Cannabis aus eigenem Anbau konsumieren: Das ist zu beachten

Cannabis darf unter Einhaltung der Vorgaben selbst legal angebaut werden.
Cannabis darf unter Einhaltung der Vorgaben selbst legal angebaut werden. | © Mladen - stock.adobe.com

Der Deutsche Bundestag hat am 23. Februar 2024 das Gesetz zum kontrollierten Umgang mit Cannabis beschlossen. Ein Bestandteil der neuen Gesetzgebung ist die Legalisierung des Eigenanbaus von Hanfpflanzen. Zum 1. April 2024 ist der private Eigenanbau durch volljährige Personen zum Eigenkonsum sowie der gemeinschaftliche, jedoch nicht gewerbliche Eigenanbau von Cannabis in Anbauvereinigungen nach deutschem Recht legal möglich. 

Saatgut und Pflanzen für den Eigenanbau sind derzeit noch ausschließlich bei Online-Händlern und -Händlerinnen im Netz erhältlich. Der Gesetzgeber beschränkt den Bezug aus Online-Shops auf Anbieter:innen mit Sitz in einem EU-Mitgliedsland. Die Einfuhr von Samen oder Stecklingen aus einem EU-Land ist zulässig. Auch große Cannabis-Shops in Deutschland haben ihr Sortiment um Hanfsamen und Stecklinge für den Eigenanbau erweitert. Jedoch darf der Bezug über eine(n) Online-Anbieter:in die maximale Anzahl pro erwachsene Person nicht überschreiten. Zudem muss vor dem Abschluss des Bestellvorganges die Volljährigkeit der bestellenden Person sichergestellt werden. 

Ab dem 1. Juli tritt die zweite Phase der neuen Gesetzgebung in Kraft, mit der auch in Deutschland ansässige Anbauvereinigungen Samen und Stecklinge in der vorgeschriebenen Menge für den Eigenkonsum und den Eigenanbau weitergeben dürfen.

Mit dieser in zwei Schritten umgesetzten Legalisierung des privaten Hanfanbaus ist ein starker Anstieg des Konsums von selbst gezogenem Cannabis zu erwarten. Mediziner:innen raten dazu, sich umfassend über den Anbau, die Ernte und die Aufbereitung von Cannabis zu informieren, um gesundheitliche Risiken beim Konsum der eigenen Pflanzenbestandteile auszuschließen. Das sollten private Nutzer:innen beim Eigenanbau und Eigenkonsum berücksichtigen. 

Legalisierung des Cannabisanbaus rückt Konsum eigener Erzeugnisse in den Fokus

Mit der Legalisierung des Eigenanbaus von Cannabis in beschränktem Umfang hat die Bundesregierung einen großen Schritt zu einem kontrollierten Umgang mit CBD-Produkten getan. 

Zum Anbau eigener Cannabispflanzen berechtigt sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums „Erwachsene, die in Deutschland seit mindestens sechs Monaten einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben“. Diese „dürfen zum Zwecke des Eigenkonsums an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt bis zu drei Cannabispflanzen gleichzeitig anbauen. Die Anzahl von drei Cannabispflanzen gilt je volljähriger Person eines Haushalts.“

Mit dieser Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Anbau, Besitz und Konsum von Hanfpflanzen ist die Nutzung von Cannabis aus eigenem Anbau stärker in den Fokus gerückt. Experten und Expertinnen erwarten einen deutlichen Trend weg von fertigen Produkten aus dem zertifizierten Fachhandel und hin zum verstärkten Konsum von Cannabispflanzen aus eigenem Anbau. 

Eine umfangreiche Aufklärung rund um Qualitätskriterien, sicheren Anbau und Pflege von Hanf in Bioqualität und die Vorbereitung für den Konsum ist notwendig, damit ein risikoloser Umgang mit den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen möglich ist.

Anbau von Medizinal-Cannabis erfordert spezielle Genehmigung

In Deutschland besteht eine strikte Trennung zwischen Nutzhanf und Medizinal-Hanf. Die Nutzung von Cannabis zu medizinischen und medizinisch-wissenschaftlichen Zwecken unterliegt einer eigenen Gesetzgebung. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes zum kontrollierten Umgang mit Cannabis (Cannabis-Gesetz - CanG) wird der Anbau und Gebrauch von Cannabis nicht mehr innerhalb des Anwendungsbereiches des Betäubungsmittelgesetzes geregelt. 

