Laborergebnisse: Blutwerte richtig verstehen

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Entzündungen, Infektionen oder Schilddrüsenfunktion, in unserem Blut finden sich oft die ersten Anzeichen einer Erkrankung. Mediziner nutzen dieses Wissen schon lange und nehmen beinahe allen Patienten regelmäßig Blut ab. So können Werte überprüft, Erkrankungen ausgeschlossen und Behandlungen besser ausgewählt werden.

Doch sind die Ergebnisse da, können meist nur die Ärzte etwas damit anfangen. Was bedeuten die einzelnen Werte wirklich? Und wie sollten Sie jetzt weiter vorgehen?

Das wird beim Blutabnehmen gemessen

Fast 100 verschiedene Werte können in unserem Blut gemessen und interpretiert werden. Welche sich der Arzt genauer ansehen möchte, hängt vor allem von Ihren Symptomen ab. Bei der Vorsorge beschränkt er sich meist aber auf das kleine oder das große Blutbild. Es kann erste Anhaltspunkte geben, um Erkrankungen auszuschließen oder Vermutungen zu bestätigen.

Ist bei Ihnen bereits eine Erkrankung bekannt, zum Beispiel Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion oder auch erhöhte Cholesterinwerte, so sollten die entsprechenden Werte regelmäßig überprüft werden. Im Labor wird Ihr Blut aber nur auf den entscheidenden Stoff untersucht. Alle anderen Blutwerte werden nicht bestimmt. Spätestens ab 35 Jahren sollten Sie deshalb regelmäßig ein Blutbild machen lassen, um Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen.

Das kleine Blutbild

Bei einem kleinen Blutbild möchte der Arzt mehr über die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten) erfahren. Außerdem werden Hämoglobin (der rote Blutfarbstoff) und Hämatokrit (der Zellenanteil im Blut) untersucht.

Zu hohe oder zu niedrige Werte können viele Gründe haben. Beim Lesen Ihres Blutbilds sollten Sie deshalb immer bedenken, dass es zunächst nur Anhaltspunkte für eine Erkrankung gibt. Eine eindeutige Diagnose kann in den meisten Fällen erst durch genauere Untersuchungen gestellt werden. Manchmal haben die auffälligen Werte auch überhaupt keine medizinisch relevante Ursache. Sie sollten also unbedingt mit Ihrem Arzt darüber sprechen.

Erythrozyten (4,3 – 5,7 Mio. / µl)

Die roten Blutkörperchen bestehen vor allem aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Sie sind für den Sauerstoff-Transport zuständig.
Ein niedriger Wert deutet auf eine Blutarmut hin. Er kann aber auch auf einen Nierenschaden, Zöliakie oder einen Mangel an Eisen, Folsäure oder Vitamin B hinweisen.
Ein hoher Wert kann zum Beispiel durch Sauerstoffmangel, eine Lungenkrankheit oder eine Nierenerkrankung ausgelöst werden. Auch Tumore oder Blutbildungsstörungen können die Ursache sein.

Leukozyten (4 – 10 Tsd. / µl)

Es gibt viele verschiedene Arten von weißen Blutkörperchen, die alle für unsere Immunabwehr zuständig sind. Sie befinden sich überall in unserem Körper und wehren vor allem Krankheitserreger ab.
Ein niedriger Wert kann auf eine Schädigung des Knochenmarks hinweisen, da die Leukozyten vor allem im Knochenmark gebildet werden. Auch Virusinfektionen, Krankheiten wie Malaria und Typhus, eine Überfunktion der Milz oder auch eine Antibiotika-Behandlung sind typisch für eine niedrige Zahl an weißen Blutkörperchen.
Ein hoher Wert spricht in erster Linie für einen Eindringling, den unser Immunsystem bekämpft. Das können Bakterien, Pilze oder Parasiten, aber auch Allergien oder ein Schock sein. Viel Stress oder Rauchen führen ebenfalls zu einem hohen Leukozyten-Wert. In seltenen Fällen könnte sie auch ein erstes Anzeichen für Leukämie sein.

Thrombozyten (140 – 400 Tsd. / µl)

Die Blutplättchen sorgen für die richtige Blutgerinnung. So verschließen sie zum Beispiel Wunden, wenn wir unsere Haut verletzt haben, damit keine Keime eindringen können.
Ein niedriger Wert kann viele Ursachen haben. Er kann auf eine Blutarmut hindeuten, aber auch durch eine laufende Chemotherapie, Leukämie oder gerinnungshemmende Medikamente ausgelöst werden. Alkohol, Malaria und ein Mangel an Folsäure oder Vitamin B könnten ebenfalls der Grund sein.
Ein hoher Wert könnte von Verletzungen oder einem hohen Blutverlust kommen. Auch Infektionen, chronische Entzündungen und Knochenmarks-Erkrankungen führen zu vielen Blutplättchen.

