Durch eine Refertilisierung kann eine Vasektomie rückgängig gemacht werden. - © majdansky Fotolia
Dr. med. Martin Petsch

Dr. med. Martin Petsch

Facharzt für Urologie

Dr. Martin Petsch ist seit über zehn Jahren hauptberuflich als Spezialist für Refertilisierung tätig und führt in seiner Mikro-Chirurgie Spezialpraxis täglich Refertilisierungen durch. Mit der hauptberuflichen Spezialisierung auf Mikro-Chirurgie und auf die Rückgängigmachung der Vasektomie ist die Praxis von Dr. Martin Petsch einzigartig in Deutschland und ganz Europa.

Durch eine Refertilisierung kann eine Vasektomie rückgängig gemacht werden. - © majdansky Fotolia

Kinderwunsch trotz Vasektomie?

Es gibt viele Gründe für einen Mann, sich sterilisieren zu lassen. Dabei spielen Gedanken zur Verhütung, Lebensplanung und in seltenen Fällen auch gesundheitliche Faktoren eine Rolle. Die Vasektomie kann verhältnismäßig risikoarm durchgeführt werden und gilt für viele Männer als sichere Alternative.

Dennoch denken etwa 7 % der Männer nach einer Sterilisation darüber nach, doch wieder Kinder zu bekommen. Eine neue Partnerin oder eine veränderte Lebenssituation lässt sie die Entscheidung zur Vasektomie noch einmal überdenken.

Aber ist es möglich, sie rückgängig zu machen? ÄRZTE.DE EXPERTE Dr. Martin Petsch ist Spezialist für Refertilisierung und führt Eingriffe zum Rückgängig-Machen der Sterilisation durch. Für uns hat er die Behandlung genauer erläutert.

Das passiert bei der Refertilisierung

Bei der Vasektomie werden die Samenleiter des Mannes durchtrennt. Um die Sterilisation wieder rückgängig zu machen, müssen sie also wieder verbunden werden. Deutschlandweit gibt es nur wenige Ärzte, die sich auf diesen mikrochirurgischen Eingriff spezialisiert haben. Aber auch wenn er nicht einfach durchzuführen ist, ist es mit einer Vasovasostomie, also der Samenleiter-Samenleiter-Verbindung, oft möglich die Fruchtbarkeit wiederherzustellen und so einen Kinderwunsch zu erfüllen.

Die Operation dafür findet unter dem Mikroskop statt und dauert etwa zwei bis drei Stunden. Zunächst wird der Samenleiter freigelegt und seine Durchgängigkeit überprüft. Gleichzeitig wird Spermasekret entnommen, um seine Qualität zu testen. Sind die Tests abgeschlossen, können die Samenleiter wieder verbunden werden. Mithilfe einer speziellen Nadel und eines sehr dünnen Nylonfadens, werden sie vorsichtig wieder zusammengenäht. Die ersten Stiche verbinden die innerste Schicht des Samenleiters. Damit wird er wasserdicht, ist aber noch sehr instabil. Mit einer weiteren Nadel wird auch die Muskelschicht vernäht. Jetzt ist der Samenleiter wieder stabil und sicher.

Manchmal ist eine Umleitung nötig

In einigen Fällen stellen wir nach dem Freilegen der Samenleiter fest, dass Veränderungen oder Verstopfungen im Nebenhodenbereich vorliegen. Eine einfache Verbindung der beiden Samenleiterteile ist so nicht mehr möglich. Die Fruchtbarkeit kann aber durch eine Art Umleitung wiederhergestellt werden. Wir nennen diese Nebenhoden Bypass oder auch Tubulovasostomie. Dafür öffnen wir den Nebenhodenkanal und verbinden ihn mit einem Teil des Samenleiters. Stabilisierungsnähte sorgen für eine feste und sichere Verbindung.

Da die Nebenhodenkanäle sehr filigran sind, ist auch hier höchste Präzision gefragt. Der behandelnde Arzt benötigt eine ruhige und sichere Hand. Hauchdünne Nylonfäden und winzige Pinzetten machen den Eingriff unter dem Mikroskop möglich.

Was passiert nach der Refertilisierung?

Der Eingriff, um die Sterilisation rückgängig zu machen, wird meist ambulant durchgeführt. Patienten sollten sich allerdings noch zwei Wochen Ruhe zum Heilen gönnen. Dazu gehören zum Beispiel kein Sport und keine Vollbäder. Eine Nachsorge ist nicht nötig.

Nach zwei bis drei Monaten kann mit einem Spermiogramm die Qualität der Spermien getestet werden. Das geht auch beim heimischen Urologen. Durch spezialisierte Operateure lassen sich Durchgängigkeitsraten von über 90 % erreichen. Nach meiner Erfahrung und über 2500 durchgeführten Refertilisierungen ist die Fruchtbarkeit auch von der Dauer der Vasektomie abhängt. Die Schwangerschafts- und Babyrate beeinflussen aber noch viele weitere Faktoren, zum Beispiel das Alter der Partnerin.

In den allermeisten Fällen lassen sich durch das Rückgängig-Machen der Vasektomie deutlich bessere Erfolgsprognosen erzielen als durch künstliche Befruchtung. Deshalb empfehle ich eine ausführliche Beratung, bevor Sie sich für eine Refertilisierung entscheiden.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: