Appendizitis – Wissenswertes zur Blinddarmentzündung

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Der Blinddarm hat einen schlechten Ruf. Oftmals wird er als das nutzloseste Organ des menschlichen Körpers bezeichnet. Auch wenn sich dieses Bild in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt hat, ist eine Entzündung dieses Darmbereichs nicht ungefährlich. Im schlimmsten Fall kann sie sogar lebensgefährlich sein.
Dazu kommt, dass eine Appendizitis, so der Fachbegriff der Blinddarmentzündung, in Deutschland keine Seltenheit ist. Mit etwa 80.000 Fällen jährlich zählt sie sogar zu den häufigsten Darmerkrankungen überhaupt.

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Streng genommen ist der umgangssprachlich gebrauchte Begriff Blinddarmentzündung irreführend. Eigentlich handelt es sich bei der als Blinddarmentzündung bekannten Erkrankung um eine Appendizitis, die Entzündung des Wurmfortsatzes, am Ende des Blinddarms.
Obwohl jede Altersgruppe betroffen sein kann, ist die Zahl der bekannten Fälle bei Kindern und Jugendlichen höher als bei anderen.

Ursachen einer Appendizitis

Eine der häufigsten Ursachen, die sich auch bei jeder Altersgruppe feststellen lässt, ist die Verstopfung der einzigen Öffnung des Wurmfortsatzes zum Blinddarm.
Bei einer solchen Blockade können sich Sekrete im Wurmfortsatz stauen und einen Nährboden für Darmbakterien bilden. Diese Bakterien können sich hier unkontrolliert vermehren und dadurch Entzündungen auslösen.

Eine solche Verstopfung entsteht in vielen Fällen durch sogenannte Kotsteine oder ein ungünstiges Umknicken des Appendix im Bauchraum. Bei einigen Menschen tritt die Entzündung aber auch als Begleiterscheinung einer chronischen Darmentzündung, wie etwa Morbus Crohn, auf.

Welche Symptome gibt es?

Die als „typische Symptome“ bekannten Anzeichen, treten zu einem großen Teil erst ab einem Alter von sechs Jahren auf.
Bei den meisten Betroffenen beginnt es mit einem unspezifischen Stechen oder Schmerz im oberen Bereich des Bauches oder des Bauchnabels. In diesem Stadium können die Beschwerden außer mit einer Appendizitis noch mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Sobald das Schmerzzentrum sich vom Ursprungsort in Richtung rechter unterer Bauchbereich bewegt und die Bauchdecke sich dort verspannt, sind das die ersten klaren Anzeichen einer Blinddarmentzündung. Zwei weitere spezifische Symptome sind Schmerzen beim Laufen und sobald das rechte Bein angehoben wird.

Neben den diesen schmerzhaften Indikatoren gibt es aber auch andere Begleiterscheinungen wie

  • Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Darmprobleme

Im Gegensatz zu Erwachsenen und Kindern zeigen sich bei Kleinkindern bis sechs Jahren selten krankheitsspezifische Anzeichen. In diesem Alter können bereits länger anhaltender Durchfall, Erbrechen oder Fieber auf die Erkrankung hindeuten.

Diagnose: Blinddarmentzündung

Selbst wenn viele Entzündungen mit den gängigen Symptomen einhergehen, können die Anzeichen auch für andere Krankheiten stehen. Um zu testen, ob es sich wirklich um eine Appendizitis handeln könnte, führt der Arzt zunächst ein umfassendes Anamnesegespräch durch.
Eine weitere  Diagnosemaßnahme ist die Überprüfung der Bauchdecke nach einem starken Druckschmerz. Hierbei achten Ärzte besonders auf zwei besondere Schmerzpunkte:

  • McBurny-Punkt: Liegt in der Mitte einer gedachten Linie vom Bauchnabel zum rechten Hüftknochen
  • Lanz-Punkt: Wird die Verbindungslinie von rechtem und linkem Hüftknochen in Drittel unterteilt, liegt der Lanz-Punkt zwischen dem rechten und dem mittleren Drittel.

Ein gesunder Mensch verspürt keinen besonderen Schmerz, wenn Druck auf diese Körperstellen ausgewirkt wird. Im Gegensatz dazu verspüren Patienten mit einer Blinddarmentzündung Schmerzen solcher Stärke, dass sie reflexartig zusammenzucken.

Neben diesen spezifischen Untersuchungsmethoden, können auch eine Blutuntersuchung, eine Urinuntersuchung, Ultraschall und CT Aufschluss über den Ursprung der Beschwerden geben.

Die Behandlung einer Blinddarmentzündung

Sobald die Untersuchungsergebnisse die Entzündung bestätigen, wird der Wurmfortsatz meistens innerhalb von zwei Tagen nach der Diagnose operativ entfernt. Dieser kurze Zeitraum ist besonders wichtig, da es bei einer längeren Verzögerung zu einem Blinddarmdurchbruch kommen und dadurch eine Gefahr für das Leben bestehen könnte.
Sollten die Untersuchungsergebnisse ergeben, dass die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten ist und eine starke Entzündung vorliegt, kann zunächst Antibiotika zum Einsatz kommen, bevor ein Eingriff stattfindet.

Für den Eingriff selbst stehen dem Chirurgen zwei Operationsmethoden zur Auswahl. Die offene Operation, der sogenannte Bauchschnitt und eine minimal-invasive Methode, auch Laproskopie genannt. Welche davon im Einzelfall zum Einsatz kommt, entscheidet der Arzt anhand verschiedener Kriterien, aber heutzutage kann die minimalinvasive Technik als Standard angesehen werden.
Beide Eingriffe dauern insgesamt nur etwa 20 Minuten und finden unter Vollnarkose statt.