Die richtige Ernährung bei Endometriose

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In Deutschland leiden etwa drei Millionen Frauen an Endometriose, einer Krankheit, bei der Gebärmutterschleimhaut-artige Wucherungen entstehen. Diese oft schmerzhaften Endometriose-Herde befinden sich meist im Bauchraum, können aber auch an anderen Stellen im Körper entstehen. Die Behandlung erfolgt meistens per Operation, Hormontherapie oder multimodaler Schmerztherapie. Es gibt jedoch auch Studien, laut denen eine Ernährungsumstellung die Symptome einer Endometriose reduzieren kann.

Mittelmeerdiät bei Endometriose

Frauen mit Endometriose können ihr Wohlbefinden durch eine ausgewogene Ernährung oft deutlich verbessern. Grundsätzlich zu empfehlen ist, laut einer Studie des San Raffaele Scientific Institute, eine gesunde Diät mit wenig Zucker und wenig tierischen Fetten. Wie die italienischen Wissenschaftler:innen erklären, sollte die Nahrung hauptsächlich aus frischem Obst und Gemüse, mageren Milchprodukten, Vollkornprodukten sowie Geflügel, Fisch und Meeresfrüchten bestehen.

Diese sogenannte Mittelmeerdiät kann, nach einer Studie des University Hospital and University of Bern, bei Frauen mit Endometriose die Schmerzen ohne zusätzliche Medikamente um 50 Prozent reduzieren. Auch bei anderen Krankheiten mit chronischen Schmerzen kann die mediterrane Ernährung deren Intensität und Dauer oft deutlich verringern.

Dokumentation der Ernährung

Laut Dr. med. Nadine Rohloff, ehemals Ärztin in der Frauenklinik des Universitätsklinikums Münster (UKM), ist die Dokumentation der Ernährungsumstellung für Patienten und Patientinnen mit Endometriose entscheidend. Betroffene können so langfristig beobachten, welche Lebensmittel ihre Symptome wie beeinflussen. Möglich ist eine solche Dokumentation etwa mit einer App, mit deren Symptomtagebuch sich die Routinen im Alltag erfassen lassen.

„Digitale Lösungen können da helfen! Daher möchten wir mit der App allen Menschen mit Endometriose verlässliche Informationen und individuelle Unterstützung in allen Lebenslagen und vor allem im Alltag bieten. Ohne Wartezeit. Ohne Fahrtweg“, erklärt Rohloff.

Diese Lebensmittel beeinflussen Endometriose

Die Ernährung bei Endometriose wird aktuell in unterschiedlichen Studien untersucht. Welche Lebensmittel die Symptome reduzieren und welche sie verstärken, unterscheidet sich von Patient:in zu Patient:in jedoch teilweise stark. Als Grundlage für die Ernährung bei Endometriose sollte die folgende Übersicht beachtet werden:

  • Fleisch sollten Betroffene eher selten konsumieren. Laut Studien erhöht rotes Fleisch das Endometriose-Risiko und die Schmerzintensität. Auch Wurstwaren und Schinken sollten nur in geringen Mengen gegessen werden, da sie den Botenstoff Histamin enthalten. Dieser wirkt auf die Gebärmutter und kann dadurch die Schmerzen verstärken. Zudem fördern tierische Eiweiße im Körper Entzündungsprozesse und beeinflussen den Hormonhaushalt negativ.
  • Fisch kann die Schmerzen bei Endometriose reduzieren. Besonders fetter Seefisch mit viel Omega-3-Fettsäuren wirkt sich positiv auf die Symptome aus. Diese unterstützen das Immunsystem und wirken entzündungshemmend. Empfohlen sind etwa Heringe und Sardinen. Alternativ können Omega-3-Fettsäuren auch über Öle (Leinöl, Distelöl, Rapsöl) eingenommen werden.
  • Tierische Milchprodukte liefern dem Körper Calcium, was für die Bildung von Hormonen benötigt wird. Fettarme Milchprodukte (Magerquark, Frischkäse, Joghurt) können das Endometriose-Risiko senken. Hartkäse sollte hierbei jedoch vermieden werden, da er den schmerzverstärkenden Botenstoff Histamin enthält.
  • Gemüse sollte bei Endometriose einen Großteil der Ernährung ausmachen. Die im Gemüse enthaltenen Vitamine A, C, E und die Spurenelemente Zink und Selen besitzen eine antioxidative Wirkung, lindern Entzündungen und stärken das Immunsystem. Zudem enthält Gemüse sekundäre Pflanzenstoffe, die das Hormonsystem regulieren.
  • Obst enthält ebenfalls viele gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Antioxidantien. Durch die enthaltenen Pflanzenschutzmittel könnte der gesundheitsfördernde Effekt jedoch ausbleiben. Bei Endometriose sollte deshalb nur Obst aus biologischem Anbau gegessen werden, dessen Wirkung nicht durch Fungizide, Herbizide, Pestizide und andere Chemikalien aufgehoben wird.
  • Magnesium kann die Schmerzen bei Endometriose deutlich reduzieren, da es positiv auf den Hormonhaushalt einwirkt. Studien haben zudem belegt, dass ein Magnesiummangel zu einem gestörten Zyklus und sogar zu Fehlgeburten führen kann. Enthalten ist Magnesium vor allem in Mineralwasser, Nüssen, Vollkornprodukten und Bohnen.

Nahrungsergänzungsmittel bei Endometriose

Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Vitamine A, B12, C, D, E, B9 (Folsäure) sowie die Mineralien Magnesium und Calcium und die Spurenelemente Selen und Zink die Beschwerden bei einer Endometriose lindern können. Laut Ärzten und Ärztinnen sollten Patienten bzw. Patientinnen trotzdem keine Vitamintabletten oder andere Nahrungsergänzungsmittel, wie Fischölkapseln, konsumieren. Der Bedarf kann über eine ausgewogene Ernährung problemlos gedeckt werden. Zudem besteht bei Nahrungsergänzungsmittel das Risiko einer starken Überdosierung, die sich negativ auf die Gesundheit und die Symptome auswirken könnte.

Übergewicht bei Endometriose

Der Body-Mass-Index (BMI) scheint neben der Ernährung das Risiko für Endometriose ebenfalls zu beeinflussen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Krankheiten scheinen Menschen mit einem höheren BMI, also einem höheren Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße, seltener an Endometriose zu erkranken. Die Gesundheitsrisiken durch Adipositas (BMI über 30) überwiegen einem eventuell vorhandenen positiven Effekt im Hinblick auf Endometriose aber deutlich.