Postnatale Depression: Umweg zum Mutterglück

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Ein eigenes Kind zu bekommen, ist etwas ganz Besonderes. Monatelang freuen wir uns darauf, das kleine Wesen in den Armen zu halten. Doch was ist, wenn frischgebackene Mütter die ersten Tage und Wochen eher in einem dichten Nebel verbringen? Das große Glück erst mal ausbleibt?

Mindestens jede vierte Mutter leidet unter dem sogenannten Baby Blues. Sie startet in ihre neue Rolle mit Freude, aber auch mit depressiven Verstimmungen. Müdigkeit, Erschöpfung und Stimmungsschwankungen begleiten die ersten Tage. Nach spätestens einer Woche ist diese Phase wieder vorbei. Hält sie länger an, spricht man von einer postnatalen oder postpartalen Depression.

Eine postnatale Depression wird oft verschwiegen

Nur etwa 6 Prozent der Mütter bekommen eine postpartale Depression. Damit stecken sie in einer schwierigen Situation: Auf der einen Seite fühlen sie sich schlecht, sind unglücklich und bräuchten Hilfe, auf der anderen Seite können sie nicht darüber sprechen. Denn wer gibt schon gerne zu, dass er mit dem Mutterglück überfordert ist? Dabei sind die Symptome schwerwiegend und sollten behandelt werden.

Anzeichen einer postnatalen Depression:

  • Versagensängste, Zweifel an den Fähigkeiten als Mutter
  • Gefühllosigkeit oder keine positiven Gefühle gegenüber dem Kind
  • Übermäßige Angst um das Wohlergehen des Kindes
  • Zwangsgedanken (z.B. das Kind zu schädigen)
  • Stillprobleme
  • emotionale Labilität

Hinzu kommen die Symptome aller Depressionen, wie Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Dabei ein Neugeborenes zu versorgen, ist eine beinahe unlösbare Aufgabe.

Die Auslöser der postnatalen Depression sind vielfältig

Die postpartale Depression kann jede Frau treffen. Das Risiko ist allerdings größer, wenn sie schon einmal eine depressive Phase durchgestanden hat. Wenn der Baby Blues besonders heftig ausfällt, kann das ein erstes Anzeichen sein. Die Auslöser sind aber ganz unterschiedlich.

  • Ein traumatisches Geburtserlebnis oder auch die großen Veränderungen im Alltag sind schwerwiegende psychische Faktoren. Sie können eine postnatale Depression verursachen.

  • Schwangerschaftskomplikationen oder die zahlreichen hormonellen Veränderungen des Körpers sind ebenfalls ein Auslöser.

  • Mangelnde soziale Kontakte, etwa wenn die Mutter viel Zeit mit dem Kind zu Hause verbringt, die veränderte Beziehung mit dem Partner sowie fehlende Unterstützung können bei jungen Müttern zu einer postnatalen Depression führen.

  • Auch die Gesellschaft kann Mütter sehr stark beeinflussen. Ist der Druck von außen zu groß, zum Beispiel weil ein verklärtes Bild der Mutterrolle vorherrscht oder negative Faktoren bewusst ausgeklammert werden, kann das eine der Ursachen sein.

Postnatale Depression? Habe ich nicht!

Der erste Schritt bei einer postpartalen Depression ist, sich das Problem einzugestehen. Denn erst dann können betroffene Frauen um Hilfe bitten. Eine professionelle Therapie und Medikamente sind in fast allen Fällen nötig. Auch Unterstützung mit der neuen Rolle, dem Haushalt und der Betreuung des Kindes ist entscheidend. Die kann vom Partner oder der Familie kommen, aber auch von externen Helfern, zum Beispiel Hebammen oder Sozialarbeitern.

Manchmal ist ein Aufenthalt in einer Mutter-Kind-Klinik zu empfehlen. Dort kann auch intensiv an der Beziehung zwischen den beiden gearbeitet werden. Das Allerwichtigste für die meisten Frauen ist allerdings, überhaupt darüber zu sprechen, ob mit Freunden, anderen Müttern oder einer Selbsthilfegruppe. Denn obwohl die postnatale Depression gut behandelbar ist, wissen die meisten Frauen nur wenig darüber. Viele haben deshalb das Gefühl, als Mutter zu versagen oder etwas falsch zu machen. Zu erkennen, dass dies nicht der Fall ist, ist oft der erste Schritt zur Besserung.

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