Grundimmunisierung - Erster Schutz für kleine Menschen

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Babys – diese kleinen Wunder, kaum sind sie auf der Welt, verzaubern sie ihre Eltern und alle um sie herum. Meist ziehen die Sorgen mit dem Familienzuwachs jedoch gleich mit ein: Sorge um die Zukunft des Säuglings, seine Pflege und vor allem die Gesundheit. Hebammen begleiten die ersten Wochen und auch der Kinderarzt weiß Rat. Schon ab der U2, also der zweiten Untersuchung zwischen dem zweiten und zehnten Lebenstag, übernimmt er die Vorsorge und überprüft die Entwicklung des Kindes regelmäßig.

Egal wie gründlich sich werdende Eltern im vorneherein eingelesen und informiert haben, die erste Zeit ist stressig und der Überblick über Vorsorgetermine schwindet. Welche U-Untersuchung zu welchem Zeitpunkt durchgeführt werden sollte, können Eltern dem gelben Untersuchungsheft entnehmen, das jedes Kind bei Geburt erhält. Zur Vorsorge zählt auch die Grundimmunisierung, also das Impfen gegen Infektionskrankheiten. Welche Impfung sollte das Kind zu welchem Zeitpunkt erhalten? Sollte es überhaupt geimpft werden? Oder gibt es Alternativen?

Gibt es Alternativen zum Impfen?

Nein, die gibt es nicht.
Impfungen sind wichtig, um Kindern so früh es geht, einen lebensnotwendigen Schutz vor Infektionskrankheiten zu bieten. Sie verhindern den Ausbruch bedrohlicher Krankheiten, die in manchen Fällen, nach wie vor nicht hinreichend therapierbar sind. Zudem haben Schutzimpfungen erheblichen Anteil daran, dass viele gefährliche Infektionskrankheiten so gut wie ausgerottet sind. In den 60er Jahren infizierten sich Tausende Kinder an Kinderlähmung (oder Polio). Seit etwa 30 Jahren treten nur selten Erkrankungen auf. Ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig eine großflächige „Herdenimmunität“ ist, also eine Impfung möglichst vieler Menschen.

Welche Impfung zu welchem Zeitpunkt?

Kinderärzte orientieren sich am Impfplan der STIKO – der Ständigen Impfkommission:

 

 

Definition Serogruppe: Als Serogruppe bezeichnet man eine Gruppe von Mikroorganismen, die gemeinsame Antieigenschaften haben.

Keine Angst! – Sicherheit von Impfstoffen:

Impfstoffe durchlaufen in Deutschland strengere Kontrollen als alle Medikamente. Zudem besteht eine Meldeverpflichtung, das heißt: Sollte ein Verdacht auf eine Impfkomplikation bestehen, muss der behandelnde Arzt an das Gesundheitsamt berichten. Der Begriff „Impfkomplikation“ wird verwendet, wenn eine Reaktion über das normale Ausmaß einer Impfreaktion hinausgeht.

Definition Impfreaktion:

  • Nach einer Impfung reagiert der Körper des Kindes auf die Impfstoffe und das ist wichtig. Denn so können Abwehrmechanismen entstehen und ein Immunschutz gegen die Erreger aufgebaut werden. Im Verlauf dieses Prozesses können folgende Reaktionen entstehen:
  • Lokalreaktionen:
    Rötung

          Erwärmung

          Schwellung

          Schmerzhaftigkeit an der Einstichstelle

  • Allgemeinreaktionen:

          Fieber (unter 39,5°C)

          Kopfschmerzen

          Gliederschmerzen

          Mattigkeit

          Unwohlsein

          Angeschwollene Lymphknoten

          „Impfkrankheit“ (z. Bsp.: Schwellung der Ohrspeicheldrüse, Hautausschlag)

Alle gewöhnlichen Impfreaktionen sind vom Organismus der Kinder meist alleine zu bewältigen und beeinträchtigen das Wohlbefinden nur kurzzeitig. Gegen Schmerzen oder Fieber kann ein fiebersenkendes Schmerzmittel gegeben werden. Ein Schnuller oder Stillen können zudem beruhigend und schmerzlindernd wirken.

Impfungen und Nebenwirkungen

Es gibt verschiedene Überwachungssysteme, um stets das höchste Maß an Sicherheit der Impfstoffe zu gewährleisten. So werden diese erst dann zugelassen, wenn sie eine klinische Prüfung durchlaufen haben. Aber auch Impfstoffe können Nebenwirkungen haben. In äußerst seltenen Fällen können sie zur Beeinträchtigung der Gesundheit oder Krankheiten führen.

