Aktualisiert: 15.07.2024 | Lesezeit: 4 Minuten |
Sprachbarrieren bei der medizinischen Versorgung sind nicht nur ein zwischenmenschliches Problem, sondern können zu ernsthaften Folgen für die Patienten und Patientinnen führen. Mangelhafte Übersetzungen bei der Medikamenteneinnahme oder Schilderung der Symptome haben nicht selten Fehldiagnosen oder auch Fehltherapien zur Folge. Der Ausschluss fremdsprachiger Menschen ist nicht vertretbar und so braucht es Alternativen. Medizinische Übersetzer:innen sind das Bindeglied zwischen Ärzten oder Ärztinnen und Patienten oder Patientinnen.
Übersetzer vs. medizinischer Übersetzer - der große Unterschied
Übersetzungsprogramme gibt es wie Sand am Meer, die Qualität ist allerdings selbst mit KI-Nutzung heute immer noch mangelhaft. Schon winzige Formfehler im Arztbrief können den großen Unterschied in Sachen Patientenkomfort und Sicherheit machen.
Ein(e) Fachübersetzer:in für medizinische Übersetzungen, ein Beruf, der ein 5-jähriges Studium voraussetzt, ist nicht nur in der Lage, Texte in verschiedene Sprachen zu transferieren. Er bzw. sie besitzt außerdem tiefgehende medizinische Kenntnisse und kennt Fachbegriffe, Prozesse, Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten. Das hilft dem bzw. der Übersetzer:in dabei, etwaige Fehler aufzuklären und Arztbriefe in die korrekte medizinische Terminologie zu transferieren.
Kann eine App den medizinischen Übersetzer ersetzen?
Zu den Hauptaufgabengebieten eines medizinischen Übersetzers bzw. einer medizinischen Übersetzerin gehört die Übersetzung von Dokumenten wie Arztbriefen, Behandlungsverordnungen oder Medikamentenplänen. Das hilft dem neuen Arzt oder der neuen Ärztin zu verstehen, welche Behandlungen bereits im Voraus durchgeführt wurden und welche Diagnosen dabei gestellt worden sind.
Während des Patientengesprächs selbst ist ein Arztbrief aber nicht ausreichend. Liegen Sprachbarrieren vor, können diese mithilfe von Dolmetscher-Apps überbrückt werden.
Arzt oder Ärztin und Patient:in sprechen ihre Aussagen in die App ein, die diese dann für das jeweilige Gegenüber übersetzt.
Warum eine korrekte Übersetzung so wichtig für die Kommunikation und das Patientenwohl ist
Die Notwendigkeit korrekter Übersetzungen zieht sich durch alle medizinischen Fachrichtungen. Ob der Arzt bzw. die Ärztin Hilfe bei der Verordnung von Antibiotika und der Erläuterung des Behandlungsplanes braucht oder ob es darum geht, dem Patienten bzw. der Patientin eine schwierige Diagnose klar verständlich mitzuteilen.
Das Arzt-Patienten-Verhältnis basiert auf Vertrauen und Zufriedenheit. Für Patienten und Patientinnen ist es entscheidend, dass sie die medizinischen Informationen ihres Arztes bzw. ihrer Ärztin verstehen und die Möglichkeit haben nachzufragen. Das stabilisiert das Verhältnis und macht manche Untersuchungen und Therapien überhaupt erst möglich.
Nehmen wir beispielsweise die Früherkennung und Vorsorge vor Augenerkrankungen bei Kindern. Solche Untersuchungen sind nur möglich, wenn Arzt oder Ärztin und Patient:in miteinander kommunizieren können. Das Kind muss die Anweisungen des Arztes bzw. der Ärztin verstehen, um sie befolgen zu können. Viele Ärzte und Ärztinnen sind zwar mehrsprachig, die Kommunikation ist aber trotzdem eingeschränkt.
Warum auch die Behandlungsqualität durch Übersetzungen gehoben wird
Je genauer die Krankengeschichte und die Symptome eines neuen Patienten oder einer neuen Patientin bekannt sind, desto besser funktioniert die Behandlung. Viele Menschen kommen aus dem Ausland nach Deutschland und bauen sich hier ihr Leben auf. Trotz der Bemühungen die Sprache zu lernen, reichen die Kenntnisse oft nicht aus, um schwierige Bereiche wie Medizin korrekt zu verstehen. Genau hier ist die Übersetzung Gold wert, denn sie ermöglicht eine klare und zweifelsfreie Erläuterung der bisherigen Beschwerden und erfolgten Therapien.
Wenn der Arzt oder die Ärztin genauen Einblick hat, kann er bzw. sie die Therapie genau auf den Patienten oder die Patientin anpassen. Möglicherweise folgenschwere Fehler, wie eine nicht-genannte Allergie auf ein Medikament oder Unverträglichkeiten gehen dank Übersetzungen deutlich zurück. Am Ende wartet die effizientere Patientenversorgung unabhängig vom kulturellen und sprachlichen Hintergrund.
Kulturelle Sensibilität lässt sich nicht durch Standardprogramme abdecken
Verschiedene Kulturen haben unterschiedliche Ansprüche und Bedingungen für medizinische Behandlungen. Der Arzt oder die Ärztin hat die Aufgabe, respektvoll und sensibel auf die Bedürfnisse seiner Patienten und Patientinnen einzugehen. Um das möglich zu machen, sind genaue Kenntnisse dieser Wünsche erforderlich. Übersetzungen vom Profi geben dem oder der Mediziner:in einen authentischeren Einblick als ein automatisches Übersetzungsprogramm.
Es dient zwar der ersten Orientierung, verrät aber nichts über Sensibilitäten oder Individualitäten eines Patienten bzw. einer Patientin. Ganz besonders in sensiblen Fachrichtungen wie der Gynäkologie oder Urologie ist das entscheidend, aber auch einfach in der Praxis des Hausarztes oder der Hausärztin kann es sehr hilfreich sein.
Ärzte und Ärztinnen müssen sich an dieser Stelle einmal in das Gegenüber hineinversetzen. Der Patient bzw. die Patientin steht dort, beherrscht die Sprache des Arztes oder der Ärztin noch nicht vollständig und ist aufgrund medizinischer Gegebenheiten besorgt. Stößt er bzw. sie nun auf ein empathisches Gegenüber und hat die Möglichkeit, alle Belange ohne sprachliche Hürden zu klären, sorgt das für Wohlbefinden und Vertrauen und damit für eine bessere medizinische Versorgung.
Weitere Informationen:
- Translation Clinic: https://translation-clinic.com/
- Dolmetscher-Apps im Patientengespräch: Talk per Touch: https://www.aerzteblatt.de/archiv/134895/Dolmetscher-Apps-im-Patientengespraech-Talk-per-Touch
- A Comparative assessment of ChatGPT vs. Google Translate for the translation of patient instructions: https://jmai.amegroups.org/article/view/9019/html
