Corona in Zahlen: Ampel, Hospitalisierungsrate, Inzidenz

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Lange war es eher ruhig rund um die Pandemie und Sars-CoV-2. Doch mit der vierten Welle werden auch die Forderungen und Meinungen zu dem Thema wieder lauter. Als Grundlage für alle Argumentationen gelten die Zahlen. Doch was sagen sie eigentlich genau aus? Was bedeuten Inzidenz, R-Wert oder Hospitalisierungsrate?

Wir haben uns die einzelnen Daten und ihre Botschaft genauer angeschaut.

Inzidenz – Neuinfektionen der letzten sieben Tage

Was ist das? Die Inzidenz begleitet uns inzwischen seit über zwei Jahren. Grundlage dafür sind die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Sie werden jeden Tag an das RKI gemeldet – von Ärzten und Laboren, die PCR-Tests durchführen, aber auch von Schulen und Altenheimen und allen anderen Orten, an denen getestet wird. Aus den täglichen Inzidenzen wird ein Durchschnittswert für die letzten sieben Tage errechnet. Korrekt müssten wir deshalb vom 7-Tage-Inzidenz sprechen.

Welche Aussagekraft hat er? Durch die Meldepflicht sind die Zahlen zur Inzidenz sehr exakt. Der Durchschnittswert bezieht zudem auch eventuelle Nachmeldungen mit ein. Der 7-Tage-Inzidenz gibt deshalb einen guten Überblick über das aktuelle Pandemiegeschehen: Je höher die Zahl der Neuinfektionen, desto mehr schwere Verläufe treten auf und desto mehr Patienten müssen auf Intensivstationen behandelt werden. Dennoch braucht es mit einer steigenden Impfrate weitere Parameter, um die Situation im Gesundheitssystem zu beurteilen.

R-Wert – Durchschnittliche Ansteckung pro infizierte Person

Was ist das? Nehmen wir an, Sie werden positiv auf Sars-CoV-2 getestet: Wie viele Personen stecken Sie dann an, bis die Maßnahmen greifen und Sie sich isolieren? Diesen Durchschnittswert über die letzten 7-Tage gibt der R-Wert an. Er wird vor allem über die Kontaktnachverfolgung der Gesundheitsämter bestimmt.

Welche Aussagekraft hat er? Der R-Wert hat im Laufe der Pandemie immer mehr an Bedeutung verloren. Je mehr Fälle es gibt, desto schwieriger wird die Kontaktverfolgung. Einige Gesundheitsämter kommen mit dem Erfassen der Daten nicht mehr hinterher. Zudem gibt es inzwischen aussagekräftigere Zahlen, um das Fortschreiten der Pandemie zu beurteilen. Der R-Wert war vor allem zu Beginn wichtig, um die Ansteckungsgefahr bei Covid-19 einzuschätzen.

Hospitalisierungsrate

Was ist das? Die Hospitalisierungsrate gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner wegen einer Covid-19-Erkrankung stationär im Krankenhaus behandelt werden. Sie wird mindestens täglich an das RKI übermittelt und soll einen Überblick über die Auslastung im Gesundheitsbereich geben.

Welche Aussagekraft hat sie? Seit September 2021 hat die Hospitalisierungsrate den Inzidenzwert in Deutschland abgelöst; zumindest was politische Entscheidungen angeht. Sie ist vielerorts die Grundlage für die aktuell herrschenden Einschränkungen und Maßnahmen. Denn oberstes Ziel ist es weiterhin, eine Überforderung des Gesundheitssystems zu verhindern und alle Patientinnen und Patienten adäquat zu versorgen.
Nach der Einführung gab es aber auch Kritik an der Genauigkeit der Zahlen. Das RKI hat inzwischen nachgebessert und die Berechnungen angepasst. Dennoch weichen die Zahlen der Bundesländer und die des RKIs an einigen Stellen voneinander ab.

Die Situation auf den Intensivstationen

Was ist das? Neben der Hospitalisierungsrate wird auch die Zahl der Covid-19-Patienten, die aktuell auf Intensivstationen behandelt werden, täglich an das RKI gemeldet. In vielen Bundesländern werden zusätzlich die Zahl der freien und belegten Intensivbetten genannt.

Welche Aussagekraft hat sie? Die Informationen kommen direkt aus den Krankenhäusern und sind sehr zuverlässig. Allerdings kann sich die Situation auf der Intensivstation auch schnell ändern; etwa bei einem größeren Verkehrsunfall oder bei kritischen Operationen. Ist Personal erkrankt, müssen eventuell Betten kurzfristig geschlossen werden. Als Laie lässt sich die Situation auf den Intensivstationen deshalb schlecht einschätzen.
Zudem hängt es von den Kliniken vor Ort ab, wie viele Intensivbetten zur Verfügung stehen. Viele Plätze, die im letzten Winter für den Notfall eingerichtet wurden, gibt es nicht mehr. Für die Einordnung der Zahlen sind deshalb in der Regel Experten nötig.

Ampel der Bundesländer

Was ist das? Die Corona-Ampel der Bundesländer soll einen schnellen Überblick über die aktuelle Situation in Ihrer Gegend geben. Sie bezieht Hospitalisierungsrate, Situation auf den Intensivstationen und Inzidenz mit ein. Die Farben richten sich außerdem nach den verfügbaren Betten auf Intensivstationen und in Krankenhäusern vor Ort.
Grün bedeutet ein langsames Pandemiegeschehen. Es sind nur wenige Maßnahmen nötig.
Orange ist die erste Warnstufe. Die Maßnahmen müssen verschärft werden, um der negativen Entwicklung entgegenzuwirken.
Rot ist die höchste Warnstufe. Die negative Entwicklung hat sich weiter verschlechtert. Es sind mehr Maßnahmen und Einschränkungen nötig.

Welche Aussagekraft hat sie? Die Farben der Corona-Ampeln fassen die aktuelle Einschätzung der Situation zusammen. Gerade für Laien sind sie deshalb gut verständlich und klar zu interpretieren. Allerdings verraten die drei Farbstufen nur wenig zur aktuellen Entwicklung. Ob die Gefahr einer Infektion mit Sars-CoV-2 gerade abnimmt oder steigt, können Sie anhand der Corona-Ampel nicht erkennen. Drohende Farbwechsel werden ebenfalls nicht angezeigt. Insofern kann sie nur ein sehr vages Bild des Infektionsgeschehens geben.