Das Modell eines Zahnimplantats (Schraube und Krone) steht auf einem grauen, glatten Untergrund. Im Hintergrund verschiedene Zahnmodelle.
Dr. med. dent. Cathrin Hahn Ferreira

Dr. med. dent. Cathrin Hahn Ferreira

Zahnärztin, Implantologie

führt seit 2022 ihre eigene Praxis in Saarbrücken mit angeschlossenem Dentallabor. Dort legt sie gemeinsam mit Ihrer Praxispartnerin Zahnärztin Dashne Radha großen Wert auf eine fortschrittliche Zahnmedizin mit ansprechender Ästhetik und moderne Implantologieverfahren. Ihren Master of Science Orale Chirurgie / Implantologie hat sie 2016 an der Danube Private University Krems erhalten.

Wann ist ein Zahnimplantat möglich, und wann nicht? | © Oleh - stock.adobe.com

Voraussetzungen für Implantate: Wann kann ein Zahnimplantat eingesetzt werden?

Bei einem Zahnverlust wird Ihr Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin mit Ihnen vor allem über Zahnimplantate als mögliche Behandlung sprechen. Denn diese sind heute in den meisten Fällen die bestmögliche Versorgungsform. Ob Funktion, Langlebigkeit oder Ästhetik, Implantate können viele Patientenwünsche erfüllen. 

Doch sind Zahnimplantate bei jedem Patienten und jeder Patientin möglich? Wie sieht es zum Beispiel bei älteren Menschen oder Rauchern und Raucherinnen aus? Zahnärztin Dr. Hahn-Ferreira klärt auf, wann ein Zahnimplantat eingesetzt werden kann und wann nicht. 

Zahnimplantate und Rauchen 

Auch bei Rauchern und Raucherinnen können Zahnimplantate eingesetzt werden. Allerdings halten diese statistisch gesehen deutlich kürzer. Denn das Nikotin erschwert nicht nur die Einheilphase, sondern begünstigt auch Biofilme rund um das Implantat, was auch lange nach der Behandlung zu Entzündungen führen kann. 

Im Idealfall verzichten Sie vier Wochen vor und vier Wochen nach der Behandlung komplett auf das Rauchen. Ist das nicht möglich, sollten Sie die Menge an Zigaretten deutlich einschränken. Das gilt  auch für E-Zigaretten und Cannabis-Vaporizer. Hierbei können auch Nikotin-Ersatz Produkte (Pflaster, Kaugummi) helfen. 

Der Zahnarzt oder die Zahnärztin kann zusätzliche unterstützen. Engmaschige Kontrolle alle drei bis vier Monate, sowie regelmäßige Zahnreinigungen können die Lebensdauer eines Zahnimplantats bei Rauchern und Raucherinnen deutlich erhöhen. 

Fazit: Zahnimplantate bei Rauchern und Raucherinnen sind möglich, aber mit deutlich erhöhtem Risiko für Misserfolg und Peri-implantitis. Je mehr Zigaretten, desto schlechter die Prognose; konsequente Rauchpause (prä-/postoperativ) und engmaschige Nachsorge sind entscheidend.

Zahnimplantate und Diabetes mellitus 

Diabetes ist nicht unbedingt ein Hinderungsgrund für ein Zahnimplantat. Die HbA1c sollten vor dem  Eingriff aber gut eingestellt sein und bei mindestens 8 % liegen. Andernfalls könnte die Wundheilung verzögert werden. Insbesondere im Oberkiefer kann es außerdem zu einer längeren Einheilzeit kommen. Bei der Planung sollten zudem die höhere Insulinsensitivität am Vormittag sowie das  Vermeiden einer stressbedingten Hyperglykämie beachtet werden.  

Fazit: Zahnimplantate bei Diabetes sind möglich, sofern die Erkrankung gut eingestellt ist.

Zahnimplantate und Osteoporose / Knochenerkrankungen

Einige Medikamente (Bisphosphonate / Denosumab) die bei Osteoporose und onkologischen  Knochenerkrankungen eingesetzt werden, hemmen das Knochenwachstum. Das kann zu einer längeren Einheilzeit des Zahnimplantats oder sogar zu einem Knochenschwund führen. Untersuchungen zeigen, dass durch die Medikamente das Verlustrisiko direkt nach der Behandlung ansteigt. Die Lebensdauer ist allerdings nicht beeinträchtigt.

Die S3-Leitlinie empfiehlt deshalb, sich nach dem individuellen Patientenrisiko zu richten. Dabei  spielen Faktoren, wie die Dauer der Medikamenteneinnahme, andere Risikofaktoren (Rauchen,  Diabetes, Mundhygiene) sowie Kaufunktion und Lebensqualität eine Rolle.  

Unter Umständen ist es auch möglich, die medikamentöse Therapie einige Monate vor und nach der  Behandlung auszusetzen. Dies sollte aber nur in enger Absprache mit dem behandelnden Facharzt  bzw. der behandelnden Fachärztin und bei geringem Frakturrisiko erfolgen. 

Fazit: Zahnimplantate sind bei Knochenerkrankungen (Osteoporose, Knochentumoren,  Knochenmetastasen) nicht immer möglich.  