Daher ist es absolut verständlich, dass sich manche Eltern, vor allem kleiner Kinder, über Risiken des Impfens sorgen. Ein Fazit des Paul-Ehrlich-Instituts, dem Bundes­institut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel erklärt, dass vor allem einzelne Krankheitsfälle Anlass für wilde Spekulationen geben und letztlich zu einer sinkenden Akzeptanz und Impfrate führen. So verbreiten manche Impfskeptiker nach wie vor längst widerlegte Behauptungen. Impfungen haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass viele Infektionskrankheiten aus dem Umfeld der Kinder verschwinden, ein durchaus positiver Effekt. Das könnte aber auch zu einem schwierigeren Umgang mit den sogenannten „Kinderkrankheiten“ geführt haben, schreibt das Paul-Ehrlich-Institut weiter. Das sollte man mit Sorge betrachten und verunsicherten Eltern unbedingt umfassende Beratungen anbieten. Denn sinkende Impfraten können einen Anstieg längst vermeidbarer gefährlicher Krankheiten bedeuten.

Was ist dran an den Gerüchten?

  • Impfen und Meningitits / Enzephalitis

Zu einer Meningitis oder auch Enzephalitis, also Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder Rückenmarkgewebes kommt es, wenn Infektionskrankheiten zu Komplikationen führen. Sowohl Viren als auch Bakterien können die Auslöser sein. Gegen diese Erreger gibt es Impfstoffe, um die Zahl dieser Komplikationen zu senken.

Das Risiko einer Enzephalitis nach dem das Kind an Masern erkrankt ist, liegt bei 1:1000 bis 1:200. Ist das Kind geimpft, liegt es bei <1:1.000.000.
Bisher ist kein Fall bestätigt worden, bei dem dieser Impfstoff verantwortlich für eine Enzephalitis bei einem gesunden Menschen war.

 

  • Impfen und Multiple Sklerose

Eine Studie des spanisch- amerikanischen Arztes und Epidemiologen Miguel Hernán (und Kollegen) errechnete zwar aus Daten einer Datenbank ein erhöhtes Risiko für Erwachsene nach einer Hepatits B Impfung, allerdings konnte dies nicht haltbar bewiesen werden. Es gibt keine Studie, die einen pathologischen Zusammenhang zwischen Impfungen und Multipler Sklerose herstellen kann.

 

Aufgrund verschiedenster Hypothesen zu diesem Thema wurden mehrere Kontrollstudien durchgeführt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass eine überwiegende Mehrheit der Studien gegen einen Zusammenhang von Impfungen bei Kindern und Diabetes mellitus Typ 1 spricht.

 

  • Impfen und Autismus / Morbus Crohn

Vor 20 Jahren erschien ein Beitrag des Briten Andrew Jeremy Wakefield in „Lancet“, der ältesten medizinischen Fachzeitschrift der Welt. In diesem erörtern Wakefield und seine Kollegen den angeblichen Zusammenhang von Masernimpfungen und Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie Entwicklungsstörungen bei zwölf Kindern.

Seine Forschungsmethoden waren höchst zweifelhaft, leider verhinderte dies aber nicht anhaltende und hypothetische Debatten um die Sicherheit von Impfstoffen. Wakefield wurde mittlerweile mehrfach widerlegt und mit einem Berufsverbot als Arzt belegt. Außerdem distanzierten sich seine Kollegen und auch die Zeitschrift Lancet von ihm.

Eine dänische Studie aus dem Zeitraum von 1991 bis 1998 mit 537.303 Kindern hat festgestellt, dass es keinen Unterschied zwischen geimpften und nicht geimpften Kindern gibt.
Bisher kann kein Zusammenhang zwischen Impfen und Autismus oder Morbus Crohn bewiesen werden.

 

Der Plötzliche Kindstod, oder auch „Sudden Infant Death Syndrome“ ist schrecklich und eine Hauptsorge vieler Eltern. Nach wie vor ist SIDS die häufigste Todesursache bei Säuglingen in Industrieländern. Etwas aufatmen können Eltern nun dank einer neuen deutschen Studie, die ergeben hat, dass geimpfte Kinder ein halbiertes SIDS-Risiko haben. Andere Studien ergeben einen neutralen Status – das heißt: sie sprechen weder für noch gegen ein erhöhtes Risiko. Nach wie vor weiß man wenig über die Entstehung des Plötzlichen Kindstodes.

Impfen für die Sicherheit Ihres Kindes – und die vieler anderer Menschen

Impfen schützt nicht nur Ihr Kind. Manche Menschen können aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel chronischen Erkrankungen, nicht geimpft werden. Eine „Herdenimmunität“, also der Impfschutz vieler, kann sie vor einer gefährlichen Krankheit schützen. Dies gilt insbesondere für Neugeborene und Säuglinge, wie etwa die kleinen Geschwister, die aufgrund des Alters noch keine Grundimmunisierung erhalten können.