Hämoglobin (12 – 18 g / µl)

Hämoglobin ist für die rote Farbe im Blut zuständig. Zudem bindet es Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid, um es durch den Körper zu transportieren.
Ein niedriger Wert kommt häufig von einer Blutarmut oder einem Eisenmangel. Er kann auch auf eine entzündliche Magen-Darm-Erkrankung, wie Morbus Crohn, oder auf eine Nierenerkrankung hinweisen. Chronischer Blutverlust oder eine Überwässerung kann ebenfalls Ursache sein.
Ein hoher Wert könnte aus vielen Gründen entstehen. Er könnte beispielsweise auf Tumore, Herz- oder Lungenerkrankungen hindeuten. Kann aber auch durch Rauchen, Flüssigkeitsmangel und einen Aufenthalt in großer Höhe entstehen.

Hämatokrit (37 – 52 %)

Der Hämatokrit-Wert gibt an, wie viel Prozent des gesamten Blutes aus roten Blutkörperchen besteht. Durch das Verhältnis kann der Arzt erkennen, wie zähflüssig das Blut ist und wie der Flüssigkeitshaushalt des Patienten aussieht.
Ein niedriger Wert zeigt an, dass das Blut vor allem aus anderen Bestandteilen besteht. Es könnte sein, dass es überwässert oder das allgemein zu wenig vorhanden ist.
Ein hoher Wert könnte auf eine krankhafte Vermehrung der Blutzellen hindeuten, zum Beispiel bei Sauerstoffmangel, einer Herzerkrankung oder Tumoren. Es könnte aber auch ein Hinweis auf eine Blutbildungsstörung oder einen Flüssigkeitsmangel sein.

Das große Blutbild

Beim großen Blutbild werden zunächst die gleichen Werte wie beim kleinen ermittelt. Außerdem werden einige Bestandteile der Leukozyten differenziert betrachtet: Lymphozyten, Monozyten und die verschiedenen Arten der Granulozyten.

Sie geben genauer Aufschluss auf verschiedene Erkrankungen. Trotzdem sind auch sie nur ein erster Hinweis, der in der Regel genauer untersucht werden muss. Es kann auch vorkommen, dass ein Wert auffällig ist, ohne dass gesundheitliche Probleme dahinterstecken. Bei einem Verdacht sollten Sie deshalb auf jeden Fall zunächst mit Ihrem Arzt sprechen.

Lymphozyten (1.200- 3.000 Stk. / µl)

Die Lymphozyten sind ein Teil der weißen Blutkörperchen und besonders wichtig für das Immunsystem. Sie erkennen eindringende Krankheitserreger und bekämpfen sie.
Ein niedriger Wert kann durch bestimmte Medikamente, Krebsarten wie Morbus Hodgkin, eine Autoimmunerkrankung oder eine Harnvergiftung ausgelöst werden.
Ein erhöhter Wert deutet auf eine bakterielle oder virale Infektion hin. Er kann aber auch von Leukämie, Autoimmunerkrankungen oder einer Schilddrüsenüberfunktion kommen.

Monozyten (285 – 500 Stk. / µl)

Monozyten sind ebenfalls Bestandteil der weißen Blutkörperchen. Sie haben eine Lebensdauer von etwa drei Tagen. Danach verwandeln sie sich in die sogenannten „Fresszellen“, die Eindringlinge aufnehmen und so unschädlich machen.
Ein niedriger Wert besteht in der Regel nur, wenn die Gesamtzahl der Leukozyten sehr gering ist.
Ein hoher Wert könnte von einer Infektion mit Bakterien, Viren oder Parasiten kommen. Zudem deutet er auf einige Krebsarten, eine Herzinnenhautentzündung oder eine Autoimmunerkrankung, zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis ulcerose, hin.

Granulozyten

Auch Granulozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen. Sie werden in verschiedene Arten unterteilt, die in unterschiedlicher Zahl im Blut vorkommen sollten: stabkernige Granulozyten (150 – 400 Stk. / µl), segmentkernige Granulozyten (3.000 – 5.800 Stk. / µl), eosinophile Granulozyten (50 – 250 Stk. / µl) und basophile Granulozyten (15 – 50 Stk. / µl).
Ein niedriger Wert wird meist durch bestimmte Infektionen ausgelöst, zum Beispiel eine Erkrankung der Milz, spezielle Medikamente oder Bluterkrankungen.
Eine verminderte Zahl von eosinophilen Granulozyten kann auch während einer Kortison-Therapie, unter viel Stress oder durch das Cushing-Syndrom vorkommen.
Ein hoher Wert kann ebenfalls auf Infektionen hinweisen. Zudem könnten auch kurzfristige oder chronische Entzündungen, etwa Arthritis, dazu führen. Kommen vermehrt eosinophile Granulozyten vor, deutet das auf eine Allergie, einen Parasiten oder auch einen Wurmbefall hin. Ebenso können Autoimmunerkrankungen, einige Blutkrebsarten und eine Hauterkrankung Auslöser sein.
Sehr viele unreife stabkernige Granulozyten deuten darauf hin, dass der Kampf gegen die Infektion sehr schwer ist. Der Körper setzt die Abwehrzellen schon ein, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten können. Die Mediziner sprechen ihn diesem Fall von einer Linksverschiebung des Blutes.