Zahnimplantate nach Strahlentherapie  

Wenn Sie im Kopf oder Nackenbereich bestrahlt wurden, etwa im Rahmen einer Krebstherapie, heilt der Kieferknochen schlechter. Untersuchungen zeigen, dass schon ab etwa 50 Gray (Gy) Gesamtdosis sowohl das Risiko, dass ein Implantat nicht einwächst, als auch die Gefahr einer seltenen, aber ernsten Knochenschädigung (Osteoradionekrose) steigt. Wurde dieser Wert überschritten, sollte  deshalb mindestens ein Jahr mit dem Einsetzen eines Zahnimplantats gewartet werden. Danach, aber  auch bei geringerer Strahlendosis sind zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zu empfehlen. Dazu gehören  eine besonders präzise Planung, im Idealfall mit 3D Röntgen und / oder 3D-Modellen sowie ein sorgfältiger Wundverschluss. 

Fazit: Zahnimplantate sind auch nach einer Strahlentherapie mit Vorsicht möglich. Diese sollten dann interdisziplinär gesetzt werden, ggf. in einer Klinik.

Zahnimplantate bei Immunsuppression 

Die dauerhafte Einnahme von Immunsuppressiva, etwa nach einer Organtransplantation oder bei  einer Autoimmunerkrankung, hat laut Untersuchungen keinen direkten Einfluss auf den Erfolg oder die Haltbarkeit von Zahnimplantaten. Allerdings ist das Infektrisiko nach dem Eingriff erhöht, weshalb  je nach individueller Situation ein Breitband-Antibiotikum eingenommen werden sollte. Nach der  Behandlung sind außerdem eine gründliche Mundhygiene sowie engmaschige Kontrollen beim Zahnarzt oder der Zahnärztin empfehlenswert. 

Fazit: Zahnimplantate können bei Immunsuppression eingesetzt werden. Aber die Evidenz ist begrenzt und Infektions-/Heilungsrisiko erhöht. Die Planung ist nur interdisziplinär, perioperative Antibiose und mit engem Recall möglich. 

Zahnimplantate und Parodontitis / Mundhygiene

Die Bakterien, die bei einer Parodontitis zu einer  Entzündung des Zahnfleisches führen, können auch das Einwachsen eines Zahnimplantats bremsen oder verhindern. Deshalb sollte vor dem Einsetzen zunächst die Parodontitis-Behandlung komplett abgeschlossen und die Entzündung stabilisiert sein. Zusätzlich ist die Nachsorge bei Parodontitis und  Zahnimplantaten besonders wichtig, damit sich keine neuen Beläge bilden können. 

Fazit: Zahnimplantate sind auch bei einer Parodontitis möglich, sobald die Behandlung dieser abgeschlossen ist.  

Zahnimplantate im höheren Lebensalter

Viele Patienten und Patientinnen gehen davon aus, dass sich Zahnimplantate im höheren Lebensalter nicht mehr „lohnen“. Dabei können diese die Zahnpflege und auch die Pflege durch Dritte deutlich erleichtern. Entscheidend ist deshalb nicht das Lebensalter, sondern der Gesundheitszustand. Denn es gibt keine Anzeichen, dass alleine das Lebensalter über den Implantatverlust oder die allgemeine Haltbarkeit entscheidet. 

Fazit: Auch bei Patienten und Patientinnen über 75 Jahren ist ein Zahnimplantat möglich.  

Knochenangebot und -qualität bei Zahnimplantaten 

Zahnimplantate werden direkt in den Kieferknochen gesetzt und wachsen dort fest. Dafür muss allerdings ausreichend Knochensubstanz und -dichte vorhanden sein. Bei einigen Patienten und Patientinnen ist das nicht der Fall. Gerade wenn die Zahnlücke schon länger besteht, kann sich durch den fehlenden Kaudruck Knochen zurückbilden. Weitere Ursachen sind zum Beispiel fortgeschrittene Parodontitis, Verletzungen oder Fehbildungen wie eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. 

Der Zahnarzt oder die Zahnärztin sollte deshalb mithilfe eines Digitalen Volumentomogramm (DVT)  den Kieferknochen genau vermessen. Ist nicht ausreichend Substanz vorhanden, ist je nach  individueller Situation ein Knochenaufbau oder ein kleineres Zahnimplantat möglich. 

Fazit: Sollte nicht ausreichend Knochen für ein Zahnimplantat vorhanden sein, ist unter Umständen  ein Knochenaufbau und / oder eine genauere Planung nötig.

Allgemeine Gesundheitsvoraussetzungen für Zahnimplantate 

Ähnlich wie bei jedem Eingriff ist auch bei einem Zahnimplantat ein guter Gesundheitszustand wichtig. Das betrifft nicht nur die Mundhygiene oder Entzündungen im Mundraum. Chronische  Erkrankungen sollten vor der Behandlung gut eingestellt, akute Infekte auskuriert sein. Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein, sollte Ihr Zahnarzt bzw. Ihre Zahnärztin davon wissen, um es  gegebenenfalls berücksichtigen zu können. 

Fazit: Chronische Erkrankungen und Medikamenteneinnahme sind kein Hindernis für  Zahnimplantate, sollten aber besprochen und eventuell eingeplant werden. 

Zusammenfassung: Ist ein Zahnimplantat bei jedem möglich? 

Es gibt nur wenige Patienten und Patientinnen, bei denen Zahnimplantate nicht eingesetzt werden können. Manchmal sind allerdings Vorbehandlungen, enge Absprachen mit Fachärzten und  Fachärztinnen oder eine genauere Planung nötig. Hier gilt es individuelle abzuwägen, ob der Nutzen des Zahnimplantats die Anforderungen übersteigt. Am Ende entscheiden Sie als Patient bzw. Patientin, gemeinsam mit Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin, ob ein Zahnimplantat der richtige Weg für Sie ist.

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