Psychose: wenn die Realität verzerrt ist

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Psychische Erkrankungen haben in letzten Jahrzehnten weltweit besonders in Industrienationen stark zugenommen. In Deutschland, das zeigt eine Studie des Robert-Koch-Instituts, leidet jeder vierte Mann und jede dritte Frau innerhalb eines Jahres zumindest eine Zeit lang an einer psychischen Störung. Eine für Betroffene und deren Angehörige oft beängstigende Erkrankung ist die realitätsverzerrende Psychose. Allein hierzulande sind bis zu 1,6 Millionen Menschen davon betroffen. Doch je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen. Wir geben Ihnen einen Überblick:

Was ist eine Psychose?

Der Begriff Psychose steht für eine Reihe psychischer Störungen, bei der die erkrankten Personen ihre Realität und damit ihre gesamte Umwelt anders wahrnimmt als zuvor.
Ebenso vielfältig wie die verschiedenen Krankheitsbilder sind die Beschwerden, die im Rahmen einer Psychose auftreten können. Die Hauptmerkmale sind jedoch stets die Beeinträchtigung des Denkens, des Fühlens, der Empfindung des eigenen Körpers oder der zwischenmenschlichen Kontakte.

Zusätzlich zur gestörten Wahrnehmung kann es zu einer teilweise gravierenden Veränderung der Persönlichkeit kommen. Besonders problematisch ist, dass Betroffene diesen Zustand nicht selbst erkennen, sondern aufgrund ihrer Krankheit davon ausgehen, dass sich ihre Umwelt verändert.

Wie entsteht eine Psychose?

Welche Ursachen für die verzerrte Realität verantwortlich hängt davon ab, ob es sich um eine primäre Psychose oder eine sekundäre Psychose handelt. Die Auslöser sind jedoch nicht in jedem Fall eindeutig festzustellen.

Primäre Psychose

Zu den primären Ausprägungen zählen alle Krankheitsformen, bei denen es zwar Vermutungen gibt, wodurch sie entstehen, diese Annahmen aber noch nicht endgültig geklärt sind. Schizophrenie ist die weltweit häufigste und bekannteste Form.
Wie genau sie entstehen, ist bis heute wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Untersuchungsergebnisse legen jedoch nahe, dass der Botenstoffwechsel im Gehirn und damit die Versorgung mit Dopamin oder Serotonin fehlerhaft ist.

Auch wenn die genauen Ursachen noch erforscht werden, gibt es schon erste gesicherte Erkenntnisse. Zum einen, dass manche Menschen anfälliger sind als andere, zum anderen, dass oft mehrere Fälle innerhalb einer Familie auftreten. Trotzdem gibt es keine Hinweise darauf, dass es sich bei einer Psychose um eine Erbkrankheit handelt. Da die Ursachenforschung noch nicht abgeschlossen ist, vermuten Experten, dass mehrere biologische und psychosoziale Faktoren zum Ausbruch beitragen.

Sekundäre Psychose

Bei sekundären Psychosen ist immer ein äußerer Einfluss feststellbar. Sie können zum Beispiel durch Erkrankungen oder Schädigungen des Gehirns, etwa im Zuge einer Demenz, neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose oder organische Stoffwechselprobleme in Niere oder Leber entstehen.
Auch Medikamente oder psychoaktive Drogen wie LSD können der Trigger für eine Erkrankung sein.

Verzerrung der Realität als typisches Symptom

Wie bei jeder psychischen Krankheit sind die genauen Symptome so individuell wie die einzelnen Betroffenen. Dennoch lassen sich bei jeder Psychose häufig wiederkehrende Elemente feststellen:

  • Wahnvorstellungen

Ein „klassisches“ Kennzeichen der Psychose ist die verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Kranke Personen sind in den meisten Fällen absolut überzeugt von ihren eigenen Eindrücken und lassen sich auch von engen Freunden oder Familienmitgliedern nicht davon abbringen.

 

  • Halluzinationen

Betroffene nehmen unterschiedliche Sinneseindrücke wahr, ohne das um sie herum der entsprechende äußere Reiz vorhanden ist. Stimmen zu hören oder nicht vorhandene Gegenstände oder Menschen zu sehen sind die bekanntesten Beispiele.

 

  • Ich-Störung

Die Grenzen zwischen der eigenen Person und der Welt außenrum verschwimmen. Psychotische Menschen sind oft davon überzeugt, dass ihre Gedanken von außen gesteuert werden oder dass ihre Gedanken auf andere Menschen überspringen. Es ist ebenso möglich, dass etwa das eigene Bein nicht mehr als Teil des Körpers wahrgenommen wird.

 

  • Weitere Störungen

Weitere häufig auftretende Störungen sind unter anderem Antriebslosigkeit, eine Veränderung der Motorik, etwa in Form von extremer Unruhe oder dem genauen Gegenteil, sowie dem Abbruch der sozialen Bindungen.

 

Wie wird eine Psychose behandelt?

Da es nicht „die eine“ Psychose gibt, sondern unterschiedliche Ausprägungen mit verschieden starken Symptomen, existiert keine universelle Behandlungsmöglichkeit. Dennoch stehen die Chancen auf eine positive Behandlung nicht schlecht, wenn die Probleme früh genug erkannt werden, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Besonders wichtig ist, dass die Behandlung immer individuell auf die betreffende Person abgestimmt ist.

Zwei Therapieformen, die trotzdem bei vielen Patienten zum Einsatz kommen, sind die Medikamententherapie etwa mit Antipsychotika und eine Psychotherapie. Je nach Krankheitsform können weitere Behandlungsformen wie Ergotherapie, Kunsttherapie oder metakognitives Training (MKT) hinzukommen.