Diagnose Alzheimer: wenn Vergesslichkeit zur Krankheit wird

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Das Bild zeigt eine Illustration eines Gehirns, das teilweise aus Puzzleteilen zusammengesetzt ist. Ein Puzzleteil fehlt, und eine Hand hält das fehlende Stück, um es in die Lücke zu setzen. Der Hintergrund ist grau. Alzheimer - Wenn Vergesslichkeit zur Krankheit wird

Egal ob den Geburtstag eines Freundes oder einen Geschäftstermin, jeder Mensch hat schon einmal etwas vergessen. Bleibt es im Alter aber nicht bei einer gelegentlichen Vergesslichkeit und der Verlust geistiger Fähigkeiten schreitet immer weiter voran, sind das deutliche Anzeichen von Alzheimer.
Alleine in Deutschland leiden 1,2 Millionen Menschen an der besonderen Form der Demenz. Alzheimer-Demenz zählt somit zu den Volkskrankheiten.

Natürlich hatte ich Sorge, ob bei mir alles in Ordnung ist. Ich bin Jahrgang 1967, und wie viele andere, die über 50 sind, frage ich mich immer, wenn ich etwas vergessen habe: Ist das jetzt der Anfang vom Ende? Werde ich dement? Zudem habe ich in der Familie mehrere Menschen mit Demenz erlebt, so dass mir die Erkrankung und ihre Folgen sehr deutlich vor Augen sind.

Dr. Eckart von Hirschhausen zu seiner Dokureihe „Hirschhausen und das große Vergessen“

Eine Erkrankung, verschiedene Ursachen

Zunächst muss mit einem Missverständnis aufgeräumt werden. Bei einer Demenz handelt es sich nicht um eine einzige Krankheit. Alle Krankheiten, welche die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen soweit einschränken, dass das tägliche Leben beeinträchtigt wird, etwa durch eine immer wiederkehrende starke Vergesslichkeit, sind eine Form der Demenz.

Die Ursachen der einzelnen Erkrankungen sind zahlreich. Während eine vaskuläre Demenz auf Gefäßverkalkungen und Schlaganfälle zurückzuführen ist, können auch Nervenkrankheiten wie das Parkinsonsyndrom der Auslöser sein.
Die häufigste Form ist jedoch die Alzheimer-Demenz. Sie ist in sieben von zehn Fällen die Ursache zunehmender Vergesslichkeit. Aus bislang noch ungeklärten Gründen werden bei einigen Menschen mit voranschreitendem Alter Neurofibrillen und senile Plaques, beides Eiweißbestandteile, nicht mehr abtransportiert und bilden Ablagerungen. Diese unerwünschten Rückstände schädigen und vernichten langfristig Nervenzellen, wodurch es zu einem Verlust von Neurotransmittern kommt. Diese Botenstoffe sind aber entscheidend für die Signal- und Informationsübertragung im Gehirn. Auch wenn die genauen Ursachen von Alzheimer bis heute nicht geklärt sind, gibt es einige Faktoren, etwa Bluthochdruck, von denen Wissenschaftler überzeugt sind, dass diese die Erkrankung begünstigen.

 

Faktoren die zu einer Alzheimer-Erkrankung führen können

Alzheimer ist ein schleichender Prozess

Unabhängig davon, welche Ursachen für den Ausbruch der Erkrankung verantwortlich sind, zeigen sich zu Beginn zunächst leichte Symptome, die im Laufe der Jahre immer gravierender werden. Dieser schleichende Prozess beginnt mit der Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses und dem damit verbundenen Verlust der Fähigkeit, sich an gerade Erlebtes zu erinnern.
Besonders zu Beginn ist die Alzheimer-Demenz aufgrund weiterer fehlender Anzeichen schlecht von einer Altersvergesslichkeit zu unterscheiden, denn die Schäden im Langzeitgedächtnis machen sich erst nach einigen Jahren bemerkbar. Für viele Betroffene ist das bewusste Erleben der abnehmenden geistigen Leistung ein großer Schock und nicht selten die Grundlage starker Depressionen.

Im Laufe der Jahre nimmt die Anzahl der Symptome immer weiter zu. Es entstehen Orientierungsstörungen und einst bekannte Menschen, sogar die eigene Familie werden nicht mehr erkannt. Hinzu kommt der Verlust weiterer allgemeiner kognitiver und koordinativer Fähigkeiten, etwa Lesen, Schreiben, Sprechen oder die Möglichkeit, sich selbst zu waschen und anzuziehen, die sogenannte Apraxie.
Je mehr Bereiche des Gehirns betroffen sind, desto unselbstständiger werden die Betroffenen, was bis zu einer Bettlägerigkeit führen kann.

Neues Alzheimer-Medikament Lecanemab weckt Hoffnung

2025 wurde ein neues Medikament gegen Alzheimer zugelassen. Lecanemab kann den Erkrankungsverlauf besonders im Frühstadium verlangsamen. Dr. Eckart von Hirschhausen dazu: "Im zweiten Teil der Doku [Hirschhausen und das große Vergessen; Anmerkung der Redaktion ] begleiten wir Klara Winterhoff zur Diagnostik und Behandlung an der Uniklinik in Bonn. Die 67-jährige Kölnerin ist eine Alzheimer-Patientin im Frühstadium. Wir besuchen sie und ihren Mann bei sich zu Hause, begleiten die ganzen Voruntersuchungen und das lange Warten, Bangen und Hoffen auf die Zulassung des neuen Medikamentes Lecanemab. Und wir waren mit der Kamera dabei, als sie die erste Infusion bekam. Mit dem Ansatz, über das hirneigene Immunsystem die bestehenden Eiweißklumpen im Hirn zu bekämpfen, besteht erstmalig die Möglichkeit, eine der Ursachen von Demenz gezielt zu bekämpfen."

Alzheimer ist nicht heilbar, es kann jedoch behandelt werden

Ein Problem der Krankheit ist, dass die durch Ablagerungen entstandenen Veränderungen des Gehirns erst nach dem Ableben des Erkrankten zweifelsfrei festgestellt werden können. Aktuell verfügbare Untersuchungen geben lediglich Hinweise auf den Ursprung der Symptome. Die Diagnose Alzheimer wird deshalb in den meisten Fällen dadurch getroffen, dass während verschiedener Tests, etwa einer körperlichen Kontrolle oder einem speziellen Demenztest, andere Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Sobald die Anzeichen in Richtung Demenz zeigen, werden zeitnah die ersten Behandlungsschritte eingeleitet. Eine Heilung von Alzheimer ist aber auch bei der frühestmöglichen Diagnose aktuell nicht möglich. Dennoch können die auftretenden Beschwerden mithilfe einer Kombination aus medikamentöser- und Nicht-medikamentöser-Therapie gelindert und die Lebensqualität der Betroffenen gesteigert werden.
Bei fast jeder Alzheimer-Therapie kommen zunächst Antidementiva und Antidepressiva zum Einsatz. Antidementiva mit den Wirkstoffen Donepezil, Rivastigmin, Galantamin und Memantine sollen den Abbau der Gedächtnisleistung so lange wie möglich verhindern. Sie haben eine entscheidende Rolle im Therapieplan. Antidepressiva hingegen sollen den Betroffenen dabei helfen, depressive Veränderungen infolge der Erkrankung zu behandeln. Ergänzend zu allen Medikamenten kommen die vollumfänglich anerkannten nicht-medikamentösen Methoden, etwa kognitives Training zum längeren Erhalt der Gedächtnisleistung oder Ergotherapie, um die im Alltag nötigen Bewegungsabläufe zu stärken.

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