Wie ist das mit der Corona-Impfung? 4 Geimpfte berichten

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Die einen warten schon sehnsüchtig auf einen Impftermin, die anderen sind eher skeptisch: Seit Anfang des Jahres sind die Corona-Impfungen in aller Munde. Wie ist es, schon geimpft worden zu sein? Wir haben mit vier Geimpften über ihre persönlichen Erfahrungen gesprochen.

Impfbericht Laura, 19 Jahre

ÄRZTE.DE: Warum haben Sie sich für eine Impfung entschieden?

Ich möchte dazu beitragen, dass ein Großteil der Menschheit geimpft ist und wir so wieder schneller zur Normalität zurückkehren können. Zusätzlich möchte ich mich dadurch natürlich auch selber schützen.

Durch meine Arbeit im Impfzentrum habe ich schnell eine Impfung erhalten. Ich habe mich gefreut, dass ich die Möglichkeit dazu hatte.

ÄRZTE.DE: Wie lief die Impfung ab?

Ich war für die Impfung im Impfzentrum. Weil ich eine Mitarbeiterdosis erhalten habe, musste ich nicht lange warten.

Außerdem habe ich einen Fragebogen, auf dem ich meine Daten angegeben habe, einen Anamnesebogen und einen Aufklärungsbogen über meinen Impfstoff ,,Biontech“ bekommen. Ich war nicht dazu verpflichtet die Bögen vor dem Gespräch mit dem Arzt zu unterschreiben. Der Arzt hat alle meine Fragen geduldig beantwortet und mich auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen.

ÄRZTE.DE: Hatten Sie Nebenwirkungen? Wie haben Sie sich nach der Impfung gefühlt?

Nach der ersten Impfung war ich sehr müde und habe viel geschlafen. Sonst war alles in Ordnung.

Abends nach der zweiten Impfung sind Nebenwirkungen aufgetreten. Neben starken Kopfschmerzen hatte ich erhöhte Temperatur, Schmerzen an der Einstichstelle, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Dies hielt für ca. 24 Stunden an.

ÄRZTE.DE: Was hat sich in Ihrem Leben nach der Impfung verändert?

Ich selber fühle mich sicherer, aber ich verhalte mich nicht anders, da ja trotzdem noch nicht geklärt ist, ob ich das Virus an andere Menschen übertragen kann.

Dadurch, dass man als Geimpfter im Moment noch keine besonderen Privilegien hat, hat sich für mich ansonsten nicht viel geändert. 

  Wo wird momentan geimpft?

  Die Corona-Impfung stellt das deutsche Gesundheitssystem vor eine neue Herausforderung. Viele der
  Impfstoffe müssen speziell gelagert werden. Außerdem sollen möglichst viele Menschen in kürzester Zeit und
  unter den aktuellen Hygiene-Maßnahmen geimpft werden. Damit das funktioniert, wurden spezielle
  Impfangebote eingerichtet

  • Impfzentren, z. B. in Messehallen, Stadthallen, Einkaufszentren, etc.
  • mobile Impfteams, die etwa in Pflegeheime oder Tagespflegeeinrichtungen kommen und die Bewohner impfen

   Inzwischen wird auch an anderen Stellen geimpft

  • Hausarzt
  • ausgewählte Betriebsärzte

Impfbericht, Erna & Erwin 90 Jahre

ÄRZTE.DE: Warum haben Sie sich für eine Impfung entschieden?

Wir wollten ein Stück Sicherheit für uns beide. Am Anfang war Erna nicht so dafür, aber als wir dann einen Termin hatten, haben wir uns gemeinsam entschieden, das zu machen.

ÄRZTE.DE: Wie lief die Impfung ab?

Die Impfung war dann auch richtig gut. Beim ersten Termin mussten wir 20 Minuten anstehen. Erwin sollte eigentlich erst am nächsten Tag drankommen. Die Dame hat ihn gefragt, wann er seinen Termin hat; und dann haben sie uns gleich beide gemeinsam geimpft. Bei der zweiten Impfung hatten wir fast gar keine Wartezeit. Im großen Warteraum war viel Platz für alle, es konnte niemand direkt nebeneinander sitzen, auch wir nicht. Dort mussten wir 15 Minuten warten und früher hätten sie uns auch nicht gehen lassen. Wir haben dafür extra einen kleinen Aufkleber auf den Ärmel bekommen, damit die Wartezeit eingehalten wird.

ÄRZTE.DE: Hatten Sie Nebenwirkungen?

Wie bei der Grippe wird bei der Corona-Impfung direkt in den Muskel gespritzt. Gegen Abend haben wir beide die Einstichstelle gemerkt, etwa wenn wir den Arm bewegt haben. Sonst hatten wir aber nichts.

ÄRZTE.DE: Was hat sich in Ihrem Leben nach der Impfung verändert?

