Zahnimplantate: Schmerzen, Heilung & Komplikationen
Zahnimplantate sind heute Standard in der Versorgung von Zahnlücken. Zwei der häufigsten Fragen in der Zahnarztpraxis dazu sind: Wie schmerzhaft ist das Einsetzen eines Implantats? Und gibt es mögliche Komplikationen?
Aus der praktischen Erfahrung von Dr. Stefan Bernuth (Zahnarzt Würzburg – Zahnarztpraxis Dr. Stefan Bernuth) zeigt sich: Der Eingriff ist in den meisten Fällen gut planbar und für die Patientinnen und Patienten deutlich weniger belastend als oft angenommen.
Zahnimplantat: Schmerzen während des Eingriffs
Viele Patienten und Patientinnen haben Angst in Bezug auf den Eingriff bei einem Zahnimplantat. Tatsächlich bemerken sie währenddessen aber kaum etwas. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung. Der Kieferknochen besitzt keine Schmerzrezeptoren. Während der Behandlung selbst treten keine Schmerzen auf. Patienten und Patientinnen berichten meist lediglich von Druck- oder Vibrationsgefühlen.
Zur zusätzlichen Entspannung bieten viele Praxen die Möglichkeit, über Kopfhörer Musik, Radio oder Podcasts zu hören. Einige Zahnarztpraxen hängen sogar einen Fernseher in das Behandlungszimmer, über den sie währenddessen Filme und Serien sehen können. Bei stärkerer Angst kann der Eingriff auch im Dämmerschlaf oder unter Vollnarkose durchgeführt werden.
Schmerzen nach dem Einsetzen des Zahnimplantats
In der Praxis zeigt sich häufig ein sehr moderater Beschwerdeverlauf. Am Tag der Implantation berichten viele lediglich von einem leichten Spannungsgefühl im behandelten Bereich.
"Ich empfehle meinen Patienten und Patientinnen bereits etwa eine Stunde vor dem Eingriff ein Schmerzmittel wie Ibuprofen einzunehmen. Zusätzlich melde ich mich abends noch einmal bei Ihnen, um nachzufragen, wie es ihnen geht.", so Dr. Bernuth.
Für die ersten zwei bis drei Tage nach dem Eingriff gilt:
- körperliche Schonung
- Kühlen der betroffenen Region
- bei Bedarf Einnahme von maximal ein bis zwei Schmerztabletten in den ersten ein bis zwei Tagen
In der Regel klingen die Beschwerden so schnell ab. Halten Schmerzen länger an oder nehmen sie zu, sollte eine zahnärztliche Abklärung erfolgen.
Heilungsverlauf: Länger anhaltende Schmerzen bei Zahnimplantat
Verheilt die Wunde wie gewünscht, bemerken Sie zwei Wochen nach Einsetzen des Zahnimplantats kaum noch etwas. Auch wenn es jetzt noch einige Wochen dauert, bis das Implantat vollständig eingewachsen ist, sollten Sie keine Beschwerden mehr haben. Länger anhaltende Schmerzen sind bei einem Zahnimplantat die Ausnahme und sollten unbedingt mit Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin geklärt werden. Möglicherweise kam es beim Eingriff oder bei der Einheilung zu Komplikationen. Diese sind sehr selten, sollten aber entsprechend behandelt werden.
Seltene Komplikationen bei einem Zahnimplantat: Wie hoch ist das Risiko?
Zahnimplantate gelten als sehr sichere Behandlungsmethode mit hohen Erfolgsraten. Langzeitstudien zeigen, dass auch nach zehn Jahren 90 - 95 % der Zahnimplantate noch stabil und voll funktionsfähig sind. Alle der unten genannten Komplikationen kommen sehr selten vor. Dennoch sollten Sie diese kennen, um entsprechend zu reagieren.
Entzündung des Implantatbetts
Entzündet sich das Gewebe rund um das Zahnimplantat kann es zu Schmerzen oder Zahnfleischbluten kommen. Auslöser sind Bakterien, die während des Eingriffs oder danach in die Wunde eindringen, zum Beispiel bei einer nicht vollständig ausgeheilten Parodontitis.
Diese Entzündungen kommen nur sehr selten vor. Eine desinfizierende Wundspülung und gegebenenfalls eine Antibiotika-Therapie können sie in der Regel eindämmen.
