Dauerrausch durch Pasta, Brot und Cola: Das Eigenbrauer-Syndrom

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Beschwipst werden, ohne auch nur einen Cent für Alkohol auszugeben? Das klingt praktisch und preiswert! Auf den ersten Blick scheint das ganz witzig zu sein, allerdings bleibt es nicht beim bloßen „angetrunken“ sein. Das Eigenbrauer-Syndrom sorgt nämlich nicht nur für regelmäßige Alkoholvergiftungen bei den Betroffenen, sondern der körpereigene, produzierte Alkohol weitet auch die Blutgefäße, wodurch das Herz mehr Kraft braucht, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Auch die Muskeln bekommen somit zu wenig Blut ab.

Zudem entzieht der Alkohol dem Körper große Mengen an Flüssigkeit. Durch den Alkoholabbau wird die Leber dermaßen in Anspruch genommen, dass sich zunehmend Milchsäure im Körper ansammelt. Zu den übrigen Beschwerden kommen also auch noch starke Muskelschmerzen hinzu. Darüber hinaus ist auch das Gehirn von den Auswirkungen des Eigenbrauer-Syndroms betroffen: Das Gleichgewicht und die Sehkraft lassen nach, wodurch die Verletzungsgefahr steigt.

 

Das Eigenbrauer-Syndrom: Die körpereigene Brauerei

Die behandelnden Ärzte stehen dann vor einem Rätsel: Die anhaltenden Symptome weisen klar auf einen Alkoholmissbrauch hin. Auch die Familie und die Freunde kommen ins Zweifeln. Nach wiederholten, positiven Promilletests schwören die Betroffenen immer noch, keinen Tropfen Alkohol angerührt zu haben. Bis zu einer konkreten Diagnose dauert es in den meisten Fällen viele Jahre.

Oftmals kann erst in einer Extremsituation eine mögliche Ursache festgestellt werden: Infolge einer Alkoholvergiftung werden alle Patienten auf der Intensivstation strengstens überwacht. Der heimliche Konsum von Alkohol ist hier unmöglich, da die aufgenommene Nahrung genau protokolliert wird. Erst dann erkennen die Ärzte dem Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Kohlenhydraten und der körpereigenen Alkoholproduktion.

Woran liegt das? Menschen mit Eigenbrauer-Syndrom leiden unter einer gestörten Darmflora, infolge derer sich die Hefepilze übermäßig vervielfachen und Gärungsprozesse in Gang setzen, bei denen Kohlenhydrate in Ethanol, Butanol und Methanol in rauen Mengen umgewandelt werden. Der eigene Körper wird somit zur Brauerei. Durch die Dünndarmwand gelangt der Alkohol direkt in den Blutkreislauf und sorgt für hohe Alkoholwerte – gar einen Alkoholrausch.

Was mit Verdauungsstörungen anfängt, wird schnell zur Qual. Hefepilze kommen zwar auch bei gesunden Patienten im Darm vor, aber eben in weitaus geringeren Mengen. Wie es möglich ist, dass sich die Menge der Hefepilze dermaßen vergrößert, ist auch von der Wissenschaft noch nicht eindeutig belegt. Eine langfristige Antibiotikabehandlung, die das Gleichgewicht des Dickdarmes stört, oder genetische Veranlagungen gelten als wahrscheinlichsten Faktoren für die Entstehung des Eigenbrauer-Syndroms.

 

Leben mit dem Eigenbrauer-Syndrom

Die Diagnose der Erkrankung ist dagegen recht einfach: So kann ein Gastroenterologe bei einer Stuhlanalyse die Hefepilze nachweisen. Die Krankheit anschließend tatsächlich zu heilen, ist bisher aber noch nicht möglich. Sobald das Eigenbrauer-Syndrom diagnostiziert wurde, kann der Patient den Symptomen nur mit der Einhaltung einer strengen Diät entgegenwirken. Diese empfiehlt eine extreme Low-Carb-Ernährung, bei der die Betroffenen auf Zucker und kohlenhydrathaltige Lebensmittel und Getränke wie beispielsweise Brot, Pasta und Cola verzichten. Somit kann ein erneuter Gärprozess im Darm verhindert werden.

Stattdessen ernähren sie sich hauptsächlich von Proteinen wie Fisch, Fleisch, Gemüse und Nüssen, um den Körper mit Energie zu versorgen. Probiotika und probiotische Lebensmittel ergänzen die Diät und beeinflussen die Darmflora positiv. Zusätzlich zu seiner kohlenhydratarmen Ernährung nimmt der Patient Pilz-Medikamente ein, die die Darm-Mikrobiologie regenerieren und einer erneuten Hefepilzinfektion vorbeugen.

Allerdings leiden die Betroffenen aufgrund ihrer kohlenhydratarmen Ernährung unter starker Erschöpfung. Durch die ständigen Alkoholvergiftungen vor der Diagnose bleiben in den meisten Fällen auch schwerwiegende Leberschäden zurück. Darüber hinaus leiden viele Betroffenen an Depressionen. Die vor der Diagnose getroffenen falschen Anschuldigungen ihres Umfeldes, das Bewusstsein, vom eigenen Körper vergiftet zu werden, und die starken Beschwerden gehen nicht spurlos an ihrer Psyche vorbeigehen.

 

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