Schonende und minimalinvasive Parodontitis-Behandlung: Was bringt Hyaluronsäure für das Zahnfleisch?
Parodontitis ist eine der häufigsten Erkrankungen in der Zahnheilkunde. Die Bundeszahnärztekammer spricht auch von einer Volkskrankheit. Hat sie sich einmal ausgebreitet, bleibt sie als chronische Erkrankung zudem bestehen. Eine gute, umfassende Behandlung zur Eindämmung ist deshalb ein entscheidender erster Schritt für den Zahnerhalt.
Minimalinvasive Techniken und bioaktive Stoffe können dabei einen großen Beitrag leisten, die Parodontitis-Behandlung für Patienten und Patientinnen so angenehm wie möglich zu gestalten, so Zahnarzt Philipp Ziegler. Der Parodontose-Spezialist setzt in seiner Praxis zum Beispiel Hyaluronsäure ein, um die Heilung zu unterstützen. Wie die Zahnfleischbehandlung mit Hyaluronsäure genau funktioniert:
Einer Parodontitis geht eine Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) voraus. Besteht diese über einen längeren Zeitraum breiten sich die Bakterien über den gesamten Zahnhalteapparat aus. Kieferknochen und Zahnfleisch bilden sich zurück. Mit der Zeit entstehen so Zahnfleischtaschen, also Lücken zwischen Zahnwurzel und Zahnfleisch. Die betroffenen Zähne lockern sich und können im schlimmsten Fall ausfallen.
Wie entsteht eine Parodontitis?
Der Auslöser für eine Parodontose sind Beläge (Plaque) an den Zahnhälsen, nahe dem Zahnfleisch. Neben schlechter Mundhygiene werden diese etwa durch Rauchen, Diabetes oder genetische Veranlagung begünstigt. Bleibt der Plaque über längere Zeit bestehen, können sich dort Bakterien ausbreiten. Diese entzünden zunächst das Zahnfleisch, anschließend auch Zahnhaltefasern und Kieferknochen.
Eine Parodontitis sollte deshalb möglichst schnell und umfassend behandelt werden, um ein Fortschreiten zu verhindern.
Konventionelle vs. minimalinvasive Behandlungsmethoden
Die Parodontitis-Behandlung verfolgt das Ziel, bakterielle Beläge und entzündetes Gewebe aus den Zahnfleischtaschen zu entfernen, um die Entzündung zu stoppen und den Zahnhalteapparat zu stabilisieren. Dafür können unterschiedliche Methoden eingesetzt werden, je nach individueller Situation und Patientenwunsch.
Bei der Kürettage werden die Zahnfleischtaschen ausgekratzt und von Eitergewebe und Bakterien befreit. Die Dauer der Behandlung und die Belastung für Patient oder Patientin hängt dabei stark davon ab, wie weit die Entzündung schon vorgedrungen ist. Unter Umständen sind auch chirurgische Eingriffe nötig, bei denen das Zahnfleisch geöffnet oder Gewebe komplett entfernt wird.
Die Parodontitis-Behandlung kann Patienten und Patientinnen sehr belasten. Angst vor Schmerzen und eventuell unangenehmen Maßnahmen, die sie nicht sehen können sowie der langen Heilungsdauer sind nachvollziehbar. Die Behandlung sollte deshalb mit möglichst wenig Eingriff in das Gewebe auskommen.
Hier gibt es inzwischen auch einige minimalinvasive Methoden, die weniger Schmerzen, einen insgesamt angenehmeren Behandlungsverlauf und eine schnellere Heilung unterstützen können. Möglich sind etwa:
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Ultraschallreinigung
Zahnbeläge und Bakterien können bei einer professionellen Zahnreinigung auch mit Ultraschall ohne direkte Berührung entfernt werden. Dies ist vor allem bei Parodontitis im Anfangsstadium eine schonende und schmerzfreie Methode im Vergleich zur klassischen Zahnreinigung. -
Laserbehandlung
Eitergewebe, Beläge und Bakterien können mit dem Laser entfernt werden. Dieser ist besonders präzise und schmerzfreier als bisherige Instrumente, wodurch weniger „gesundes“ Gewebe entfernt und gleichzeitig die Belastung für den Patienten bzw. die Patientin minimiert wird. -
Antimikrobielle Gele
Um eine weitere Ausbreitung der Parodontitis einzudämmen, können in die gereinigten Zahnfleischtaschen antibakterielle Gele eingebracht werden. Wirkstoffe wie Chlorhexidin oder Doxycyclin können dort zurückbleibende Bakterien bekämpfen. Das kann Folgebehandlungen verhindern oder zumindest verringern.
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Hyaluronsäure
Auch Hyaluronsäure kommt nach der eigentlichen Parodontitis-Behandlung zum Einsatz. Sie wird in den behandelnden Stellen eingebracht, um die Heilung von Zahnfleisch, Zahnhaltefasern und Kieferknochen zu unterstützen und die Heilungsdauer zu verringern.
Hyaluronsäure für das Zahnfleisch: Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Hyaluronsäure kommt natürlich im Körper vor. Als wichtiger Teil des Bindegewebes bindet es Wasser und sorgt so für ausreichend Feuchtigkeit und Elastizität. Deshalb kann es nicht nur in der Beauty-Industrie, sondern auch in der Zahnheilkunde eingesetzt werden.
Dafür wird zum Beispiel nach der eigentlichen Parodontitis-Behandlung eine Injektion oder ein Gel aus hochvernetzter Hyaluronsäure in die Zahnfleischtaschen gegeben. Dort kann es die Wundheilung beschleunigen und körpereigene Zellen zur Regeneration des verloren gegangenen Gewebes anregen. Zusätzlich wird das durch die Entzündung zurückgegangene Zahnfleisch aufgepolstert, was weniger Angriffsfläche für Beläge und Bakterien bietet.
Diesen Vorgang bezeichnet man auch als bioaktiven Regenerationsfaktor. Dabei sollen körpereigene Stoffe bei der Regeneration unterstützen. Anschließend werden sie auf natürlichen Weg langsam abgebaut. Sie sind gut verträglich und können lokal begrenzt eingesetzt werden. Neben Hyaluronsäure kommen bei Parodontitis dafür auch Schmelzmatrixproteine infrage. Diese sind allerdings teurer und tierischen Ursprungs, weshalb sich die meisten Patienten und Patientinnen inzwischen für Hyaluronsäure zur Behandlung des Zahnfleisches entscheiden.
Hyaluronsäure in der Parodontitis-Behandlung: Das sagt die Wissenschaft
Eine großangelegte Studie, die eine Wirkung von Hyaluronsäure auf die Regeneration des Zahnfleisches zweifelsfrei bestätigt, gibt es bisher leider nicht. Dennoch rücken ihre Wirkung und ihre Einsatzmöglichkeiten immer mehr in den Fokus der Wissenschaft. Kleinere Untersuchung mit wenigen Teilnehmer:innen konnten allerdings vor allem in den Wochen und Monaten nach der Parodontitis-Behandlung einen positiven Effekt feststellen.
Zudem ist Hyaluronsäure in der Beautyindustrie ein umfassend getesteter Wirkstoff, der schon seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Ihre gute Verträglichkeit, die antibakterielle Wirkung und der aufpolsternde Effekt für Gewebe haben sich also bewährt. Diese positiven Eigenschaften können wir auch im Bereich der Zahnmedizin, etwa bei der Parodontitis-Behandlung mit Hyaluronsäure, nutzen und die Einsatzmöglichkeiten weiter ausbauen.