Mehrere Fläschchen mit goldgelbem Öl & Kapseln sind auf einem Holztisch arrangiert. Im Hintergrund sind getrocknete Hanfblüten & ein Hanfblatt zu sehen. Einige der Fläschchen haben Tropfpipetten, andere sind mit Schraubverschlüssen oder Korken versehen.
Horst H. Boss

Horst H. Boss

Heilpraktiker/Schmerztherapeut

Horst Boss ist Heilpraktiker, Schmerztherapeut und Medizinjournalist. In seiner Bestellpraxis betreut er Patienten und Patientinnen umfassend und ganzheitlich. Daneben informiert er aktiv zu neuesten medizinischen Entwicklungen, wie etwa der Therapie mit medizinischem Cannabis.

Verschiedene medizinische Cannabis Präparate - Quelle: ©bukhta79 - stock.adobe.com

Medizinisches Cannabis: So läuft das mit Marihuana auf Rezept

Seit März 2017 können sich Patienten und Patientinnen Cannabis verschreiben lassen. Die Blüten sind nach Vorlage eines Rezepts in der Apotheke verfügbar. Allerdings nur bei schwerwiegenden Erkrankungen. Der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin muss zudem andere gängige Behandlungsmethoden ausschließen und die Möglichkeit einer Besserung durch medizinisches Cannabis sehen.

Balkendiagramm: Zahl der Verordnungen von medizinischem Cannabis steigt

Mit der Neuregelung stieg die Zahl der Behandlungen mit Cannabis auf Rezept stetig. Aber könnte THC nicht noch mehr Patienten und Patientinnen helfen? ÄRZTE.DE Experte Horst Boss hat sich die Situation genauer angeschaut.

Cannabis Wirkung: Wer kann davon profitieren?

Schon seit Jahrtausenden wird Cannabis als Medizin eingesetzt. Es steigert das Wohlbefinden und senkt die Schmerzempfindlichkeit. Durch die veränderte Wahrnehmung kann es Patienten und Patientinnen in schwierigen Situationen optimal unterstützen. Grund hierfür sind vor allem die Inhaltsstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Während THC für seine berauschende und entspannende Wirkung bekannt ist, kann CBD unter anderem Entzündungen eindämmen. Studien legen sogar nahe, dass sie zusammen krebshemmend sein könnten.

Verlässliche Daten zur Wirkung von Cannabis gibt es aktuell noch nicht. Bisher geht man von folgenden Anwendungsbereichen aus:

  • (chronische) Schmerzen
  • Muskelkrämpfe
  • Übelkeit und Erbrechen
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Angststörungen

Welchen Einfluss die Hanfpflanze dabei genau hat, ist noch nicht untersucht. Deshalb gibt es bis heute Kritik an Cannabis auf Rezept. Hochwertige wissenschaftliche Daten belegen aber durchaus einen Effekt. Demnach hilft medizinisches Marihuana nicht bei plötzlich auftretenden Beschwerden, sondern wirkt eher langfristig. Die Wirkung von Cannabis ist durchaus nachweisbar, doch scheint sie geringer zu sein, als von vielen erhofft.

Studienlage: Bei diesen Erkrankungen könnte Cannabis helfen

Balkendiagramm: Für welche Krankheiten wird medizinisches Cannabis eingesetzt

Über die Hälfte der bis 2022 verschriebenen Cannabis Medikamente wurde laut der Datenerhebung des Bundes gegen Schmerzen eingesetzt. Mögliche Einsatzgebiete sind etwa:

  • Fibromalgie
  • chronische Rückenschmerzen (etwa durch einen Bandscheibenvorfall oder Skoliose)
  • Arthrose
  • Migräne

Während einer Chemotherapie bei Krebserkrankungen wird Cannabis jedoch häufiger verschrieben. Dort kann es nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch Übelkeit eindämmen sowie Appetit anregen. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere mögliche Anwendungsbereiche, zum Beispiel:

  • ADHS
  • HIV/ AIDS
  • Parkinson
  • Spastizität bei Multipler Sklerose und Paraplegie
  • Tourette-Syndrom
  • Epilepsie
  • Angststörungen
  • Schlafstörungen

Wirkungslos zeigte sich Cannabis dagegen bei Depressionen und Psychosen, Demenz und Glaukom sowie entzündlichen Darmerkrankungen und Chorea Huntington.

Mögliche Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis

Auch in der Naturheilkunde kann es mitunter zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen, medizinisches Cannabis bildet hier keine Ausnahme. So kann Cannabis etwa Ängste, Panik oder Halluzinationen auslösen. Auch Verstimmungen bis hin zu Depressionen sind möglich. Lebensbedrohliche Komplikationen nach der Einnahme wurden bisher nicht beobachtet. Dennoch brechen einige Patienten und Patientinnen die Therapie wegen negativer Folgen ab.

Die Liste der möglichen Nebenwirkungen von Cannabis ist lang:

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Stimmungsschwankungen
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • trockene Augen
  • Muskelschwäche
  • Herzrasen
  • gesteigerter Appetit

Durch den illegalen Cannabiskonsum sind zudem langfristige Nebenwirkungen wie Abhängigkeit, Wahnvorstellungen und Psychosen bekannt. Bisher wurden diese bei medizinischem Cannabis nicht beobachtet. Grund dafür könnte eventuell die eher kurze Therapiedauer sein, denn mit der Zeit lässt die Wirkung von Marihuana nach. Sind die Beschwerden bis dahin nicht abgeklungen, muss auf andere Medikamente oder Therapien zurückgegriffen werden.

Medizinisches Cannabis und Autofahren

Sollte die Fahrtüchtigkeit durch medizinisches Cannabis beeinträchtigt werden, etwa durch Konzentrationsprobleme, Müdigkeit oder verminderte Reaktionsgeschwindigkeit, muss das Autofahren unterlassen werden.  Dieser Satz zeigt: Eine einheitliche Regelung zu Autofahren und medizinischem Cannabis gibt es bisher nicht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät dazu, das Thema direkt mit dem Arzt oder der Ärztin zu klären. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass gerade zu Beginn der Therapie sowie bei veränderter Dosierung oder neuen Präparaten, auf das Autofahren verzichtet werden sollte. Bisher gibt es allerdings keine Daten dazu, ob und wann das Führen von Fahrzeugen eine Beeinträchtigung darstellt. Im Zweifel sollten Patienten und Patientinnen deshalb während der Therapie besser auf das Autofahren verzichten.

Welcher Arzt verschreibt Cannabis?

Mit Ausnahme von Zahnärzten, Zahnärztinnen sowie Tierärzten und Tierärztinnen können seit 2017 alle Ärzte und Ärztinnen Cannabis verschreiben. Grundlage dafür ist wie eingangs genannt eine schwere Erkrankung, keine anderen infrage kommenden Therapien sowie eine begründete Hoffnung auf Besserung der Symptome.

In der Praxis kommt es allerdings recht selten vor, dass ein Patient oder eine Patientin zum Hausarzt bzw. der Hausärztin geht, um sich Cannabis verschreiben zu lassen. Vielmehr kommt das Thema im engen Austausch mit einem vertrauten Arzt oder einer vertrauten Ärztin zur Sprache. In der Regel sind infrage kommende Patienten und Patientinnen bereits in enger Betreuung aufgrund ihrer Erkrankung. Ob medizinisches Cannabis bei explizit Ihnen als Lerser/in dieses Artikels helfen kann, besprechen Sie deshalb am besten zu erst mit der Arzt oder der Ärztin Ihres Vertrauens.

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