Das Männliche Beckenschmerzsyndrom im osteopathischen Kontext

Ein Mensch trägt ein hellblaues T-Shirt und dunkelblaue Jeans und hält sich mit beiden Händen den rechten unteren Bauchbereich, als ob er Schmerzen hat. Der Hintergrund ist unscharf. Dieses Bild vermittelt den Eindruck von Bauchschmerzen oder Unwohlsein.
Ein Mensch trägt ein hellblaues T-Shirt und dunkelblaue Jeans und hält sich mit beiden Händen den rechten unteren Bauchbereich, als ob er Schmerzen hat. Der Hintergrund ist unscharf. Dieses Bild vermittelt den Eindruck von Bauchschmerzen oder Unwohlsein.

Noch immer besteht eine weitgehende Unklarheit über die Entstehung eines Beckenschmerzsyndroms. Rund 10 % aller Männer leiden unter den Symptomen eines Prostatitis-Syndroms. Um die entsprechenden Therapieansätze zu indizieren ist eine ausführliche Diagnostik von großer Bedeutung.

Einteilung des Prostatitis-Syndroms

Das National Institute of Health klassifiziert das Prostatitis-Syndrom in vier Kategorien:

Akute bakterielle Prostatitis

  • Schmerzen im Bereich der Prostata mit obstruktiven und irritativen Symptomen des unteren Harntrakts
  • Akute bakterielle Harnwegsinfektion mit systemischer Beteiligung

Chronische bakterielle Prostatitis

  • Chronische bakterielle Infektion der Prostata mit oder ohne prostatische Beschwerden
  • Häufig derselbe bakterielle Erreger bei einer wiederkehrenden Harnwegsinfektion

Chronische Prostatitis/Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS)

  • Unterteilung in entzündliches und nicht entzündliches CP/CPPS
  • Chronische Beckenschmerzen mit Beschwerden beim Wasserlassen
  • Kein Nachweis einer Harnwegsinfektion

Asymptomatische Prostatitis

  • Entzündung der Prostata nachweisbar
  • Patienten sind in diesem Bereich symptom- und beschwerdefrei.

Eine Osteopathische Studie von Sylvia Marx 2017, bezugnehmend auf das Chronische Beckenschmerzsyndrom, bekräftigt den positiven Einfluss von osteopathischen Behandlungen auf den Symptomenkomplex. Genau dieses vielschichtige Beschwerdebild gilt es etwas genauer zu beleuchten.

Ursache und Entstehung des CPPS

Bisher werden fünf unterschiedliche Ursachen in der Entstehung des CPPS diskutiert:

Infektion, Detrusor-Sphinkter-Dysfunktion, Immundysfunktion, interstitielle Zystitis und neuropathischer Schmerz.

  1. Bestimmte Mikroorganismen kommen als möglicher Infektionserreger infrage
  2. Entstehung einer funktionellen Obstruktion, die durch eine unzureichende Entspannung des Blasenhalses bei der Miktion entsteht. Die Folge ist ein turbulenter Harnfluss unterhalb der Blase, was zu einem Rückfluss von Urin in die Prostatakanälchen führen kann. Daraus kann eine chemisch induzierte Entzündung der Prostata entstehen.
  3. Erhöhter Spiegel von proinflammatorischen und erniedrigter Spiegel von antiinflammatorischen Zytokinen, gepaart mit Anzeichen von Autoimmunreaktionen.
  4. Hinweise auf eine interstitielle Zystitis, die bisher noch nicht bestätigt wurden.
  5. Zusammenspiel von sensorischen Nerven und Mastzellen als Mechanismus des Schmerzes.

Diagnose

Im Fokus steht der Schmerz, der im anorektalen und genitalen Bereich auftritt. Nicht selten ist der gesamte Beckenbereich betroffen. Die Symptome sollten für mind. 3 Monate in den letzten 6 Monaten bestanden haben sowie mit dem Standardfragebogen des NIH-Chronic Prostatitis-Symptom-Index validiert worden sein.