Grundlegend hat sich nichts geändert. Wir haben beide nicht die Einstellung, dass uns jetzt nichts mehr passieren kann. Die Grippe kann man nach der Impfung ja auch gemildert bekommen. Nur eine schwere Erkrankung ist jetzt wahrscheinlich nicht mehr möglich. Es gibt ein Stück Sicherheit, aber 100 % Schutz gibt es nicht. Wir gehen Lebensmittel einkaufen, ansonsten bleiben wir aber zuhause und gehen nicht in andere Läden, auch wenn Erna das gerne einmal wieder machen würde.

Die Priorisierung: Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Gruppe 1

  • über 80-Jährige

  • Bewohner und Mitarbeiter von stationären und teilstationären Einrichtungen sowie Wohngruppen

  • Personen, die COVID-19 Impfungen durchführen

  • Pflegekräfte und Prüfer in ambulanten Pflegediensten

  • Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen, die einem hohen Expositionsrisiko in Bezug auf COVID-19 ausgesetzt sind

  • Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen, die Patienten mit einem sehr hohen Risiko eines schweren Verlaufes behandeln, betreuen oder pflegen

















































Gruppe 2

  • über 70-Jährige
  • Personen mit erhöhtem Risiko durch
    • Trisometrie 21
    • Conterganschädigung
    •  Organtransplantation
    • Demenz und geistige Behinderung
    • schwere psychiatrische Erkrankung
    • behandlungsbedürftige Krebserkrankung
    • schwere chronische Lungenerkrankung
    • Muskeldystrophien und vergleichbare neuromuskuläre Erkrankungen
    • Diabetes mellitus mit Komplikationen
    • Leberzirrhose oder chronischen Lebererkrankung
    • chronische Nierenerkrankung
    • Adipositas (BMI über 40)

  • Patienten mit einem erhöhten Risko aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall (individuelle ärztliche Beurteilung nötig)

  • Bis zu zwei Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Personen, die nicht in einer Einrichtung leben und eine der oben genannten Vorerkrankungen haben

  • Bis zu zwei Kontakpersonen von Schwangeren
  • Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen oder in Heilberufen, die einem erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf COVID-19 ausgesetzt sind

  • Polizei und Einsatzkräfte, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind sowie Soldaten und Soldatinnen im Auslandseinsatz

  • Mitarbeiter der Bundesregierung, des Deutschen Archäologischen Instituts sowie politischer Stiftungen oder Organisationen, die im Ausland eingesetzt sind

  • Mitarbeiter in Kinderbetreuungseinrichtungen, Kindertagespflege, Grundschulen, Sonderschulen und Förderschulen

  • Mitarbeiter in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen, Frauenhäusern oder Wohnungshilfe-Einrichtungen

  • Mitarbeiter bei Angeboten zur Unterstützung des Alltags bei älteren oder pflegebedürftigen Personen






Gruppe 3

  • über 60 Jährige
  • Personen mit höherem Risiko durch
    • in Remission befindlicher Krebserkrankung
    • Immundefizienz oder HIV-Infektion
    • Autoimmunerkrankung
    • rhematologische Erkrankung
    • Herzinsuffizienz
    • Arrhytmie
    • Schlaganfall
    • Asthma
    • chronisch entzündliche Darmerkrankung
    • Diabetes mellitus ohne Komplikationen
    • Adipositas (BMI über 30)

  • Patienten mit einem höheren Risko aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall (individuelle ärztliche Beurteilung nötig)

  • Bis zu zwei Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Personen, die nicht in einer Einrichtung leben und eine der oben genannten Vorerkrankungen haben

  • Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel
  • Wahlhelferinnen und Wahlhelfer

  • Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen mit niedrigem Expositionsrisiko in Bezug auf COVID-19

  • Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe sowie in Schulen

  • Mitarbeiter in besonders relevanten Positionen in Einrichtungen und Unternehmen der kritischen Infrastruktur

  • Mitglieder oder Mitarbeiter in relevanten Positionen bei
    • Verfassungsorganen
    • Regierungen und Verwaltungen
    • Bundeswehr
    • Polizei
    • Zoll
    • Feruerwehr
    • Katastrophenschutz
    • Justiz und Rechtspflege
    • deutschen Auslandsvertretungen
  • Sonstige Personen, bei denen aufgrund der Arbeits- oder Lebensumstände ein erhöhtes Infektionsrisiko mit COVID-19 besteht

Gruppe 4

  • alle Personen mit geringem Risiko eines schweren Verlauf einer COVID-19 Erkrankung













































































Impfbericht Falko, 34 Jahre

ÄRZTE.DE: Warum haben Sie sich für eine Impfung entschieden?

Da ich im Kindergarten arbeite, bin ich täglich einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit einer Infektion ausgesetzt. Außerdem halte ich es für sehr wichtig, um irgendwann mal wieder Normalität zu erlangen.

ÄRZTE.DE: Wie lief die Impfung ab?

