Diagnose Alzheimer: wenn Vergesslichkeit zur Krankheit wird

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Der fortschreitende Verlust der geistigen Fähigkeiten ist eines der wichtigsten Symptome der Alzheimer-Krankheit. Diese ist eine besondere Form der Demenz. Es handelt sich dabei aber nicht um eine „normale“ Vergesslichkeit im Alter: Erst wenn Einbußen der geistigen Fitness dauerhaft dazu führen, dass der Alltag nicht mehr richtig bewältigt werden kann, sprechen Ärzte von einer Demenz.

An einer Demenz erkranken nahezu ausschließlich ältere Menschen, und mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen. Weltweit sind aktuellen Statistiken zufolge etwa 46 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, die Tendenz ist steigend.

Die Erkrankung kann viele Ursachen haben

Die Ursachen einer Demenz sind zahlreich. In Frage kommen beispielsweise Gefäßverkalkungen und Schlaganfälle (vaskuläre Demenz) oder andere Nervenkrankheiten (z.B. Parkinson-Syndrom). Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz – in sieben von zehn Fällen ist sie die Ursache der zunehmenden Vergesslichkeit. Dabei kommt es aus unbekannten Gründen zu Ablagerungen bestimmter Eiweiße – sogenannten senilen Plaques und Neurofibrillen – im Gehirn. Diese Ablagerungen schädigen die Nervenzellen (Neuronen). Es kommt zu einem Verlust an Botenstoffen (Neurotransmitter), die eine entscheidende Rolle für die Gedächtnisleistung spielen. Diese Entwicklung erstreckt sich über 20 bis 40 Jahre, bis sie im fortgeschrittenen Alter als Alzheimer-Demenz auffällt.

Der schleichende Verlauf ist typisch

Die Symptome der Alzheimer-Demenz beginnen schleichend. Im Vordergrund steht eine Störung des Kurzzeit-Gedächtnisses – die Betroffenen erinnern sich zum Beispiel nicht mehr an die Geschehnisse des Tages. Zu Beginn lässt sich die Demenz noch nicht von der normalen Vergesslichkeit des Alters unterscheiden. Das Langzeit-Gedächtnis (z.B. Kindheitserinnerungen) wird bei der Alzheimer-Demenz erst spät in Mitleidenschaft gezogen.

Die Betroffenen bemühen sich darum, die äußere Fassade möglichst lange aufrecht zu erhalten. Das bewusste Erleben der abnehmenden Leistungen führt bei Demenz-Kranken nicht selten zu Depressionen.

Mit der Zeit nehmen die Symptome bei der Alzheimer-Krankheit stetig zu. Der Ort und die Zeit können zunehmend nicht mehr benannt werden (Orientierungsstörung) und bekannte Gesichter werden nicht mehr erkannt. Nach und nach verlieren die Betroffenen ihre Alltagsfähigkeiten wie Waschen oder Anziehen (Apraxie). Der Umgang mit Geld oder Geräten ist dann nicht mehr möglich. Außerdem verarmen die höheren Gedächtnisleistungen wie Lesen und Schreiben, Sprechen und Rechnen.

Im fortgeschrittenen Zustand weitet sich die Alzheimer-Krankheit auf andere Teile des Gehirns aus. Späte Symptome sind Bewegungsstörungen, emotionale Ausbrüche und wahnhaftes Erleben. Im Vordergrund steht hier allerdings die Antriebslosigkeit, da sie in vielen Fällen zur Bettlägerigkeit führt.

Die Alzheimer-Demenz ist eine Ausschluss-Diagnose

Die Veränderungen im Gehirn eines Alzheimer-Kranken sind vorwiegend unter dem Mikroskop sichtbar und zu Lebzeiten nicht festzustellen. Die zur Verfügung stehenden Untersuchungen liefern meist nur Hinweise. Die Diagnose Alzheimer-Demenz wird deshalb in der Regel dadurch gestellt, dass andere Ursachen einer Demenz ausgeschlossen werden.

Die meisten in Frage kommenden Erkrankungen lassen sich im Blut und im Hirnwasser (Liquor) nachweisen. Die Blutgefäße untersucht der Arzt mittels Ultraschall (Sonografie). Darüber hinaus werden mit einer Computertomografie (CT) – einer speziellen Röntgen-Untersuchung – Schichtbilder vom Kopf erstellt und so sichtbare Schäden des Hirngewebes ausgeschlossen. Typisch für alle Demenzen ist das schwindende Hirngewebe (Atrophie), das auf den CT-Bildern zu sehen ist. Kommt die Alzheimer-Demenz in der Familie gehäuft vor, kann eine genetische Untersuchung in Erwägung gezogen werden.

Therapie durch Medikamente

Die medikamentöse Therapie der Alzheimer-Krankheit unterstützt die Botenstoffe des Gedächtnisses. Dazu stehen zwei Gruppen von Wirkstoffen – sogenannte Cholinesterase-Hemmer und Glutamat-Antagonisten – zur Verfügung, die vor allem bei schweren Demenzen kombiniert werden.

Darüber hinaus kann bei depressiven, wahnhaften oder unruhigen Zuständen für kurze Zeit der Einsatz weiterer Medikamente, wie Neuroleptika und Antidepressiva, sinnvoll sein.

Ein vertrautes Umfeld für eine optimale Therapie

Bei der Therapie der Alzheimer-Krankheit ist die Gestaltung der Umgebung besonders wichtig. Dabei geht es darum, für den Alzheimer-Kranken eine vertraute, gefahrenarme Umgebung zu schaffen. Hierbei können Erinnerungsstücke (z.B. Fotos, Musik, Speisen) und die Gestaltung des Wohnraums (z.B. Hinweisschilder, Farben) hilfreich sein. Die Alltagsfähigkeiten sollen in dieser Umgebung gezielt trainiert werden (Verhaltenstherapie).

Die vertraute Umgebung befindet sich in der Regel in der Nähe der Angehörigen. Sie übernehmen häufig selbst die Pflege. Für die Angehörigen bedeutet dies oft eine große Umstellung. Eine umfangreiche Begleitung und Aufklärung von Alzheimerpatienten und ihren Angehörigen ist daher von großer Bedeutung.