Aktualisiert: 10.09.2026 | Lesezeit: 4 Minuten |
Wenn Sie nach einem Klinikaufenthalt Intensivpflege zu Hause in Anspruch nehmen müssen, sollten einige Dinge vorbereitet werden.
| © Photographee.eu - stock.adobe.com
Nach einer schweren Erkrankung oder einem Unfall kann es sein, dass Sie oder ein Angehöriger bzw. eine Angehörige auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus intensive pflegerische und medizinische Unterstützung benötigen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist diese Versorgung im eigenen Zuhause möglich. Gerade bei Beatmung oder Tracheostoma (künstliche Öffnung der Luftröhre) müssen jedoch zahlreiche Dinge vorbereitet werden. Wenn Sie frühzeitig planen, erleichtern Sie den Übergang aus der Klinik und schaffen mehr Sicherheit für alle Beteiligten.
Wann kommt Intensivpflege zu Hause infrage?
Eine außerklinische Intensivpflege kann notwendig sein, wenn bei Ihnen oder Ihrem bzw. Ihrer Angehörigen jederzeit eine lebensbedrohliche Situation auftreten kann und deshalb eine ständige Interventionsbereitschaft erforderlich ist. Das kann beispielsweise bei invasiver oder nichtinvasiver Beatmung sowie bei einem Tracheostoma der Fall sein.
Ob die Versorgung in Ihrer eigenen Wohnung möglich und sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab. Neben dem Gesundheitszustand spielen auch Ihr Wohnumfeld, benötigte Hilfsmittel und die Organisation der Pflege eine Rolle. Deshalb sollten Sie möglichst bereits während des Klinikaufenthalts klären, welche Voraussetzungen vor der Entlassung geschaffen werden müssen.
Was sollten Sie vor der Entlassung organisieren?
Der Wechsel aus der Klinik nach Hause ist bei intensivpflegebedürftigen Patienten und Patientinnen deutlich aufwendiger als eine gewöhnliche Entlassung. Benötigte Geräte und Hilfsmittel müssen rechtzeitig vorhanden sein. Bei einer Beatmung können beispielsweise Beatmungsgerät, Absauggerät und weiteres medizinisches Zubehör erforderlich sein.
Ebenso wichtig sind klare Zuständigkeiten. Sie sollten wissen, welche Ärztinnen und Ärzte die weitere Behandlung übernehmen, welcher Pflegedienst beteiligt ist und an wen Sie sich bei Problemen mit Hilfsmitteln oder Technik wenden können. Je nach Situation müssen zudem Therapeutinnen und Therapeuten, Krankenkasse und weitere Leistungserbringer in die Planung einbezogen werden.
Lassen Sie sich auch erklären, was im Notfall zu tun ist. Ein verständlicher Notfallplan und feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner können Ihnen gerade in den ersten Tagen zu Hause viel Sicherheit geben.
Wer darf außerklinische Intensivpflege verordnen?
Für diese Form der Versorgung gelten besondere medizinische Voraussetzungen. Die Verordnung erfolgt durch entsprechend qualifizierte Ärztinnen und Ärzte. Unter bestimmten Bedingungen können auch Hausärztinnen und Hausärzte die Versorgung verordnen.
Wenn Sie oder Ihr Angehöriger bzw. Ihre Angehörige beatmet werden oder eine Trachealkanüle benötigen, spielt außerdem die regelmäßige Prüfung, ob die Unterstützung reduziert werden kann, eine wichtige Rolle. Ärztinnen und Ärzte untersuchen dabei unter anderem, ob eine Entwöhnung von der Beatmung oder später möglicherweise eine Entfernung der Trachealkanüle infrage kommt.
Welche Aufgaben übernimmt die Pflege bei Ihnen zu Hause?
Welche Unterstützung Sie benötigen, richtet sich nach Ihrem persönlichen Gesundheitszustand. Bei einer Beatmung gehören beispielsweise die Überwachung der Atmung und der sichere Umgang mit der Technik zu den zentralen Aufgaben.
Auch Tracheostomaversorgung, Sekretmanagement, Medikamentengabe und die Beobachtung Ihres Allgemeinzustands können zur Versorgung gehören. Veränderungen müssen möglichst früh erkannt werden, damit bei Bedarf schnell reagiert werden kann.
Bei einer 1:1-Versorgung kümmert sich während der jeweiligen Schicht eine Pflegefachkraft um die Patientin bzw. den Patienten. Ob Sie diese Form der Betreuung benötigen, hängt von Ihrem individuellen Pflege- und Überwachungsbedarf ab.
Was bedeutet die Versorgung für Ihre Angehörigen?
Wenn Sie nach einem langen Klinikaufenthalt wieder nach Hause kommen, gewinnen Sie ein Stück vertrauten Alltag zurück. Gleichzeitig kann die neue Situation Ihre Familie zunächst verunsichern.
Ihre Angehörigen dürfen sich deshalb erklären lassen, welche Aufgaben sie übernehmen können und wo die Verantwortung der professionellen Pflege beginnt.
Besprechen Sie deshalb bereits vor der Entlassung möglichst genau, wie der Tagesablauf aussehen wird, welche Unterstützung Sie erhalten und wen Sie bei Fragen erreichen können. Je klarer die Zuständigkeiten sind, desto leichter fällt Ihnen und Ihren Angehörigen der Start in die neue Situation.
Weitere Informationen
- Kostenlose Pflegebox: So nutzen Sie den monatlichen Anspruch auf Pflegehilfsmittel ab Pflegegrad 1: https://www.aerzte.de/gesundheitsratgeber/pflegebox-monatlicher-anspruch-auf-pflegehilfsmittel
- Außerklinische Intensivpflege: Versorgung im schweren Krankheitsfall: https://gesund.bund.de/ausserklinische-intensivpflege
- Außerklinische Intensivpflege: https://www.aok.de/pk/leistungen/medizinische-behandlung/ausserklinische-intensivpflege/