Ärztemangel – gibt es einen Ausweg?

Der Ärztemangel sorgt bei Patienten und Medizinern gleichermaßen für Unmut.
Der Ärztemangel sorgt bei Patienten und Medizinern gleichermaßen für Unmut. | © HNFOTO - stock.adobe.com

Beim aktuellen Ärztemangel ist kein Ende in Sicht. Vielmehr scheint sich die Situation in den nächsten Jahren noch weiter zu verschärfen. Obwohl die Anzahl der niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen kontinuierlich leicht zunimmt, sorgen verschiedene Faktoren dafür, dass die Ärzteprognose düster aussieht: akuter Ärztemangel, Tendenz steigend.

Dieser Umstand findet auch Niederschlag in den zahlreichen Artikeln, die in der Presse und anderen Medien erscheinen. Längst sind es nicht nur medizinische Fachzeitschriften, die auf den Ärztemangel aufmerksam machen.

Nicht nur Altersgründe, sondern zunehmend auch die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens werden in Fachgremien für die Misere im Gesundheitswesen verantwortlich gemacht. Laut BÄK-Vizepräsident Dr. med. Günther Matheis sind es die immer schlechteren Arbeitsbedingungen, die zu unzumutbaren Folgen für Ärzte und Ärztinnen, sowie Patienten und Patientinnen führen. Das Fazit des deutschen Ärztetages "Ärztemangel: Schlechte Aussichten" macht deutlich, warum inzwischen viele Stellen unbesetzt bleiben.

Ausweg aus der Ärztekrise durch neue, flexible Arbeitsmodelle

Während Kliniken über akuten Ärztemangel klagen und Patienten und Patientinnen als Leidtragende sich mit einer auf ein Minimum reduzierten Verweildauer abfinden müssen, gewinnt derzeit ein innovatives Arbeitsmodell für Ärzte und Ärztinnen an Fahrt. Mit der Tätigkeit als Honorararzt bzw. Honorarärztin scheint sich ein vielversprechendes Konzept durchzusetzen, das allen Seiten Vorteile bietet:

  • flexible Arbeitseinteilung für Ärzte und Ärztinnen,
  • bedarfsgesteuerter Einsatz von Vertretungsärzten und Vertretungsärztinnen für Kliniken und
  • eine therapiegerechte Versorgung für Patienten und Patientinnen.

Insbesondere kurzfristige Ausfälle in Kliniken können durch Honorarärzte und Honorarärztinnen bzw. Vertretungsärzte und Vertretungsärztinnen effizient aufgefangen werden. Auf der anderen Seite steigt das Interesse der Ärzte und Ärztinnen an Teilzeittätigkeit, was beim derzeitigen Leistungsdruck und gängigen 60-Stunden-Schichten nicht verwunderlich ist. Nachtschichten und Überstunden führen zu einer extrem hohen Stressbelastung, von einer angemessenen Work-Life-Balance kann keine Rede sein. Der Trend zum flexiblen Arbeiten als Mediziner:in ist verständlich, die Vorteile liegen auf der Hand. Kurzfristige, flexible Einsätze gewährleisten einerseits Ärzten und Ärztinnen eine ausgeglichene Work-Life-Balance und mehr Selbstbestimmung, andererseits den Kliniken den schnellen Ersatz bei Ausfällen ohne großem Verwaltungsaufwand.

Entwicklung und Tendenzen des Arbeitsmarktes für Ärzte

Während der Beruf des Arztes bzw. der Ärztin und die Verwaltung von Kliniken bisher recht wenig mit Marketing wie in anderen Bereichen der Wirtschaft zu tun hatte, zeigen die neusten Tendenzen, dass hier ein starkes Umdenken stattfindet. Beispiele für das Employer Branding für Ärzte und Ärztinnen beweisen, das modernste Werbestrategien in die Welt der Kliniken Einzug halten. Mittlerweile fordern Mediziner:innen ein angenehmes Arbeitsumfeld, Selbstbestimmung und mehr Selbstständigkeit.

Allerdings ist letztere an gewisse Bedingungen geknüpft, wie ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 4.Juni 2019 zeigt. Damit der Vorwurf der Scheinselbstständigkeit zweifelsfrei entkräftet werden kann, sollten interessierte Ärzte und Ärztinnen die Informationen zur Tätigkeit als Honorararzt bzw. Honorarärztin genau beachten. Die regelmäßige Tätigkeit als solche(r) im selben Krankenhaus ist jedenfalls kontraproduktiv. Vorzuziehen sind daher oben genannte echte Flex-Modelle, die eine vollkommen freie Buchung in verschiedenen Kliniken sicherstellen.

Fazit: Flexibles Denken und Handeln gefragt

Der Arbeitsmarkt für Ärzte und Ärztinnen entwickelt sich trotz steigender Zahl der berufstätigen Mediziner:innen rückläufig, das Risiko vor Versorgungsmängeln wächst. Einerseits gehen im Moment mehr Mediziner:innen in den Ruhestand als je zuvor, andererseits besteht ein teilweise pandemiebedingter Ausbildungsrückstand. Zusammen mit dem genannten Trend zu Teilzeit und Selbstständigkeit entsteht derzeit ein akutes Ärztevakuum, das nur durch flexibles Denken und Handeln kurzfristig gelöst werden kann.

Weiterlesen:

ZEIT Online: Ärztemangel: Hier drückt es
aerzteblatt.de: DEUTSCHER ÄRZTETAG. Ärztemangel: Schlechte Aussichten.
Ärztekammer Nordrhein: Informationen zur Tätigkeit als Honorararzt.

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