Das CanG enthält in Artikel 1 das Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (Konsumcannabisgesetz - KCanG) und in Artikel 2 das Gesetz zur Versorgung mit Cannabis zu medizinischen und medizinisch-wissenschaftlichen Zwecken (Medizinal-Cannabisgesetz - MedCanG). Diese klare Unterscheidung in der Verwendung der Hanfpflanzen und der daraus gewonnenen Produkte ist auch für den Eigenanbau und den Konsum der eigenen Ernte relevant. 

Wer im Zusammenhang mit einer Therapie und in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin medizinisches Cannabis konsumiert, benötigt für den Anbau und Konsum eigener Erzeugnisse eine spezielle Genehmigung. In Deutschland dürfen nur Unternehmen oder Personen Cannabis zu medizinischen Zwecken anbauen, ernten und verarbeiten, die von der Cannabisagentur, einem Organ des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), nach strengen Bewertungskriterien ausgewählt und mit einer Genehmigung versehen wurden. 

Die Voraussetzungen hierfür beziehen sich auf die einwandfreie pharmazeutische Qualität der zu verarbeitenden Cannabisblüten. Sie sind in den Vorgaben der Good Agricultural and Collection Practice (GACP), der Good Manufacturing Practice (GMP) und der Monografie „Cannabisblüten“ (DAB) niedergeschrieben.

Patienten und Patientinnen, die dazu berechtigt sind, Cannabis zur medizinischen Therapie auf ärztliches Rezept in der Apotheke zu erwerben, können einen kostenpflichtigen Antrag auf Eigenanbau beim zuständigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellen. Die zuständige Stelle prüft im Einzelfall, ob eine Ausnahmegenehmigung zum Eigenanbau von medizinischem Cannabis erteilt werden kann. Diese wird zum Beispiel dann in Betracht gezogen, wenn die Therapie mit medizinischem Cannabis nach ärztlichem Gutachten alternativlos ist und die Krankenkasse die Kosten für die Medikamente nicht oder in nicht ausreichendem Umfang übernimmt. 

Wurde die Ausnahmegenehmigung erteilt, dürfen Patienten und Patientinnen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zum Hanfanbau auch medizinisches Cannabis für den Eigenbedarf kultivieren, verarbeiten und konsumieren. Dies sollte jedoch nur in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin und unter fachkundiger Anleitung und Betreuung durch einen Experten oder eine Expertin erfolgen.

Konsum eigener Cannabisprodukte unter gesundheitlichen Vorsichtsmaßnahmen

Um CBD in bester Qualität und aus fachgerechter Aufbereitung konsumieren zu können, sollten Eigenanbauer:innen sich eigenverantwortlich über Besonderheiten zu Anbau, Pflege und Ernte von Hanfpflanzen informieren. 

Folgende gesundheitsrelevanten Aspekte sind zu berücksichtigen, damit der Eigenanbau und der Konsum der selbst erzeugten Ernte unter verantwortungsvollen Bedingungen erfolgt:

Samen und Stecklinge aus kontrollierter Qualität nutzen 

Um aus dem eigenen Anbau hochwertiges Cannabis für den Eigenkonsum zu beziehen, sollte schon die Qualität der Ursprungspflanzen stimmen. Für den eigenen Garten können Hanfpflanzen aus Samen oder aus vorgezogenen Stecklingen verwendet werden. Als Stecklinge werden dabei Jungpflanzen oder Sprossteile von Cannabis-Pflanzen bezeichnet, die der Anzucht von Cannabis-Pflanzen dienen. Sie sind unter anderem daran zu erkennen, dass sie noch keine Blütenstände oder Fruchtstände besitzen.

Um hochwertiges Saatgut oder Stecklinge in kontrollierter Qualität zu erhalten, sollten Verbraucher:innen ausschließlich auf zertifizierte Anbieter:innen setzen, die Saatgut und Pflanzen aus garantiert biologischem Anbau bereitstellen. So wird gewährleistet, dass keine Schadstoffe für die Anzucht zum Einsatz gekommen sind und das Saatgut oder die jungen Pflänzchen in ihrer natürlichen Form nach Hause kommen. Hanfprodukte, deren Herkunft als Bio-Anbau klassifiziert wird, garantieren damit, dass sie ohne den Einsatz von synthetischen Pestiziden, Herbiziden oder anderen schädlichen Chemikalien angebaut wurden. Das ist nicht nur gut für die Gesundheit, weil die schädlichen Stoffe nicht konsumiert werden, sondern schont auch die Umwelt und macht den Hanfanbau zu einem nachhaltigen Gärtnervergnügen. 