Oft werden anhand dieses Fragebogens begleitend psychosoziale Komponenten beschrieben, die unbedingt im therapeutischen Prozess angesprochen und begleitet werden sollen. Weiterhin wird die Differenzierung in eine entzündliche oder nicht entzündliche Form anhand von einer Ejakulatuntersuchung bestimmt. Die klinischen Grenzwerte der Unterteilung werden noch diskutiert.

Sollte eine Obstruktion für die Miktionsbeschwerden in Frage kommen, ist eine Uroflowmetrie sowie ein Restharnbestimmung indiziert.

Zur Differentialdiagnose sind Erkrankungen des Enddarms, der äußeren Genitale, der Harnröhre und der Harnblase zu beachten, da ein Schnittpunkt mit der nervalen Versorgung der Prostata besteht.

Therapie

Aus schulmedizinischer Sicht gibt es abhängig von der möglichen Ursache unterschiedliche Behandlungsansätze. Bei einer funktionellen Obstruktion wird eine mindestens sechsmonatige Therapie mit alpha-Rezeptorenblocker empfohlen. Dies soll entsprechende Rezeptoren der Prostata herabregulieren.

Liegt eine Funktionsstörung der Beckenbodenmuskulatur vor, die eine mögliche Ursache in der Entstehung des CPPS sein kann, werden medikamentöse Ansätze über Muskelrelaxanzien sowie neuerdings Injektionen mit Botulinumtoxin diskutiert.

Eine antibiotische Therapie ist nur bei chronischen Infektionen mit schwer nachweisbaren, nicht kultivierbaren Bakterien indiziert. Diese sollte innerhalb von zwei Wochen zu einer Besserung der Symptome führen, ansonsten ist die Gabe von Fluorchinolonen nicht weiter fortzuführen. Stehen Schmerzen im Vordergrund des Beschwerdebilds, kann durch nicht steroidalen antiinflammatorischen Substanzen (NSAID) die Prostaglandin-Synthese reduziert werden, was sich günstig auf das entzündete Prostatagewebe auswirken kann.

Zu pflanzlichen Medikamenten liegen bisher noch keine ausreichend evaluierten Studien vor, können aber in Erwägung gezogen werden.

Symptome wie imperativer Harndrang im Sinne einer Reizblase können eine Voraussetzung für die Gabe von Anticholinergika zur Entspannung der glatten Muskulatur der Harnblase sein.

Liegt weder eine bakterielle noch eine entzündliche Genese zu Grunde, werden dennoch seitens der Patienten entsprechende Symptome beschrieben, kann eine psychosomatische Komponente nicht ausgeschlossen werden. Diese Möglichkeit muss sorgfältig differenzialdiagnostisch abgewägt und interdisziplinär besprochen werden.

Osteopathie und das Chronische Beckenschmerzsyndrom

Eine entsprechende Studie von Marx 2017 beschreibt den Effekt von osteopathischen Interventionen bei einem CPPS. Durch Mobilisations-, Manipulations-, Dehntechniken und weiteren osteopathischen Techniken im Bereich des Beckens konnte eine Verbesserung der Symptome gezeigt werden (Reduzierung des NIH Chronic Prostatitis Symptome Index). Zusätzlich verringerten sich die Wasserlassbeschwerden der Ostheopathiegruppe.

Gute Ergebnisse scheint die Kombination von Medikamenten und Osteopathie zu erzielen, je nach Befundlage.

Aufgrund des komplexen, bisher noch ungeklärten Zusammenspiels diverser Faktoren scheint es schwierig, an den Auslösern dieses Beschwerdebilds anzusetzen. Ein interdisziplinärer Ansatz scheint unerlässlich, um den Patienten wieder mehr Lebensqualität zurückzugeben.

Eine ergänzende Behandlung durch einen erfahrenen Osteopathen oder eine erfahrene Osteopathin kann zusätzlich ein wichtiger Bestandteil im Management dieser Erkrankung sein.

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