Hilfe aus dem Cyberspace – VR-Therapie gegen Angststörungen

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Ein voller Konferenzsaal, Hunderte Menschen warten gebannt auf Ihren Auftritt als Redner. Es ist still, hier und da ein verhaltenes Räuspern und die Anspannung steigt. Spüren Sie den kalten Schweiß an Ihren Händen und wie Ihr Herz immer schneller zu schlagen beginnt? Ein dicker Kloß im Hals macht sich breit – und dann plötzlich eine Stimme aus dem Off: Es ist die Stimme Ihres Therapeuten, die Ihnen die Anweisung gibt, die Brille wieder abzunehmen. Als Sie die Augen wieder öffnen, ist der Saal verschwunden. Stattdessen befinden Sie sich wieder im Sprechzimmer, dem Behandler gegenüber und halten eine VR-Brille in der Hand. Das gerade erlebte kann sofort besprochen und Gefühlslagen analysiert werden. Was steckt dahinter und ist die virtuelle Realität vielleicht die Zukunft in der Behandlung von Angststörungen?

Virtual Reality wird immer mehr erforscht

VR, die gängige Abkürzung für virtuelle Realität, ist weiter auf Erfolgskurs. Aktuell noch vornehmlich Teil der Unterhaltungselektronik, besonders Computerspielen, bahnt sich die neue Technologie Schritt für Schritt einen Weg in andere Bereiche des menschlichen Lebens. Grund dafür ist die Weiterentwicklung der künstlichen Welten, wodurch die Grenzen zwischen Realität und virtueller Darstellung immer mehr verschwimmen. Wissenschaftler der Universität Regensburg nutzen diese Entwicklung, um Therapiemethoden gegen Angstzustände, zum Beispiel Höhenangst, zu entwickeln.

Konfrontationstherapie im virtuellen Raum

Eine beliebte Behandlungsmethode bei Phobien, ist die Konfrontationstherapie. Bisher begeben sich Betroffene zusammen mit ihren Therapeuten im realen Leben in Situationen, die das Angstgefühl auslösen.
Virtual Reality gibt Psychologen und Psychotherapeuten die Möglichkeit, ebendiese Konstellationen in digitaler Form nachzustellen. Mithilfe dieser Therapieform hat der Patient das Bewusstsein, dass es sich um eine digitale Darstellung handelt, das Angstzentrum im Gehirn reagiert dennoch auf die Umgebung und löst den eingeprägten Angstzustand aus.

Die Forscher oder zukünftig möglicherweise der Therapeut können diese kontrollierte Situation einsetzen, um Schritt für Schritt gegen die Angst vorzugehen. So kann eine VR-Erfahrung im besten Falle als Vorbereitung auf die Erfahrungen in der realen Welt genutzt werden.

Vor- und Nachteile der VR-Therapie

Neben einer schrittweisen Konfrontation mit der eigenen Angst und der Möglichkeit, diese damit zu überwinden, werden besonders die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten einer Virtual Reality-Brille hervorgehoben. Es besteht damit die Chance, den Patienten verschiedene Szenarien durchführen zu lassen und das individuelle Stresslevel stufenweise zu steigern. Quasi eine Erweiterung der bisher gängigen therapeutischen Praxis. Zusätzlich kann eine VR-Therapie für Patienten eine kostengünstige, risikoarme und effiziente Option sein, um die eigenen Ängste zu konfrontieren.

Trotz der Vorteile, welche die virtuelle Realität bieten kann, ist diese Behandlungsmethode nicht für jeden Menschen geeignet. Etwa zehn Prozent der Nutzer einer VR-Brille erleiden die sogenannte Cybersickness. Hierbei handelt es sich um eine Art virtueller Reisekrankheit, inklusive der typischen Symptome wie Übelkeit oder Schwindel. Ebenso fehlen durch die Neuartigkeit der Technologie und der Therapieform aktuell noch Langzeitstudien, die sich über mehrere Jahre mit möglichen Auswirkungen auf die Patienten beschäftigt.

Studienergebnisse machen Hoffnung

Es existieren jedoch Metaanalysen, dabei handelt es sich um Übersichtsstudien bisher erzielter Ergebnisse, die zu dem Fazit kommen, dass eine VR-Therapie helfen kann. Aus diesen Untersuchungen geht hervor, dass die Konfrontation mit Situationen die Angstzustände auslösen in der virtuellen Realität ebenso effektiv sein können wie in der realen Welt.

Aufgrund der positiven Studienergebnisse sich Experten einig, dass Virtual Reality zukünftig einen wichtigen Platz bei der Behandlung von Phobien, Zwangsstörungen oder gar Traumata einnehmen kann.