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Dr. med. Dipl. Biol. Peter Tamme

Dr. med. Dipl. Biol. Peter Tamme

Facharzt für Anästhesiologie, Spezielle Schmerztherapie, Psychotherapie

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Mit Ketamin erfolgreich Depression und Schmerzen bekämpfen

Die Entdeckung, dass das ursprünglich als Narkosemittel erfundene Ketamin bereits nach wenigen Anwendung in der Lage sein kann, schwere Depressionen innerhalb weniger Tage zu durchbrechen (sogenannte „Hit-and-go-Wirkung“), gehört zu den wichtigsten Entdeckungen im Bereich der Psychiatrie der letzten Jahrzehnte. 

Im Dämmerschlaf die Depression durchbrechen

Seelische und körperliche Schmerzen greifen häufig ineinander und verstärken sich gegenseitig. Sie lassen sich weder getrennt betrachten noch unabhängig voneinander behandeln, was das Ganze so überaus kompliziert macht. Die Behandlung chronischer Schmerzen und von Depressionen und Ängsten ist aufwendig, langwierig, kostspielig, geduldfordernd und häufig leider auch erfolglos. Wir wundern uns, dass die gängigen Behandlungskonzepte nicht zu den erwünschten Ergebnissen führen. Es ist wichtig, zusätzliche Pfeile im Köcher zu haben, um mit einer solchen Situation der Hilflosigkeit und Ratlosigkeit umgehen zu können

Chronischer Schmerz ebenso wie Angst und Depression sind weltweit Spitzenreiter, wenn es um den leidhaften Verlust wertvoller Lebensjahre, Lebensqualität und sozialer Funktionsfähigkeit geht. Dabei zeigen diese eigenständigen Erkrankungen (chronischer Schmerz, Depression und Angst) einige wichtige Überschneidungen hinsichtlich der Ursachen, dem therapeutischen Vorgehen und der therapeutischen Ziele. Die kombinierte Anwendung verschiedener Neuromodulationsverfahren erhöht noch die Wirksamkeit.

Ein Narkosemittel entpuppt sich als hochpotentes Medikament gegen Depression und Schmerz

Die Weltgesundheitsorganisation führt Ketamin seit langem in seiner Liste der unentbehrlichen Arzneimittel auf (Organization, W.H., WHO model list of essential medicines: 18th list, April 2013. 2013.) Erst vor weniger Jahren jedoch fand man heraus, dass es in niedriger Konzentration auch hervorragend in Psychiatrie (z.B. bei Depressionen) und in der Schmerzmedizin (z.B. bei neuropathischem Schmerz und Fibromyalgie) eingesetzt werden kann, sowohl allein in der Anwendung von mehreren aufeinanderfolgenden  Infusionen als auch in der Kombination mit einem der bereits gut etablierten  Neuromodulationsverfahren rTMS oder tDCS. Während herkömmliche Antidepressiva auf die Bio-Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin, Melatonin und Dopamin Einfluss nehmen, wirkt Ketamin an den sogenannten NMDA-Rezeptoren und greift damit in zentrale Regulationsvorgänge von Schmerzen und Psyche ein. Auch als Medikament gegen Krampfanfälle wirkt es schnell und zuverlässig, weshalb der kombinierte Einsatz mit rTMS günstig ist: durch die Erhöhung der Krampfschwelle lassen sich bei rTMS sogar höhere Stimulationsintensitäten erreichen (siehe Literaturliste).

Unser Arbeitsschwerpunkt und die Kernkompetenz der Praxis am Uni-Campus in Lüneburg liegt auf dem Gebiet der Neuromodulation zur Therapie von chronischem Schmerz, Depression und Angst.

Werden die Verfahren von Fachorganisationen empfohlen?

Zu verdanken ist die Erschließung dieser erfolgversprechenden Therapiemethoden der aktiven Arbeit und Forschung wissenschaftlicher Fachgesellschaften. Besonders zu nennen ist hier die IASP (International Society for the Study of Pain), die APA (American Psychological Association), die RSM (Royal Society of Medicine) und die American Society of Regional Anesthesia and Pain Medicine.

  • Borris, D.J., E.H. Bertram, and J. Kapur, Ketamine controls prolonged status epilepticus. Epilepsy research, 2000. 42(2-3): p. 117-122.
  • Fang, Y. and X. Wang, Ketamine for the treatment of refractory status epilepticus. Seizure, 2015. 30: p. 14-20.
  • Hsieh, C.-Y., et al., Terminating prolonged refractory status epilepticus using ketamine. Clinical neuropharmacology, 2010. 33(3): p. 165-167.
  • Kramer, A.H., Early ketamine to treat refractory status epilepticus. Neurocritical care, 2012. 16(2): p. 299-305.
  • Manocha, A., K.K. Sharma, and P.K. Mediratta, Possible mechanism of anticonvulsant effect of ketamine in mice. 2001.
  • Prüss, H. and M. Holtkamp, Ketamine successfully terminates malignant status epilepticus. Epilepsy research, 2008. 82(2-3): p. 219-222.
  • Rosati, A., et al., Efficacy and safety of ketamine in refractory status epilepticus in children. Neurology, 2012. 79(24): p. 2355-2358.
  • Synowiec, A.S., et al., Ketamine use in the treatment of refractory status epilepticus. Epilepsy research, 2013. 105(1-2): p. 183-188.
  • Zeiler, F., Early use of the NMDA receptor antagonist ketamine in refractory and superrefractory status epilepticus. Critical care research and practice, 2015. 2015.

 

Weitergehende Informationen erhalten Sie in der Praxis für Neuromodulation in der Schmerz- und Psychotherapie in Lüneburg (Mail: dr.peter.tamme@t-online.de), unsere webseiten www.wege-aus-der-depression.de, www.ketaminpro.de und www.die-schmerzpraxis.de oder in der ZDF-Mediathek „Hilfe für die Seele-Wege aus der Depression“.

 

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