Obwohl wir in einem Berufsfeld arbeiten, das täglich mit Menschen zu tun hat, die uns anstecken könnten, waren Erzieher erstmal nicht priorisiert. Nach langem hin und her haben wir dann aber kurzfristig einen Termin bekommen. Danach ging es sehr schnell. Ich glaube, ein bis zwei Tage später hatte ich meinen Termin. Vor Ort lief alles reibungslos. Das Personal war sehr nett, hygienetechnisch fand ich es auch gut und ich wurde umfassend aufgeklärt. Nach 20-25 Minuten sowie fünf Minuten Wartezeit nach der Impfung war es vorbei. Alles lief reibungslos und war super

ÄRZTE.DE: Hatten Sie Nebenwirkungen?

Ein bisschen, aber nicht schlimm. An dem Tag und Abend war ich müde. Zwei Tage später hatte ich an dem Arm mit der Einstichstelle Gliederschmerzen in den Fingern.

ÄRZTE.DE: Was hat sich in Ihrem Leben nach der Impfung verändert? Verhalten Sie sich jetzt anders?

Nein, weil ich habe die zweite Impfdosis noch nicht bekommen. Deshalb bin ich noch genauso vorsichtig wie vorher und werde es wahrscheinlich auch danach so machen.

  Verunsicherung mit Astra Zeneca und Johnson & Johnson

  Alle Impfstoffe gegen COVID-19 wurden im Schnellverfahren zugelassen. Das bedeutet auch, dass noch nicht alle Fragen umfassend beantwortet werden konnten. Eine neue Situation, die die Verantwortlichen
  im Fall von Astra Zeneca und jetzt auch Johnson & Johnson vor eine große Herausforderung gestellt hat. Sinusvenenthrombosen gehören bei beiden Vektorimpfstoffen zu den sehr seltenen Nebenwirkungen.
  Da sie aber erst nach Impfstart entdeckt wurden, konnten sie im Voraus nicht genauer untersucht werden.

  In vielen Ländern kam es deshalb zu einem vorsorglichen Impfstopp. Kurzzeitig wurde Astra Zeneca nur an bestimmte Altersgruppen ausgegeben. In Deutschland bleibt der Impfstoff trotz einer vollen
  Zulassung der EMA weiterhin Personen über 60 Jahren vorbehalten. Viele Menschen hat das verunsichert oder veranlasst, sich gegen eine Impfung zu entscheiden. Dennoch ist die Gefahr einer
  Sinusvenenthrombose sehr gering. Eine gute Aufklärung vor der Impfung sorgt zudem dafür, dass diese rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann. Wenn auch Sie Fragen zu den Impfstoffen oder zu
  seinen Nebenwirkungen haben, sprechen Sie am besten direkt mit Ihrem Hausarzt oder den Mitarbeitern des Impfzentrums.

Impfbericht Kirsten, 61 Jahre

ÄRZTE.DE: Warum haben Sie sich für eine Impfung entschieden?

Als Teil vom Krankenhauspersonal hatte ich die Möglichkeit mich freiwillig impfen zu lassen. Ich möchte mich selber schützen und natürlich meine Mitmenschen, besonders schutzbedürftige Personen in meinem näheren Umfeld.

ÄRZTE.DE: Wie lief die Impfung ab?

Die Impfung hat durch das Krankenhaus stattgefunden, in dem ich arbeite. Ich erhielt vorab einen Termin und musste einen Tag vor der Impfung einen PCR-Test machen, der negativ sein musste, damit man die Impfung erhält. Vor der Impfung musste man Formulare ausfüllen und erhielt einen Aufklärungsbogen. Zusätzlich bekamen wir ein 15-minütiges Aufklärungsgespräch mit einem Internisten unseres Krankenhauses.

ÄRZTE.DE: Hatten Sie Nebenwirkungen?

Am Tag der Impfung habe ich mich schlapp gefühlt. An Tag 2 und 3 nach der Impfung hatte ich leichte Temperatur.

ÄRZTE.DE: Konnten Sie Ihre zweite Impfung wie geplant bekommen?

Die zweite Impfung steht noch aus. Ob es auch bei der zweiten Impfung Astra Zeneca ist, weiß ich nicht, aber da ich über 60 bin, gehöre ich nicht zu der Gruppe bei der Astra Zeneca ausgeschlossen ist.

ÄRZTE.DE: Hat die Berichterstattung zu Astra Zeneca Sie verunsichert?

Verunsicherung ist natürlich etwas da, allerdings überwiegt der Wunsch nach Normalität und Schutz vor Ansteckung. Deshalb bin ich auch weiterhin überzeugt, mir die zweite Impfdosis geben zu lassen, wie ich es bereits bei der ersten war, bevor es negative Schlagzeilen zu Astra Zeneca gab.

ÄRZTE.DE: Was hat sich in Ihrem Leben nach der Impfung verändert?

Viel verändert hat sich durch die Impfung nicht, da es zum einen noch keine Vorteile für Geimpfte gibt und mir die zweite Impfung auch noch fehlt. Allerdings fühle ich mich etwas wohler, da sich durch die Impfung die Ansteckungsgefahr verringert. Dennoch bin ich deswegen nicht leichtsinniger und halte mich dennoch an die Kontaktvorschriften.