Nervenverletzungen
Dank moderner 3D-Röntgendiagnostik (DVT) kommt es kaum noch zu Nervenverletzungen bei einem Zahnimplantat. Anzeichen dafür sind Schmerzen, die in andere Gesichtsbereiche ausstrahlen oder Taubheitsgefühle sowie Kribbeln oder Sensibilitätsstörungen. Diese Reizung oder Schädigung der Nerven kann nur durch das Entfernen des Implantats behoben werden. Sie kommt häufiger im Unterkiefer, insgesamt aber nur sehr selten vor.
Infektion oder Verletzung der Kiefernhöhle
Druckgefühl im Oberkiefer, in der Wange oder in der Augenhöhle sowie Schmerzen beim Kauen und Zubeißen können durch Probleme in der Kiefernhöhle verursacht werden. Diese liegt direkt über den Backenzähnen. Ragt das Implantat in seltenen Fällen zu weit dort hinein oder dringen während des Eingriffs Fremdkörper ein, kann es zu Entzündungen und Verletzungen kommen. Diese können sich auch auf die Nasennebenhöhlen ausbreiten und etwa eine verstopfte Nase, Nasensekret oder einen unangenehmen Geschmack im Mund auslösen.
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Antibiotika bekämpfen etwa eine Infektion. Abschwellende Nasensprays können die Schleimhäute beruhigen. Zusätzlich kann unter Umständen eine Spülung der Kiefernhöhle helfen. Die Behandlung kann vom Zahnarzt oder von der Zahnärztin, manchmal aber auch vom HNO-Arzt oder von einer HNO-Ärztin durchgeführt werden. Eine Entfernung oder Korrektur des Implantats ist nur in Ausnahmefällen nötig.
Verletzung eines benachbarten Zahns
Bemerken Sie Beschwerden an einem Zahn direkt neben dem Implantat, könnte dieser durch den Eingriff verletzt worden sein. Typische Anzeichen dafür sind, Schmerzen oder Druckgefühl, Kälte- und Wärmeempfindlichkeit sowie Verfärbung eines einzelnen Zahnes. Eine umfassende Planung vor dem Eingriff und der Einsatz digitaler Hilfsmittel wie 3D-Röntgendiagnostik (DVT) reduziert das Risiko solcher Verletzungen heute deutlich.
Sitz das Implantat in Ausnahmefällen dennoch zu nahe am Nachbarzahn oder wird beim Eingriff die Zahnwurzel verletzt, sind unterschiedliche Maßnahmen denkbar. Eine gereizte Wurzel heilt etwa oft von selbst ab. In manchen Fällen kann auch eine Wurzelbehandlung, eine Wurzelspitzenrestriktion oder eine Korrektur des Implantats nötig sein.
Implantat wächst nicht ein
Insgesamt kommt es sehr selten vor, dass ein Implantat nicht ausreichend mit dem Knochen verwächst. Wächst das Implantat nicht richtig ein, bemerkt das der Zahnarzt oder die Zahnärztin bei den Nachsorgeterminen. Schmerzen sind dabei nur sehr selten. Stattdessen berichten Patienten und Patientinnen unspezifische Beschwerden wie Druckgefühl im Implantatbereich oder das Gefühl eines „losen“ Zahnes.
Durch eine gute Vorbereitung kommen Komplikationen beim Verwachsen mit dem Knochen sehr selten vor. Die Knochenstruktur wird vor dem Eingriff umfassend geprüft und falls nötig durch Knochenaufbau verbessert. Zudem werden Patienten und Patientinnen umfassend über die nötigen Maßnahmen in der Einheilphase aufgeklärt. Dazu gehört etwa, das Zahnimplantat nicht zu stark zu belasten und möglichst nicht zu rauchen. Wächst das Implantat in seltenen Fällen nicht richtig fest, muss es entfernt werden.
Komplikationen nach Fertigstellung oder Schmerzen am Zahnimplantat nach Jahren
Ist die Implantatbehandlung abgeschlossen, fügt es sich völlig unbemerkt in Ihre Zahnreihe ein. Schmerzen oder andere Beschwerden treten dann in der Regel nicht mehr auf. Neuere Studien zeigen, dass Implantate bis zu 40 Jahre halten können. Ähnlich wie die natürlichen Zähne können sie in dieser Zeit allerdings auch Erkrankungen oder andere Probleme entwickeln, die vom Zahnarzt oder der Zahnärztin behandelt werden müssen. Auch schon länger gesetzte Zahnimplantate können dann Schmerzen und andere Beschwerden verursachen.
