Corona Pandemie: Folgen der erhöhten psychischen Belastung

Pandemie stresslonilt

Stress – ein Wort, das unsere heutige Gesellschaft ganz gut beschreibt. Denn noch nie wurde so viel über psychische Belastung und Arbeitspensum gesprochen wie heute. Von schlechten Kindheitserinnerungen und traumatischen Erlebnissen bis zu Mental Load und Burn-out sprechen wir über unsere geistige Gesundheit und wie wir diese verbessern können. Da ist es nicht erstaunlich, dass der Stress auch während der Corona-Pandemie ein großes Thema ist. Unzählige Umfragen und Erhebungen beschäftigen sich mit der psychischen Belastung während der vergangenen zwei Jahre. Die Ergebnisse sind wenig überraschend.

Bei allen Menschen ist der Stresslevel während der Pandemie gestiegen. Die Angst vor einer Infektion, die vielen Unsicherheiten und die soziale Isolation gehen nicht spurlos an uns vorbei. Menschen ab 60 Jahren sind davon weniger stark betroffen als jüngere. Zudem scheinen der Bildungsgrad und der soziale Status eine Rolle zu spielen. Wer sich gut und umfassend informieren konnte, hat die Einschränkungen scheinbar besser weggesteckt. Finanzielle Sicherheit sorgte zudem für Entlastung. Dennoch: Wir fühlen uns durch die Corona Pandemie psychisch belastet. Depressionen und Ängste nehmen zu, depressive Verstimmungen sind verbreiteter.

Psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen steigt

Kinder und Jugendliche sind davon ebenfalls betroffen. Für sie fallen die sozialen Einschränkungen besonders stark ins Gewicht. Denn für die Entwicklung, vor allem in der Pubertät, ist die sogenannte Peergroup entscheidend. Freunde und Bekannte übernehmen wichtige Rollen der Eltern. Selbst Kleinkinder zwischen Null und 3 Jahren zeigen Anzeichen von Stress während der Pandemie. Sie schlafen etwa schlechter oder lassen sich nur schwer beruhigen.

Davon sind längst nicht alle Kinder und Jugendliche betroffen. Umfragen lassen vermuten, dass die psychische Belastung der Eltern einen großen Einfluss auf ihre Kinder hat. Auch sonst ist das Umfeld entscheidend. Wer sorgenfrei und wohl behütet aufwächst, kommt besser mit der Pandemie zurecht als Heranwachsende, die zu Hause sowieso schon mit Unsicherheiten oder Schicksalsschlägen kämpfen. Auch das ist in der Forschung zur psychischen Belastung nichts Neues. So brauchen Kinder psychisch erkrankter Eltern sehr viel häufiger ebenfalls Unterstützung.

Mädchen und Frauen besonders stark betroffen

Besonders stark trifft die psychische Belastung während der Pandemie Mädchen und Frauen. Während bei jüngeren Kindern vor allem Jungen in psychischer Behandlung sind, brauchen unter den 17-Jährigen etwa ein Drittel mehr Mädchen Unterstützung. Einige Experten vermuten, dass der Hormonhaushalt Grund dafür ist. Denn Depressionen, die häufigste psychische Erkrankungen, werden durch die Hormone in unserem Körper beeinflusst. Zum Ende der Pubertät könnten Frauen gefährdeter dafür sein.

Andere sehen als Ursache für die hohe psychische Belastung eher ein Gesellschaftsproblem. Mädchen sind in der Schule oft ehrgeiziger, definieren sich mehr über das Lob von außen. Das fällt durch die Pandemie oft weg. Junge Frauen übernehmen zudem ein Großteil der Sorgearbeit in der Familie. Kinderbetreuung und Haushalt ist immer noch überwiegend Aufgabe der Mutter oder der älteren Mädchen in der Familie. Während des Lockdowns ist ihre Belastung deshalb deutlich höher. Der Spagat zwischen Arbeit oder Schule, Haushalt und Kindern ist für Frauen schwerer zu meistern.

Psychische Belastung -Wie geht es nach der Pandemie weiter?

Sicher haben auch Sie die zusätzliche psychische Belastung in den vergangenen Monaten gespürt. Doch wie geht es jetzt damit weiter? Die meisten Menschen werden den Stress gut verarbeiten und keine langfristigen Folgen spüren. Denn in der Regel wissen Erwachsene sehr gut, wie sie nach belasteten Situationen Entspannung und Ruhe finden.

Für Kinder und Jugendliche könnte die Aufarbeitung schwierig werden. Für sie sind einige Monate ein langer Zeitraum, der viele Veränderungen mit sich bringen kann. Wichtig ist es deshalb, nicht einfach wieder voll in den alten Alltag einzusteigen. Tasten Sie sich möglichst ohne zu große Erwartungen Schritt für Schritt an die neuen Abläufe heran. Dabei sind wahrscheinlich einige Änderungen nötig. Denn nur weil etwas vor einigen Monaten gut funktioniert hat, muss es heute nicht wieder passen.

Im Idealfall nutzen Kinder und Erwachsene die belastende Zeit für einen Neustart. Was hat mir an meinem alten Alltag gefallen? Was fand ich eher doof? Gab es rückblickend auch gute Dinge während der Pandemie, die wir gerne beibehalten würden? Neue, unerwartete Situationen können oft genutzt werden, um die psychische Belastung im Alltag zu reduzieren.

Dabei ist professionelle Hilfe eine wichtige Unterstützung, die Sie unbedingt annehmen sollten. Vereinnahmt der Stress der vergangenen Monaten Ihren Alltag, können Sie nicht mehr positiv in die Zukunft blicken oder werden tägliche Aufgaben plötzlich unmöglich, sollten Sie sich unbedingt Rat von außen holen.