Plötzlicher Kindstod – Prävention ist das A und O

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„Mama, mach dir doch nicht so viele Sorgen!“ Diesen Satz hören Mütter von ihren Kindern hin und wieder und denken sich dabei meist, dass das leider nicht so einfach ist. Die Sorgen gehören dazu zum Elternsein. Schließlich begibt sich bereits in der Schwangerschaft und dann auch nach der Geburt ein kleines Wesen in unsere Obhut, für das wir „sorgen“ wollen. Eltern tun ihr Bestes, das Kind vor Gefahren zu beschützen. Insbesondere im Säuglingsalter sind junge Eltern stets alarmiert. Nicht zuletzt auch aus Sorge vor dem Plötzlichen Kindstod. Eine gute Vorbereitung kann die Gefahr jedoch reduzieren.

Was Eltern wissen sollten:

1. Was ist der plötzliche Kindstod?

Um das Kind umfassend beschützen zu können, ist es wichtig, dass sich werdende Eltern frühzeitig mit dem Thema Plötzlicher Kindstod (auch: Sudden Infant Death Syndrome, kurz SIDS) auseinandersetzen. Er ist die häufigste Todesursache bei Kleinkindern in Industrienationen, in Deutschland die dritthäufigste. Wie der Name schon sagt, tritt er plötzlich und scheinbar unerklärlich ein. Über seine Ursache ist wenig bekannt. Betroffen davon sind Kleinkinder bis zum Ende des zweiten Lebensjahres, vor allem aber in den ersten sechs Monaten. Bei Fragen informieren Kinderärzte und Hebammen besorgte Eltern umfangreich.

2. So wird die Diagnose gestellt

Plötzlicher Kindstod ist immer eine Ausschlussdiagnose. Das heißt: Bei der Autopsie und einer Untersuchung des Auffindeortes werden alle denkbaren natürlichen und nicht natürlichen Todesursachen in Erwägung gezogen. Erst wenn sichergestellt ist, dass keine der bekannten Ursachen wie alle Arten von Krankheiten, Infektionen oder Unfällen (zum Beispiel durch Strom, Sturz, Vergiftung, Ertrinken u. Ä.) vorliegt, sprechen Ärzte vom Plötzlichen Kindstod.

Offiziell wird der Plötzliche Kindstod noch oft als Diagnose ohne Ursache definiert. Neue Erkenntnisse, die immer häufiger Übereinstimmungen bezüglich der Todesumstände zeigen, sorgen allerdings dafür, dass davon mehr und mehr Abstand genommen wird. Vielmehr werden drei wesentliche Risiken abgeglichen und mit den wichtigsten Risikofaktoren, welche intrinsisch und/oder extrinsisch sein können, in Kontext gesetzt.

3. Diese Risikofaktoren spielen eine Rolle

Die Reduzierung und Vermeidung von Risikofaktoren ist die beste Vorgehensweise für Eltern.

Als intrinsisches Risiko gilt ein genetischer oder umgebungsbedingter Faktor, der die Anfälligkeit beeinflusst, wie ein männliches Geschlecht oder Frühgeburt. Wohingegen ein extrinsisches Risiko ein physischer Stressfaktor zum Todeszeitpunkt ist. Er erhöht das SIDS-Risiko für einen ohnehin schon gefährdeten Säugling. Dazu gehören unter anderem das Schlafen in Bauchlage, ein zugedeckter Kopf oder rauchende Eltern. 

Der Übersichtlichkeit halber stellen wir die Zusammenhänge in einer Tabelle dar:

1.      Kritische Phase der Entwicklung

(vor allem der 2. und 4. Lebensmonat)

2.      Extrinsische Risikofaktoren zum

Todeszeitpunkt

3.      Zugrunde liegende Anfälligkeit eines gefährdeten Säuglings

Beispiele für intrinsische RF:

Beispiele für extrinsische RF:

  •   Drogenkonsum der Mutter
  •   Frühgeburt < 33. SSW
  •   Männliches Geschlecht
  •   Belastungen in der Schwangerschaft durch    Alkohol und Zigaretten
  •   An SIDS verstorbenes Geschwisterkind

 

  •          Wichtigster: beeinträchtigter Sauerstoffaustausch in der                                 Schlafumgebung
  •          Überwärmung
  •          Ein zu weiches Bett/Matratze/Schlafumgebung/Nestchen
  •          Bauchlage oder Seitenlage während des Schlafens
  •          Das Bett mit den Eltern teilen (umstritten)
  •          Gesicht zugedeckt
  •          Stillverzicht (umstritten)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun ist das Risiko eines Plötzlichen Kindstods aber nicht für alle Kinder gleich zu bewerten. Die Risikogruppen sind unter anderem Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht, Mehrlingsgeburten und Säuglinge mit mehreren älteren Geschwistern.

4. Forschung und Aufklärung helfen Eltern

Die Forschung und Aufklärung zum Thema wird weiter vorangetrieben. Bereits eine ältere US-amerikanische Studie, die zwischen 1991 und 2008 568 Fälle von Plötzlichem Kindstod untersucht hat, belegt, dass in 99 % der Fälle mindestens ein Risikofaktor (RF) gegeben war. Dabei waren es bei 75 % der gestorbenen Kinder ein intrinsischer RF und ein extrinsischer RF, bei 57 % sogar zwei extrinsische. Lediglich 5 % hatten kein erhöhtes Risiko. Erwähnenswert ist hierbei allerdings, dass es bei dieser Studie keine Kontrollgruppe gab und daher nicht bekannt ist, wie viele der nicht-betroffenen Kinder mindestens einen RF aufweisen. Da diese Studie aber auch Eigenschaften wie das männliche Geschlecht oder eine afroamerikanische Abstammung berücksichtigt, ist davon auszugehen, dass es hier einen hohen Prozentsatz an Kindern mit RF geben würde.

Nachdem in den USA eine landesweite TV-Kampagne namens „Back to Sleep“ eingeführt wurde, sank die Rate der SIDS-Fälle um über 50 %. Die Eltern wurden aufgeklärt, ihre Kinder auf den Rücken (daher „Back“) zum Schlafen zu legen. Die niedrigste Rate von Plötzlichem Kindstod der Welt haben die Niederlande mit 0,09 ‰. Auch dort haben aktive Kampagnen über das Fernsehen viel bewirkt. Sie gaben Tipps zur Vermeidung der Risikofaktoren und trugen dazu bei, die Rate um den Faktor 10 zu senken.

5. Diese Maßnahmen können Eltern ergreifen

So bedrückend dieses Thema für (werdende) Eltern ist, umso mehr hilft eine frühzeitige Auseinandersetzung damit. Denn mit den richtigen Maßnahmen können Eltern das Risiko für ihr Kind drastisch verringern. Dabei sollten diese Punkte besonders beachtet werden:

  • Stillen: Stillkinder haben einen leichteren Schlaf und wachen nachts häufiger auf. Damit sinkt auch das Risiko für SIDS. Auch enthält Muttermilch wichtige Abwehrstoffe, die zum Beispiel intrinsischen Faktoren wie Infektionen vorbeugen können. Manche Studien belegen eine Wirksamkeit von Schnullern, allerdings ist diese Erkenntnis noch umstritten.
  • Rauchfreie Umgebung: Säuglinge mit einem in der Wohnung rauchenden Elternteil haben ein erhöhtes SIDS-Risiko. In der Umgebung von Kindern sollte generell nicht geraucht werden.
  • Halten Sie unbedingt die Atemwege frei. Babys tun sich schwer mit Mundatmung. Im Falle von Schnupfen und Fieber, oder nur Fieber, sollte innerhalb von drei Tagen der Kinderarzt aufgesucht werden.
  • Eine genaue Beobachtung durch die Eltern kann auch helfen.

    Kennzeichen sind zum Beispiel:
    Atempausen im Schlaf, schwer zu weckende Kinder, blaue Lippen, starkes Schwitzen im Schlaf. Sollten Sie andere ungewöhnliche Merkmale feststellen,    sollte Ihr Kinderarzt unbedingt davon Kenntnis erlangen.
  • Vor allem während des (vermuteten) Schlafs sterben Kinder an Plötzlichem Kindstod. Deshalb ist es besonders wichtig, für eine sichere Schlafumgebung zu sorgen: 
    • Schlafzimmertemperatur von 16 – 18 ° C

    • Ausschließliches Schlafen in Rückenlage

    • Im eigenen Bett im Elternschlafzimmer schlafen (während des ersten Lebensjahres)

    • Feste, luftdurchlässige Matratze

    • Kein Nestchen (Bettumrandung) oder Kuscheltiere im Bett

    • Wichtig ist auch ein passender Schlafsack. Der Halsumfang sollte nicht größer sein als der Kopf. Er sollte etwa 15 cm länger als Rumpf und Beine (zusammen) sein, damit genug Platz zum Strampeln bleibt. Pucken ist beliebt und vor allem bei Neugeborenen effektiv. Mit zunehmendem Alter, etwa ab 6 Monaten, erhöht es allerdings das SIDS-Risiko. Windel und Schlafanzug reichen unter dem Schlafsack völlig aus.

    • keine Kopfbedeckung, keine Decken oder Kissen

          Noch ein Wort zum Familienbett: Es ist umstritten, ob das Schlafen im gemeinsam geteilten Elternbett zu empfehlen ist. Fest steht, dass es den                        Herzschlag und die Körpertemperatur des Säuglings positiv beeinflusst, da er sich an den der Eltern anpasst. Allerdings ist auch bewiesen, dass vor                    allem im ersten Lebenshalbjahr Kinder durch ein geteiltes Bett ums Leben kamen.

  • Spezielle Erste-Hilfe-Kurse für Neugeborene und Babys sollten für werdende Eltern zum Pflichtprogramm gehören. Sie können auch in anderen Situationen Leben retten.
  • Monitore, welche die Atmung im Schlaf überwachen, wie etwa mit Sensoren am Bett haben keine nachgewiesene Reduzierung des Plötzlichen Kindstodes.
  • Kinder sollten in den ersten beiden Lebensjahren keinen Honig essen. Die sogenannte Botulismustheorie legt nahe, dass im Honig enthaltene Krankheitserreger (Clostridium botulinum) Toxine bilden können, welche eine Atemlähmung bewirken können. Diese Theorie wurde von einer deutschen Forschergruppe bestätigt.