Schönheits-OPs und Psyche – der Wunsch nach einem makellosen Äußeren

Schoenheits op psychensgdnm

Der Wunsch, schön zu sein, ist nicht neu und auch nicht die Schönheitschirurgie. Vor über 400 Jahren verfasste ein italienischer Arzt das erste bekannte Werk über eine Schönheitsoperation. Sogar zu Cleopatras Zeiten soll es in Ägypten und auch in Indien erste Anzeichen für Eingriffe allein für ein besseres Aussehen gegeben haben. Doch was bewegt die Menschen eigentlich dazu, ihr Äußeres zu verändern?

Schönheits-OPs und die Psyche sind untrennbar miteinander verbunden. Und sie scheinen immer wichtiger zu werden. Laut Statista gab es weltweit allein 2018 23,3 Millionen Schönheitsoperationen, das sind 66 Prozent mehr als noch 2010. Besonders Frauen zwischen 18 und 30 Jahren entscheiden sich für eine dauerhafte Veränderung ihres Körpers. Nach welchen Kriterien sie sich dabei richten, entscheidet die Gesellschaft und die Zeit, in der wir leben. 

Schönheit – nur in unserem Kopf

Betrachtet man die Schönheitsideale im Laufe der Geschichte, so liefert der Barock wohl den größten Kontrast zur heutigen Zeit. Üppige Leiber und hoch aufgetürmte Perücken waren dort ein Zeichen von Wohlstand und Schönheit. Aber auch unser heutiges Ideal: Schlank, groß und knabenhaft war immer wieder en vogue. Wie wir entscheiden, welches Aussehen unser Körper haben sollte, ist dabei gar nicht so einfach zu erklären.

Denn mit der Gesundheit scheint es nur wenig zu tun zu haben, zumindest in den Extremen. Magersucht, Diäten sowie Trainingsprogramme und quälende Körperformer gab es schon vor tausend Jahren. Gut für ein langes Leben sind sie allerdings nicht. Auch die Theorie, dass wir attraktiv finden, was sich besonders erfolgreich vermehren kann, scheint nur teilweise zu stimmen. So ist ein breites Becken zwar wichtig für die Geburt, schön finden wir es aber noch lange nicht.

Vielmehr scheint unser Umfeld die gängigen Schönheitsideale stark zu beeinflussen. Das kann in der Kindheit unbewusst passieren, etwa wenn Jungen kein rosa und keine Röcke tragen. Später werden dann auch Medien immer wichtiger. Ab der Teenagerzeit werden wir etwa bewusst von der Modeindustrie beeinflusst und folgen immer neuen Trends. Schönheit ist also relativ. Doch warum entscheiden sich Menschen trotzdem für Schönheits-OPs?

Schönheits-OPs – wichtig oder unnötiges Risiko?

Eine Operation ist immer auch ein Risiko. In manchen Fällen ist dieses statistisch gesehen sehr gering, in anderen kommt es vielleicht häufiger zu Komplikationen. Bei lebenswichtigen Behandlungen würde das vermutlich niemand hinterfragen. Allein für die Schönheit möchten viele Menschen dieses Risiko aber nicht eingehen, oder?

Ganz so einfach beantworten, wie Sie jetzt vielleicht denken, lässt sich diese Frage nicht. Denn es gibt viele Facetten von Schönheitsoperationen. Unfallopfer können durch die Chirurgie etwa wieder Lebensqualität dazugewinnen. Auch angeborene Fehlbildungen werden häufig durch Schönheitschirurgen korrigiert. Medizinisch gesehen ist dies in vielen Fällen nicht notwendig, dennoch würden die meisten eine solche Operation nicht hinterfragen. Auch bei Erkrankungen wie dem Lipödem, einer Fettverteilungsstörung, oder bei Rückenproblemen durch zu große Brüste können Schönheitschirurgen eingreifen. Der Gewinn an Lebensqualität wiegt für viele der Patienten das sehr geringe Risiko auf.

Wann Sie für sich persönlich die Grenze zu unnötig ziehen, ist sehr individuell. Denn auch Leid empfinden wir als unterschiedlich schlimm. Eine Mutter, die nach der Geburt in ihrem neuen Körper sehr unglücklich ist, ist schwer mit der überglücklichen Nachbarin zu vergleichen, die den neuen Lebensabschnitt genießt. Fettabsaugen, Brustvergrößerungen, Nasenkorrekturen und vieles mehr können deshalb nicht einfach als unnütz abgeschrieben werden. In manchen Fällen haben sie großen Einfluss auf die Psyche und damit auch auf das Lebensglück.

Schönheits-OPs machen zufriedener

Auch wenn es manchmal so wirkt, kaum jemand entscheidet sich leichtfertig für eine Schönheits-OP. Im Idealfall gehen der Behandlung eine umfassende Beratung voraus, in der sich der Arzt auch den Erwartungen und den Gründen der Patienten widmet. Dabei ist auch klar, dass eine Operation keinen beruflichen Erfolg oder mehr Glück im Leben verspricht. Sie kann aber durchaus einen positiven Effekt auf das Selbstbewusstsein und damit auch auf andere Bereiche des Lebens haben.

Langfristig scheint sie Patienten zudem glücklicher und zufriedener zu machen. Zumindest haben das Psychologen der Universität Basel und Bochum bei einer Studie mit 550 Patienten herausgefunden. Auch nach einem Jahr freuten sich diese über das Ergebnis und gaben an, ihre gewünschten Ziele erreicht zu haben. Die beiden Vergleichsgruppen, die sich gegen eine OP entschieden hatten oder gar keine anstrebten, wirkten insgesamt unzufriedener. Die Schönheitschirurgie scheint also weit besser als ihr Ruf zu sein.

Dennoch raten Experten zur Vorsicht. Unrealistische Erwartungen kann auch kein neues Äußeres erfüllen. In manchen Fällen sei deshalb eine Therapie ratsamer als eine Schönheitsoperation. Zudem sollten vermeintlich hässliche Äußerlichkeiten niemals den Alltag beeinträchtigen. Wer wegen eines Schönheitsmakels Verabredungen absagt oder vom eigenen Spiegelbild abgelenkt nicht mehr konzentriert fahren kann, der sollte sich Hilfe holen.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: