MFA- und ZFA-Mangel: Warum viele Praxen keine MFA oder ZFA finden und was Praxisinhaber jetzt tun können

Arzt mit einem Schild Fachkräfte gesucht
Fachkräfte gesucht: Viele Arzt- und Zahnarztpraxen finden derzeit kaum medizinische Fachangestellte und kämpfen mit Personalmangel. | © HNFoto- stock.adobe.com

Der Personalmangel in Arzt- und Zahnarztpraxen spitzt sich weiter zu. Offene Stellen für Medizinische Fachangestellte (MFA) oder Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) bleiben häufig über Monate unbesetzt. Gleichzeitig zählt der Beruf, laut dem Deutschen Ärzteblatt, weiterhin zu den beliebtesten Ausbildungsberufen bei jungen Frauen in Deutschland.

Die Ursachen sind komplex. Neben strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen spielen auch Faktoren wie Vergütung, Arbeitsbedingungen und Karriereperspektiven eine Rolle. Wer diese Entwicklungen versteht, kann gezielt gegensteuern und seine Praxis als Arbeitgeber attraktiver positionieren.

Fachkräftemangel in Arztpraxen: Wie groß ist das Problem wirklich?

Der Personalmangel im ambulanten Bereich ist inzwischen gut dokumentiert. Viele Praxen berichten, dass Stellenanzeigen über Wochen oder Monate laufen, ohne dass geeignete Bewerbungen eingehen.

Eine Fachinformation des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt, wie angespannt die Lage in Arztpraxen ist:

  • 88,3 % der vertragsärztlichen Praxen bewerteten die Verfügbarkeit von MFA/Arzthelfer:innen auf dem regionalen Arbeitsmarkt als schlecht oder sehr schlecht
  • Nur 16,2 % gaben an, bei der Suche nach passendem Praxispersonal keine Schwierigkeiten gehabt zu haben

Auch Facharztverbände beobachten eine ähnliche Entwicklung. In einer Befragung des Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V., gab etwa jede zweite HNO-Praxis an, aktuell Personal zu suchen.

Im zahnmedizinischen Bereich zeichnet sich eine vergleichbare Entwicklung ab. Branchenanalysen gehen davon aus, dass bis 2027 mehr als 11.000 Zahnmedizinische Fachangestellte fehlen könnten.

Das Thema ist inzwischen auch regelmäßig Gegenstand gesundheitspolitischer Debatten.

Warum Arztpraxen trotz vieler Bewerber keine MFA finden

Viele Praxisinhaber berichten, dass durchaus Bewerbungen eingehen. Die Zusammenarbeit hält jedoch nicht lange an oder kommt gar nicht erst zustande.

Die häufigsten Ursachen sind:

  • unterschiedliche Erwartungen von Praxis und Bewerber
  • Arbeitsbelastung im Praxisalltag
  • begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten
  • Gehaltsunterschiede im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen
  • Gerade junge Fachkräfte vergleichen heute stärker verschiedene Arbeitsfelder im Gesundheitswesen

Gehalt von MFA und ZFA im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen

Ein wichtiger Grund für Personalengpässe liegt in der Gehaltsstruktur. Viele MFAs und ZFAs wechseln nach einigen Berufsjahren in andere Bereiche des Gesundheitswesens.

Gehaltsvergleich im Gesundheitswesen (Deutschland, Stand 2024)

Beruf Median-Bruttogehalt pro Monat typische Arbeitgeber
Medizinische Fachangestellte ca. 3129€ Arztpraxen, MVZ
Zahnmedizinische Fachangestellte ca. 2.669€ Zahnarztpraxen
Pflegefachkraft ca. 4135€ Krankenhäuser
Medizinisch-technische Assistenz ca. 4001€ Kliniken, Labore
Operationstechnische Assistenz ca. 4.687€ Kliniken

 

Der Unterschied kann schnell mehrere hundert Euro im Monat betragen. Gleichzeitig übernehmen MFAs und ZFAs in vielen Praxen eine zentrale Rolle im Praxisbetrieb:

  • Organisation des Terminmanagements
  • Patientenaufnahme und Betreuung
  • Assistenz bei Untersuchungen und Behandlungen
  • Abrechnung und Dokumentation
  • Telefonmanagement und Koordination
  • Viele Mitarbeitende empfinden deshalb ein Missverhältnis zwischen Verantwortung und Bezahlung

 

Der Ärzteverband Virchowbund äußert sich zu den Gründen:

„Arztpraxen konkurrieren beim Personal zunehmend mit Krankenhäusern und anderen Einrichtungen im Gesundheitswesen – können aber aufgrund der Vergütungsstrukturen häufig nicht dieselben Gehälter anbieten.“

Arbeitsbelastung: Ein weiterer Grund für den Personalmangel

Neben der Vergütung wird von medizinischen Fachangestellten häufig auch die Arbeitsbelastung im Praxisalltag als entscheidender Faktor genannt. In vielen Arztpraxen hat sich die Arbeit in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Steigende Patientenzahlen, umfangreichere Dokumentationspflichten sowie zusätzliche administrative Aufgaben sorgen dafür, dass der Arbeitsalltag häufig dichter getaktet ist als früher. Hinzu kommt ein hoher Kommunikationsaufwand, etwa durch Telefonate, Terminorganisation oder Rückfragen von Patientinnen und Patienten. Besonders während der Corona-Pandemie hat sich dieser Druck in vielen Praxen nochmals deutlich erhöht und wirkt teilweise bis heute nach.

Studien zeigen, dass Faktoren wie Arbeitsstress, fehlende Pausen und ein dauerhaft hohes Arbeitstempo die Zufriedenheit im Beruf deutlich beeinflussen.

Einzelpraxis oder MVZ: Welche Arbeitsumgebung bevorzugen Bewerber?

Auch die Praxisstruktur kann eine Rolle spielen, wenn es um die Attraktivität eines Arbeitsplatzes geht.

In Einzelpraxen arbeiten häufig nur wenige Mitarbeitende zusammen. Das kann ein sehr persönliches Arbeitsumfeld schaffen – gleichzeitig bedeutet es aber auch:

  • wenig Vertretungsmöglichkeiten
  • hohe Abhängigkeit von einzelnen Teammitgliedern
  • begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten

 

Wenn ein(e) MFA ausfällt oder kündigt, gerät der Praxisbetrieb schnell unter Druck.

 

Gemeinschaftspraxen oder MVZ bieten mit ihren größeren Strukturen häufig andere Vorteile:

  • größere Teams
  • flexiblere Arbeitszeitmodelle
  • klarere Aufgabenverteilungen
  • teilweise strukturierteres Personalmanagement

 

Gerade jüngere Bewerber:innen achten zunehmend auf solche Faktoren.

Warum Bewerber:innen und Praxen oft nicht zusammenfinden

Viele Praxen berichten, dass Bewerbungen zwar eingehen, die Zusammenarbeit aber nicht lange hält. Typische Gründe dafür sind:

Erwartungen der Bewerber

  • Wunsch nach planbaren Arbeitszeiten
  • bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf
  • höheres Gehalt 

 

Erwartungen der Praxen

  • hohe Belastbarkeit
  • Flexibilität im Praxisalltag
  • schnelle Einarbeitung
  • langfristige Bindung an die Praxis

 

Wenn diese Erwartungen nicht vor Vertragsschluss offen und ehrlich besprochen werden, kommt es häufiger zu frühen Kündigungen.

Warum viele MFA den Beruf gänzlich wechseln

Besonders problematisch für Arztpraxen ist, dass viele Fachkräfte den Beruf komplett verlassen.

Eine Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin nennt unter anderem folgende Gründe:

  • fehlende Wertschätzung
  • geringe Karriereperspektiven
  • steigende Arbeitsbelastung
  • attraktivere Angebote in anderen Branchen

 

Auch im zahnmedizinischen Bereich gilt die Tätigkeit inzwischen als Engpassberuf wie die zm online basierend auf einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schreibt:

„Zahnmedizinische Fachangestellte gehören inzwischen zu den Engpassberufen. Viele Praxen suchen über lange Zeit nach geeignetem Personal.“

Praxis-Check: Wie attraktiv ist Ihre Praxis als Arbeitgeber?

Praxisinhaber können sich selbst einige einfache Fragen stellen:

Wenn mehrere dieser Punkte nicht erfüllt sind, wird es zunehmend schwieriger, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten.

Mitarbeiter:innen für die Arztpraxis finden: Was Praxen jetzt tun können

Auch wenn viele strukturelle Faktoren politisch beeinflusst werden, können Praxen selbst einiges tun, um ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen.

1. Gehalt und Zusatzleistungen offen kommunizieren

Viele Bewerber wünschen sich Transparenz.

Hilfreich können sein:

  • klare Gehaltsangaben in Stellenanzeigen
  • Bonuszahlungen oder Erfolgsprämien
  • Fahrtkostenzuschüsse oder Jobtickets
  • Zuschüsse zu Fortbildungen
     

2. Planbare Arbeitszeiten anbieten

Ein häufiger Wunsch vieler MFA und ZFA ist mehr Planbarkeit.

Mögliche Ansätze:

  • feste Pausenregelungen
  • verlässliche Dienstpläne
  • flexible Teilzeitmodelle
     

3. Ausbildung in der Praxis strukturieren

Gerade in der Ausbildung entscheidet sich oft, ob Nachwuchskräfte langfristig im Beruf bleiben.

Beliebt sind:

  • ein klarer Ausbildungsplan
  • feste Ansprechpartner im Team
  • regelmäßige Feedbackgespräche
  • Zeit für Anleitung und Lernen
     

4. Entwicklungsmöglichkeiten schaffen

Viele MFA und ZFA möchten sich fachlich weiterentwickeln.

Beispiele für attraktive Perspektiven:

 

5. Die Praxis als Arbeitgeber sichtbar machen und Recruiting modernisieren

Auch im Gesundheitswesen wird Recruiting zunehmend professioneller. Das erhöht den Druck, die eigenen Prozesse von Stellenausschreibung bis Onboarding zu analysieren und zu optimieren.

Praxen können ihre Chancen deutlich verbessern durch:

  • eine ausführliche Karriereseite auf der Website mit Nennung der oben genannten Benefits und Regelungen, Stimmen zufriedener Mitarbeiter:innen
  • Erwähnung und Verlinkung der Stellenausschreibungen und Karriereseite in Branchenverzeichniseinträgen
  • moderne Stellenanzeigen
  • Kooperationen mit Berufsschulen
  • Präsenz auf Ausbildungsportalen oder Social Media  

Fachkräftemangel in Arztpraxen aktiv angehen

Der Fachkräftemangel bei medizinischen und zahnmedizinischen Fachangestellten wird Praxen auch in den kommenden Jahren begleiten. Entscheidend ist deshalb, nicht nur auf Bewerbungen zu warten, sondern aktiv an der eigenen Arbeitgeberattraktivität zu arbeiten. Wer frühzeitig in Arbeitsbedingungen, Ausbildung und Personalentwicklung investiert, kann seine Chancen deutlich verbessern.

Praxen, die sich bewusst als attraktiver Arbeitgeber positionieren, gewinnen nicht nur leichter neue Mitarbeitende – sie schaffen auch ein stabileres Team und sichern dadurch langfristig ihren Praxisbetrieb.

Weitere Informationen und Quellen:

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