Die seriösen und zertifizierten Anbieter:innen aus den EU-Mitgliedsländern stellen ihren Kunden und Kundinnen Informationen über die Herkunft ihrer Produkte, deren Inhaltsstoffe und die verwendeten Herstellungsprozess zur Verfügung. Ein gutes Zeichen für eine(n) seriöse(n) Anbieter:in ist auch die transparente Gestaltung aller Transaktionsprozesse, um nachvollziehen zu können, ob alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden.

Die richtige Sorte für den Eigenanbau und privaten Konsum wählen

Unter den Hanfpflanzen gibt es mehrere hundert verschiedene Sorten, die aus botanischer Sicht in drei Gattungen eingeteilt werden:

  • Cannabis Indica
  • Cannabis Sativa
  • Cannabis Ruderalis

Für den medizinischen Gebrauch und den nicht medizinischen Konsum werden ausschließlich Sorten aus den Gattungen Cannabis Indica und Cannabis Sativa verwendet. Hanfpflanzen werden von Botanikern und Botanikerinnen als so genannte zweihäusige Pflanzen bezeichnet. Das bedeutet, dass sie weibliche und männliche Pflanzen ausbilden. Für die Ernte zu Konsumzwecken sind nur die weiblichen Pflanzen nutzbar, da nur sie die Hanfblüten hervorbringen, die für den Konsum getrocknet und aufbereitet werden. 

Experten und Expertinnen raten für den Eigenanbau zu Saatgut, das durch gezielte Züchtung feminisiert und automatisiert angeboten wird. Feminisierte Hanfsamen lassen ausschließlich weibliche Pflanzen wachsen. Greifen Verbraucher:innen zu nicht feminisiertem Saatgut, müssen männliche Pflanzen aussortiert werden. Da der Anbau in Deutschland auf drei Pflanzen pro Erwachsenen begrenzt ist, kann diese Vorgehensweise die Ernte erheblich einschränken. 

Automatisiertes Saatgut, auch Autoflowering Saatgut genannt, bringt Hanfpflanzen hervor, deren Blütenbildung unabhängig vom Lichtzyklus ist, dem die Pflanzen während ihres Wachstums ausgesetzt sind. Mit feminisiertem, automatisiertem Saatgut können auch unerfahrene Gärtner:innen Cannabispflanzen erfolgreich kultivieren und die gewünschte Ernte für den Eigenkonsum generieren. 

Wichtiger Gesundheitshinweis für den Freilandanbau:

Hanf ist eine vielseitige Nutzpflanze und wird aus botanischer Sicht häufig auf Freiflächen angebaut, weil die Wurzeln Schwermetalle aus dem Boden aufnehmen und diesen so ganz natürlich von der Belastung reinigen können. 

Wer die Absicht hat, seine Cannabispflanzen im Freilandanbau zu ziehen, sollte den Boden, auf dem die Pflanzen stehen sollen, zunächst von einem Experten oder einer Expertin auf seine Schwermetallbelastung prüfen lassen. Die im Boden enthaltenen Schadstoffe können über die Wurzeln auch in die übrigen Pflanzenteile übergehen und so beim Konsum der getrockneten Blüten in den Organismus geraten. 

Insbesondere Schwermetalle wie Blei und Quecksilber können sich negativ auf das Nervensystem auswirken und bei hoher Belastung langfristig gesundheitliche Schäden verursachen. Da sich Symptome einer Schwermetallbelastung erst nach Jahren zeigen, ist es für den Freilandanbau von Hanf sinnvoll, die Bodenqualität zu testen und das gesundheitliche Risiko so zu minimieren.

Autorin: Barbara Schwelke

Barbara Schwelke ist freie Medizinjournalistin. Nachdem sie ihr Vorklinikum an der Universität Braunschweig abgeschlossen hatte, unterbrach sie ihr Studium, um sich ihrer journalistischen Arbeit zu widmen. Aktuelle Themen und Entscheidungen aus Politik und Wirtschaft und ihre Betrachtung aus einer medizinischen Perspektive sind ihr Hauptinteressensgebiet. Ihre Beiträge werden in zahlreichen medizinischen Fachzeitschriften und Sammelbänden veröffentlicht. 

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