Adaptogene Pflanzen: alte Heilpflanzen gegen Stress

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Sie leben unter schwierigen Verhältnissen und selbst die schlechtesten Bedingungen können sie nicht abschrecken. Adaptogene Pflanzen trotzen Trockenheit, Nahrungsmangel oder Dunkelheit. Sie wachsen auch noch an den unwirtlichsten Orten dieser Erde. Ihre Widerstandsfähigkeit ist nicht nur bewundernswert, zu gerne würden wir uns auch eine Scheibe davon abschneiden. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, dass sie schon lange als Heilpflanzen eingesetzt werden.

Was sind Adaptogene?

Der Begriff Adaptogene wird mit dem englischen oder lateinischen Wort für „Anpassen“ in Verbindung gebracht. Ob der Arzt Nicolai Lazarev, der ihn 1947 prägte, wirklich daran gedacht hat, ist nicht bekannt. Die Erklärung passt aber sehr gut zur Bedeutung. Denn Adaptagene sind sekundäre Pflanzenstoffe, die anpassungsfähiger machen. Sie sorgen dafür, dass Pflanzen auch in unwirtlichen Gegenden überleben, also zum Beispiel lange ohne Wasser oder Sonnenlicht auskommen.

Nicolai Lazarev war überzeugt davon, dass sich das zu einem gewissen Teil auf den menschlichen Körper übertragen lässt. Gemeinsam mit seinem Team untersuchte er viele tausend Pflanzen auf die unterschiedlichen Adaptagene. Dabei ging es ihm vor allem um Stressregulation.

Wie sollen adaptogene Pflanzen gegen Stress wirken?

Stress beeinflusst den Körper ganz unterschiedlich – je nach Auslöser und individueller Persönlichkeit. Er kann etwa den Herzschlag und Blutdruck erhöhen, aber auch die Verdauung verlangsamen oder Kopfschmerzen verursachen. Zudem gibt es ganz unterschiedliche Stresssituationen. Trauer unterscheidet sich als psycho-emotionaler Stressfaktor fundamental von einer entzündeten Wunde als körperlicher Faktor und Fluglärm als Umwelteinfluss, also ein externer Faktor.

Eine Behandlung bei akutem oder chronischem Stress ist deshalb in der Regel sehr individuell. Adaptogene Pflanzen sollen allerdings bei allen Stressfaktoren helfen. Grund dafür ist ihre regulierende Wirkung. Anders als die meisten Arzneimittel und Naturheilmittel sollen sie keine Nebenwirkungen haben und auch nicht überdosiert werden können. Denn Experten gehen davon aus, dass sie dem Körper helfen, sich anzupassen. Sie sollen die individuelle Toleranzgrenze erhöhen. So würden sie nicht die Stresssymptome bekämpfen, sondern vielmehr dafür sorgen, dass sie gar nicht oder erst später eintreten.

In erster Linie werden adaptogene Pflanzen deshalb in Ausnahmesituationen oder bei dauerhaftem Stress empfohlen. Viele erhoffen sich allerdings auch eine Langzeitwirkung. Denn Mediziner wissen, dass chronische Anspannung zu Folgeerkrankungen führen kann. Dazu gehören etwa Verdauungsbeschwerden, Herzerkrankungen oder Depressionen. Die Adaptogene könnten also auch schwere, teils chronische Erkrankungen verhindern.

Was sagt die Wissenschaft zu adaptogenen Pflanzen?

Adaptogene sind ganz verschiedene Stoffe, die alle unterschiedliche gut erforscht sind. Oft wurden auch nicht die Wirkstoffe selbst, sondern die ganzen Pflanzen untersucht. So ist die stressregulierende Wirkung von Ginseng zum Beispiel schon häufig nachgewiesen worden. Ginsenoside, der wichtigste Wirkstoff der Pflanze, ist dagegen weniger gut untersucht. Die EMA hat adaptogene Pflanzen deshalb auch nur vereinzelt und unter Vorbehalt in den Katalog der Heilpflanzen aufgenommen.

Hinzu kommt, dass viele adaptogene Produkte aus der Apotheke, dem Reformhaus, aber auch der Drogerie nur sehr wenig der sekundären Pflanzenstoffe enthalten. Das sie so wirklich gegen Stress helfen können, ist eher fraglich. Wer Ginseng, Rosenwurz oder andere adaptogene Heilpflanzen ausprobieren möchte, sollte deshalb auch darauf achten, in welcher Form und Menge sie eingenommen werden sollten. Sprechen Sie deshalb am besten vor der Einnahme mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

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