Soja, Hafer, Mandel – was kann pflanzlicher Milchersatz?

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Die Beweggründe, anstelle der Kuhmilch lieber zu einer pflanzlichen Alternative zu greifen, sind vielfältig: vegane Ernährung, Allergien, Intoleranzen oder eine Frage des Geschmacks. ÄRZTE.DE hat die verschiedenen Möglichkeiten verglichen.

Was gilt als pflanzlicher Milchersatz?

Pflanzlicher Milchersatz besteht aus einer Pflanze und Wasser, wobei Letzteres fast den gesamten Anteil ausmacht. Verwendet werden etwa Getreide wie Reis oder Hafer sowie Mandeln und Soja. Diese „industrielle Milch“ erfordert mehr Verarbeitungsschritte als tierische Milch. Alternative Milchgetränke aus Hafer oder Reis werden mit Enzymen produziert und vergärt. So erhalten sie eine leichte Süße. Öle, aus Raps oder Sonnenblumen verleihen ihnen eine cremige Konsistenz.

Kuhmilch

Reisdrinks / Haferdrinks

  • Fettgehalt weit unter dem der Milch
  • Eiweißgehalt verschwindend gering
  • Fast kein Kalzium
  • Weil sie fermentiert sind, haben Getreidedrinks höheren Zuckeranteil

Sojadrinks

  • 1/3 weniger Fett als Vollmilch
  • Gleich viel Eiweiß
  • Etwas weniger Kalzium
  • Zucker ist abhängig von gesüßt / ungesüßt

Mandeldrinks

  • Besteht aus Wasser und feingeriebenen Mandeln (2 – 10 % )
  • 1,1 g ungesättigte Fettsäuren
  • Sehr wenig Eiweiß
  • Kaum Kalzium
  • Bei gesüßten etwa 3 g Zucker

Fazit des Vergleichs

Ob Pflanzendrinks gesünder sind als Kuhmilch, lässt sich nicht einfach festlegen. Die Ernährungswissenschaft nimmt immer mehr Abstand von der Einteilung in gesunde oder ungesunde Lebensmittel und betont stattdessen die Zusammenhänge der gesamten Ernährungsweise. Trotzdem lässt ein Vergleich Aussagen über einzelne Komponenten der beiden Getränkearten zu.

Pflanzlicher Milchersatz enthält vor allem ungesättigte Fettsäuren und grundsätzlich weniger Fett als Kuhmilch. Das wichtige Kalzium oder Eiweiß kommt dafür aber sehr viel weniger vor. In viele Produkte der industriellen Pflanzenmilch wird zudem Zucker zugefügt. Der Energiegehalt von Pflanzendrinks und tierischer Milch ist in etwa gleichhoch.

Inhaltsstoffe, Zusatzstoffe, Schadstoffe – das ist drin

Getreide wie Hafer oder auch Soja enthalten einige nützliche Nährstoffe, die aber durch die Verarbeitung zu Drinks größtenteils verloren gehen. Hersteller versuchen, das durch den Zusatz von Kalzium und Vitaminen auszugleichen. Ebenfalls zugegeben werden Zusatzstoffe wie Süßungs-, Verdickungs- und Konservierungsmittel, nebst Aromen und Stabilisatoren.

Inwiefern pflanzlicher Milchersatz mit Schadstoffen belastet ist, hat Ökotest anhand von 18 Sorten getestet. Demnach enthielten einige Produkte Glyphosat, giftige Schwermetalle oder im Fall von Sojadrinks sogar gentechnisch veränderte Organismen. Diese Sojaprodukte wiesen die höchste Schadstoffbelastung auf, denn es konnten außerdem Keime und ein zu hoher Nickel- und Chloratgehalt nachgewiesen werden. Anders als von vielen Verbrauchern angenommen, schützt das Biosiegel nicht vor Schadstoffbelastungen. Da Sojadrinks auch Isoflavone, pflanzliche Hormone, enthalten können, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung davon ab, Säuglingen und Kleinkindern Sojamilch zu füttern.

Am besten abschneiden konnte Bio-Milchersatz aus Hafer. Dieser wurde nicht nur regional angebaut, er war auch frei von Gentechnik, Glyphosat und Schwermetallen.  

Pflanzlicher Milchersatz und die Öko-Bilanz

Unsere Einstellung zum CO2-Verbrauch muss sich ändern – das ist klar. Der Konsum von Pflanzendrinks könnte ein guter Anfang sein, da diese lediglich ein Drittel der Treibhausgase produzieren. Einige Pflanzendrinks weisen einen geringeren Landverbrauch auf, allerdings werden für Soja in Südamerika riesige Flächen Regenwald abgeholzt. Ob damit also etwas gewonnen wäre, muss jeder Verbraucher selbst einschätzen. Soja und Hafer verbrauchen weniger Wasser als tierische Milch, wobei allein die Mandeldrinks aus kalifornischen Mandeln diese Rechnung wieder wett machen und mit langen Transportwegen noch eins oben drauf legen.

Milch oder Drink – der Streit um einen Namen

Die höchsten Richter der EU haben entschieden: Pflanzlicher Milchersatz darf nicht „Milch“ heißen. Milch(-produkte) müssen Milch aus „normaler Eutersekretion“ enthalten. Also auch Butter, Molke oder Joghurt. Die meisten Anbieter befolgen das längst und verkaufen ihre Produkte als Drink oder eben einfach nur Tofu.