Mögliche Warnzeichen Jahre nach einer Implantation sind:
- neue Schmerzen oder Druckgefühl
- Schmerzen beim Kauen
- Zahnfleischbluten, Rötung oder Schwellung am Implantat
- Mundgeruch, schlechter Geschmack oder Eiteraustritt
- freiliegende Implantatanteile durch Zahnfleischrückgang
- das Gefühl, dass die Krone „arbeitet“, sich der Biss verändert oder etwas locker ist
- wiederkehrendes Speisereste-Einklemmen zwischen Implantat und Nachbarzahn.
Mögliche Spätkomplikationen bei Zahnimplantaten
Entzündungen
Zahnfleischentzündungen können auch rund um Implantate auftreten. Sie werden durch bakterielle Beläge ausgelöst und sollten möglichst umfassend entfernt werden. Dabei unterstützt eine gründliche Mundhygiene, eine professionelle Zahnreinigung oder auch eine Parodontitis-Behandlung.
Betrifft die Entzündung auch den Knochen, sprechen wir von einer Periimplantitis. Sie ist die häufigste Ursache für einen Implantatverlust und sollte deshalb schnellstmöglich behandelt werden. Auch hier ist zunächst eine mechanische Reinigung der Zahnfleischtaschen und des Implantats nötig. Zusätzlich kann eine Antibiotika-Therapie hilfreich sein. Im zweiten Schritt wird das Gewebe rund um das Implantat geöffnet, um die Bakterien um den Knochen großflächig zu entfernen.
Fehlbelastung und Bruxismus
Ob Zähneknirschen, ein ungünstiger Biss oder ein nicht perfekt eingepasstes Implantat, wird das Zahnimplantat zu sehr belastet, kann das mit der Zeit Beschwerden verursachen. Neben Schmerzen im Kiefergelenk oder Wärme- bzw. Kälteempfindlichkeit sind auch mechanische Komplikationen am Implantat möglich.
Mechanische Komplikationen
Lockere oder abgebrochene Schrauben sowie Risse im Implantat oder an der Krone kommen eher selten vor. Sie können meist gut vom Zahnarzt oder der Zahnärztin behoben werden. Ist eine Fehlbelastung die Ursache, sollte diese zusätzlich behandelt werden, um weitere Komplikationen zu verhindern.
Häufige Fragen
Sind Zahnimplantate schmerzhaft?
Zahnimplantate selbst sind nicht schmerzhaft. Auch das Einsetzen des Implantats läuft komplett schmerzfrei ab. Lediglich die ersten zwei bis drei Tage in der Einheilphase direkt nach dem Eingriff berichten Patienten und Patientinnen von Schmerzen und Schwellungen. Diese sind gut mit Schmerzmitteln und Kühlen der Stelle behandelbar.
Wie lange hat man Schmerzen nach einem Zahnimplantat?
In den ersten drei Tagen nach dem Eingriff sind moderate Schmerzen möglich. Deshalb sollten Sie sich in dieser Zeit schonen. Danach lassen sie merklich nach. Spätestens zwei Wochen nach dem Einsetzen des Implantats sollten Sie keine Beschwerden mehr haben. In den ersten drei Tagen nach dem Eingriff sind die Beschwerden am stärksten.
Wann sind Schmerzen nach einem Implantat ein Warnzeichen?
Ein Warnzeichen sind zunehmende statt abnehmende Schmerzen, deutliche Schwellung, Eiter, Fieber, Blutung, unangenehmer Geschmack oder das Gefühl, dass das Implantat locker ist. Solche Beschwerden sind selten, sprechen aber gegen einen normalen Heilungsverlauf und sollten zeitnah abgeklärt werden.
Was kann bei Zahnimplantaten schiefgehen?
Wie jeder Eingriff ist auch das Einsetzen eines Zahnimplantats mit Risiken verbunden. Komplikationen kommen allerdings selten vor. Möglich ist etwa, dass das Implantat nicht vollständig einwächst, das Nerven oder ein Nachbarzahn verletzt werden oder das sich der Bereich entzündet. Durch eine ausführliche digitale Implantatplanung können viele der Risiken deutlich minimiert werden.
Kann ein Zahnimplantat auch nach Jahren noch Schmerzen machen?
Schmerzen nach der Heilungsphase sind nicht die Regel. Sie deuten auf eine Erkrankung oder ein mechanisches Problem hin. Gründe können zum Beispiel eine Entzündung oder auch lockere Schrauben sein. Sollten Sie Schmerzen an Ihrem Zahnimplantat haben, wenden Sie sich am besten direkt an Ihren Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin