zu lassen. Viele Eltern werden nun sagen: „Das haben wir doch schon lange gewusst!“, und erhalten nun dabei von einigen Studien Rückendeckung. Das Ergebnis eines Forschungsansatzes mit rund 40.000 Kindern zeigte etwa, dass jene, die auf einem Bauernhof aufwachsen deutlicher seltener an Asthma oder Allergien erkranken. Je traditioneller die Landwirtschaft, umso besser die Prävention.

Stadtkinder kommen statt mit Kuh, Schwein und Huhn meist nur mit Kuscheltieren in Kontakt. Der liebste Teddybär, sowie meist viele seiner Freunde, dürfen in keinem Kinderbett fehlen. Und mit ihm viele Hausstaubmilben. Eine amerikanische Studie von Januar diesen Jahres geht den Tierchen nun erneut an den Kragen. Laut den Forschern der Wright State University in Dayton braucht es lediglich einen Gefrierschrank und etwas Zeit. Ihr Versuch zeigte, dass die Spinnentiere zwei Tage bei -15 ° C nicht überleben können. Stofftiere sollten daher regelmäßig in die Gefriertruhe wandern und anschließend gewaschen werden, um auch die Reste der Milben zu beseitigen. Wer keine große Truhe hat, sollte sie stattdessen häufig bei 60 °C waschen

Kurzfristige und langfristige Hilfe bei Hausstaubmilben-Allergie

Dabei sollte die Bettwäsche gleich mit in die Maschine gepackt werden, denn eine Hausstaubmilbenallergie kann nachts mitunter erhebliche Beschwerden auslösen. Das können Husten, erschwertes Atmen oder pfeifende Geräusche beim Einatmen sein. Wenn die Bronchien und auch der Kreislauf unter starken allergischen Reaktionen leiden, hilft oft eine kurzfristige Medikation mit Antihistaminika. Diese hemmen die Wirkung des Histamins und damit die Allergie. Zumindest die Beschwerden können so gelindert werden. Langfristig sollte über eine Hyposensibilisierung nachgedacht werden. Diese spezifische Immuntherapie setzt den Körper immer wieder den Allergenen aus, in ansteigender Dosis.

Folgende Tipps können helfen nahezu beschwerdefrei zu leben, sofern sie konsequent und regelmäßig befolgt werden:

  • Mehrmals pro Tag stoßlüften.

  • Encasing- das bedeutet das vollständige Umhüllen der Matratze mit einem speziellen Bezug aus der Apotheke oder dem Sanitätshaus. Am besten mit einer neuen Matratze. (Achten Sie auf die Qualität, eine Studie von Stiftung Warentest hat erhebliche Unterschiede aufgezeigt. Mit einem ärztlichen Attest übernehmen viele Krankenkassen die Kosten.)

  • Das Schlafzimmer und/oder Kinderzimmer sollte nicht zu stark geheizt werden.

  • Hygrometer messen die Luftfeuchtigkeit, wer also sichergehen will, dass es die Milben nicht zu gemütlich haben, sollte sie unter 50 % halten.

  • Beim An- und Ausziehen der Kleidung verlieren Sie besonders viele Hautschüppchen. Da sich die Milben davon ernähren, sollte das Be- und Entkleiden lieber nicht im Schlaf- und Kinderzimmer stattfinden. Das Gleiche gilt für Haarekämmen.

  • Haustiere sollten sich nicht im Schlafzimmer oder Kinderzimmer aufhalten.

  • Vor allem Kinder nicht direkt nach dem Baden ins Bett schicken. Die Haut speichert kurzfristig Wasser. Wird dieses wieder freigegeben, erhöht sich die Feuchtigkeit im Bett.

  • Polstermöbel sind für Allergiker risikobehaftet. Wählen Sie bei Gelegenheit einen Lederbezug oder eine glatte Oberfläche.

  • Sämtliche Böden sollten etwa alle zwei Tage feucht gewischt werden.

  • Spezielle Filter für den Staubsauger verringern zwar die Freisetzung der Allergene, jedoch wird während des Saugens viel Staub aufgewirbelt. Betroffene Kinder sollten grundsätzlich nicht saugen oder Staub wischen!

  • Rauchen ist schädlich- besonders für Hausstaubmilbenallergiker, da es die Schleimhäute der Atemwege angreift.

  • Vorhänge, Teppiche und offene Bücherregale sind ideale Staubfänger. Sie sollten vermieden werden oder Vorhänge zumindest regelmäßig bei 60 °C gewaschen werden.

  • Synthetische Allergikerkissen und Bettdecken eignen sich am besten. Sie sollten mindestens einmal im Monat bei 60°C gewaschen werden. Eine jährliche chemische Reinigung hilft zusätzlich.

  • Das Bettzeug sollte morgens immer kräftig aufgeschüttelt und gelüftet werden.

  • Schimmelpilze sind eine beliebte Nahrungsquelle bei Milben und vor allem in Blumentöpfen zu finden. Außerdem erhöhen Topfpflanzen die Luftfeuchtigkeit im Raum und sind daher im Schlaf- oder Kinderzimmer ungeeignet.