Die besondere Beziehung zwischen Geschwistern

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Wer eine Schwester oder einen Bruder hat, kennt sie, die besondere Beziehung zwischen Geschwistern. In einem Moment empfinden sie Liebe und Zuneigung, im nächsten können sie sich heftig streiten oder sogar hassen. Viele beschreiben dieses Phänomen als „wir können nicht mit ihnen, aber auch nicht ohne sie“.

Dabei sind es die Geschwister, die uns in der Regel ein Leben lang begleiten und auch viel Einfluss auf unserer Entwicklung haben.

Die längste Beziehung unseres Lebens

Die Beziehung zwischen Geschwistern verändert sich im Laufe des Lebens. Während sie in der Kindheit von Anfang an viele Stunden gemeinsam verbringen, wenden sie sich in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter häufig voneinander ab. Der Kontakt bleibt höchstens sporadisch, während jeder versucht, das eigene Leben zu gestalten. Im Alter wird der Wunsch nach Verbundenheit dann wieder stärker. Viele Geschwister finden nach Jahren erneut zueinander und knüpfen nahtlos an die vormals enge Beziehung an.

Psychologen warnen aber auch davor, dass eine Kontaktaufnahme alte Traumata wieder aufreißen kann. Denn von Geburt an steht der Nachwuchs einer Familie im Konkurrenzkampf miteinander. Die Kinder buhlen um die Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Eltern. Eifersucht und Missgunst sind normal, sollten von den Erwachsenen aber auch begleitet werden. Wer alten Groll gegen die Geschwister hegt, sollte diesen deshalb bei neuem, engerem Kontakt zunächst außen vorlassen. Denn jeder erlebt die Kindheit in der Familie anders.

Geschwister prägen uns mehr, als wir denken

Besonders bei geringem Altersunterschied zwischen einem und drei Jahren verbringen Geschwister häufig mehr Zeit miteinander als mit ihren Eltern. Deshalb haben sie in der Regel auch mehr Einfluss auf ihr Leben. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich meist jedes Familienmitglied seinen Platz in der Gemeinschaft sucht. Ist ein Kind beispielsweise besonders laut und fordernd, passt sich das andere daran an. Es übernimmt die zurückhaltende und schüchterne Rolle. Das geht sogar so weit, dass in der Familie am gelernten Verhalten festgehalten wird, während in Kindergarten, Schule oder Arbeit die eigentliche Persönlichkeit zum Vorschein kommt.

Einige Forscher vermuten sogar, dass die Geburtenreihenfolge unsere Persönlichkeit prägt. Erstgeborene, große Kinder sollen in Intelligenztests beispielsweise besser abschneiden. Dafür haben Untersuchungen gezeigt, dass Zweitgeborene unternehmungslustiger sind und öfter bahnbrechende Entdeckungen machen, die von der Norm abweichen. Trotzdem entscheiden noch viele weitere Faktoren über die eigene Entwicklung, etwa die Erziehung, die eigene Persönlichkeit und das weitere Umfeld. Dennoch haben Studien gezeigt, dass sich Zwillinge, die in getrennten Familien aufwachsen, sehr viel ähnlicher sind als die gemeinsam Lebenden.

Der Unterschied zwischen Einzelkindern und Geschwisterkindern

Geschwistern wird häufig eine höhere Sozialkompetenz zugesprochen. Schließlich müssen sie lernen, sich mit ihrem Bruder oder ihrer Schwester zu einigen. In Studien zeigten Kinder, die sich mit einem Geschwisterkind schnell und problemlos absprechen konnten, tatsächlich auch in anderer Umgebung besseres Verhandlungsgeschick und mehr Verständnis. Allerdings gab es ebenso viele Geschwisterkinder, die sich weder untereinander noch mit anderen einigen konnten.

Einzelkinder müssen deshalb nicht zwangsläufig mehr oder weniger Sozialkompetenz haben. Durch die fehlende Konkurrenz in der Familie entwickeln sie dagegen häufig mehr Selbstbewusstsein und stehen für ihre Ideen vehementer ein. Psychologisch gesehen, ist es deshalb nicht besser oder schlechter als Geschwisterkind aufzuwachsen; es ist einfach nur anders.